29. März 2022 / 17:16 Uhr

DFB-Präsident Neuendorf über Katar-WM: Boykott wäre "nicht richtig" – Lob für Engagement im Breitensport

DFB-Präsident Neuendorf über Katar-WM: Boykott wäre "nicht richtig" – Lob für Engagement im Breitensport

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bernd Neuendorf spricht über seine Amtszeit als neuer DFB-Präsident.
Bernd Neuendorf spricht über seine Amtszeit als neuer DFB-Präsident. © IMAGO/Future Image/RND (Montage)
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Bernd Neuendorf ist seit zweieinhalb Wochen als DFB-Präsident im Amt. Im Gespräch mit dem SPORTBUZZER spricht der neue starke Mann im Verband über das Ansehen des Fußballs in Deutschland, die Rolle des Ehrenamts und die WM-Vergabe an Katar.

Der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich mit Blick auf die Winter-WM in Katar deutlich gegen einen Boykott der deutschen Nationalmannschaft ausgesprochen. "Wir sind kurz vor dem Turnierbeginn und jetzt einen Boykott auszusprechen, wäre aus meiner Sicht nicht richtig", sagte Neuendorf dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), im Rahmen der Sepp-Herberger-Awards in Berlin.

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"Es ist wichtig, jetzt mit den Akteuren vor Ort ins Gespräch zu kommen, klar Position zu beziehen und sich nicht zurückzuziehen, sondern für das einzutreten, was uns wichtig ist", erklärte der 60-Jährige und fügte an: "Jetzt müssen wir, auch wenn es noch so kleine Schritte sind, versuchen, darauf hinzuwirken, dass sich die Situation in Katar, was Menschenrechte, was Nachhaltigkeit betrifft, auch verbessert."

Als gutes Beispiel nannte Neuendorf das Treffen des DFB-Teams mit den Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch in der vergangenen Woche vor den ersten Länderspielen des Jahres 2022, an dem er selbst auch teilgenommen hat. Das soll - wie der Verband, die Spieler und die Organisationen bereits betonten - nur der Anfang gewesen sein: "Wir bleiben im Gespräch und ich glaube, dass wir Richtung Katar noch Signale brauchen und die Kräfte in Katar stützen müssen, die für eine liberalere Politik stehen." Die Vergabe des Turniers an den Wüstenstaat sei laut Neuendorf dessen ungeachtet "kritisch zu beurteilen, unter Menschenrechtsgesichtspunkten und unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit."

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Der ehemalige Präsident des Fußball-Verbandes Mittelrhein wurde am 11. März zum neuen DFB-Boss gewählt. In Zukunft will er "den Fußball wieder in den Mittelpunkt stellen, mit seiner ganzen Kraft, also als Sport, aber eben auch als gesellschaftliche Kraft, die soziale Integrität schafft." Die häufig aufkommende Kritik am größten Sportfachverband der Welt und dessen Außenwirkung kann Neuendorf nachvollziehen. "Wir haben jahrelang im DFB leider viel zu viel über andere Dinge gesprochen und die Querelen an der Spitze hat jeder mitbekommen."

DFB-Präsident Neuendorf über Katar-WM: Boykott wäre „falsche Entscheidung“

Als eine der zentralen inhaltlichen Aufgaben in diesem Jahr sieht Neuendorf eine Weichenstellung mit der Deutschen Fußball Liga (DFL). "Wir müssen einen neuen Grundlagenvertrag verhandeln, mit der DFL, mit den Profis. Das muss gut vorbereitet sein. Der Vertrag läuft nächstes Jahr aus und das sind Prozesse, die ich jetzt angehe", sagte er. Der Grundlagenvertrag regelt die wechselseitigen Rechte und Pflichten sowie die Zahlungsflüsse zwischen DFB und DFL, etwa bei der Nachwuchsförderung, der Beteiligung an der Vermarktung der Nationalmannschaft und den Medienerlösen.

Mit Blick auf den Amateurfußball, aus dessen Lager Neuendorf bei der Wahl zum Präsidenten viel Unterstützung erhalten hatte, lobte Neuendorf die Awards der DFB-Stiftung Sepp Herberger "Hier geht es um das, was an der Basis passiert im deutschen Fußball. Es ist nicht nur immer der große Glamour, den wir jedes Wochenende rund um die Bundesliga oder um Länderspiele erleben, sondern viele gute Initiativen, die an der Basis stattfinden", betonte der DFB-Boss. Das müsse "wieder mehr in den Fokus gerückt" werden.