06. Juli 2018 / 21:52 Uhr

Sieg im Duell der Superstars: De Bruyne wirft Neymar raus

Sieg im Duell der Superstars: De Bruyne wirft Neymar raus

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Belgiens Kevin De Bruyne trifft im WM-Knaller gegen Brasilien – und wirft den Rekordweltmeister aus dem Turnier.
Belgiens Kevin De Bruyne trifft im WM-Knaller gegen Brasilien – und wirft den Rekordweltmeister aus dem Turnier. © imago/Belga/Montage
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Auch 2018 reicht es nicht für den sechsten Stern: Rekordweltmeister Brasilien (fünf Titel) muss nach einer 1:2-Niederlage gegen extrem starke Belgier schon im Viertelfinale der WM die Koffer packen. Kevin De Bruyne siegt im Superstar-Duell gegen Neymar.

Vielleicht hat ja wirklich die Anwesenheit von Jean-Marie Pfaff geholfen: Vor den Augen des 64 Jahre alten Torwartidols, dessen Haar immer noch golden gekräuselt wie früher aussieht, hat der belgische Fußball seinen größten Erfolg nach dem Halbfinaleinzug bei der WM 1986 gefeiert: In einem flirrenden Viertelfinale setzten sich die „Roten Teufel“ mit 2:1 (2:0) gegen Brasilien durch. Der Sieg nach einem Eigentor von Fernandinho (13.) und einem Sahnetor von Kevin De Bruyne (31.) geriet in der ersten Halbzeit zur Demonstration der Stärke.

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„Eine wirklich tolle Mannschaft. Die Jungs haben es verdient. Alle Belgier sollten stolz sein“, sagte Trainer Roberto Martinez. „Jeder hat jetzt eine schöne Erinnerung. Das ist gut für diese Generation. Aber wir brauchen jetzt mehr.“

Im Umschaltspiel ist dieses Team eine Wucht. Der gewiss nicht enttäuschende Rekordweltmeister blies in der zweiten Hälfte zur Aufholjagd, schaffte aber lediglich den Anschlusstreffer durch Renato Augusto nach genialer Vorarbeit von Philippe Coutinho (76.). Die packende Partie war beinahe eines Endspiels würdig, und sowohl der eingewechselte Firmino (78.), Augusto (81.) als auch Coutinho (84.) hatten den eigentlich nicht unverdienten Ausgleichstreffer vor Augen. Wie paralysiert nahmen viele Brasilianer hinterher den Abpfiff hin: Marcelo blickte betreten zu Boden, als suchte er dort nach einer Erklärung, warum das Anrennen nutzlos war.

Internationale Pressestimmen: "Bye, Bye Brazil!" - Belgien schickt Brasilien nach Hause

Belgien hat es geschafft! Der längst nicht mehr so geheime Geheimfavorit hat im Viertelfinale Rekordweltmeister Brasilien aus dem Turnier gekegelt – und die „Roten Teufel“ sind hungrig auf mehr! So jubelt die internationale Presse über De Bruyne, Lukaku & Co. Zur Galerie
Belgien hat es geschafft! Der längst nicht mehr so geheime Geheimfavorit hat im Viertelfinale Rekordweltmeister Brasilien aus dem Turnier gekegelt – und die „Roten Teufel“ sind hungrig auf mehr! So jubelt die internationale Presse über De Bruyne, Lukaku & Co. ©

Brasilien schneidet noch schlechter ab als beim Debakel 2014

Flamen und Wallonen lagen sich derweil in den Armen: Bei der WM in Mexiko vor 32 Jahren stürmte noch ein Gerüst vom RSC Anderlecht mit Stars wie Jan Ceulemans, Enzo Scifo und René Vandereycken unter die letzten vier und ließ sich erst von Argentinien mit Diego Maradona bezwingen. Ob nun Eden Hazard, Romelu Lukaku oder De Bruyne noch mehr erreichen können, wird das Duell gegen Frankreich am Dienstag in St. Petersburg zeigen. De Bruyne jedenfalls sagte: „Wir sind in den Top 4, aber jeder will dieses Finale spielen.“ Trainer Roberto Martinez kann sich ans Revers heften, das Potenzial dieser Generation freigelegt zu haben.

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Beim Kollegen Tite gingen hingegen die Mundwinkel wie überall in seiner Heimat nach unten. Denn unter dem Strich hat die „Seleçao“ ungeachtet aller Fortschritte noch schlechter abgeschnitten als bei der Heim-WM vor vier Jahren. Bei allem Wehklagen über das 1:7 gegen Deutschland: Damals stand die Neymar-Generation – obwohl der Superstar ja verletzt fehlte – im Halbfinale. Die Träume vom „Hexa Campeao“, dem sechsten Titel, können sich nun frühestens 2022 in der Wüste von Katar erfüllen.

Diese Halbfinal-Teilnehmer stehen bereits fest

MOSCOW, RUSSIA - JULY 01:  General view inside the stadium prior to the 2018 FIFA World Cup Russia Round of 16 match between Spain and Russia at Luzhniki Stadium on July 1, 2018 in Moscow, Russia.  (Photo by Oleg Nikishin/Getty Images) Zur Galerie
MOSCOW, RUSSIA - JULY 01: General view inside the stadium prior to the 2018 FIFA World Cup Russia Round of 16 match between Spain and Russia at Luzhniki Stadium on July 1, 2018 in Moscow, Russia. (Photo by Oleg Nikishin/Getty Images) ©

Von Beginn an erfüllte diese prickelnde Paarung an der Kasanka-Mündung die Erwartungen. Die mit den zuletzt gegen Japan eingewechselten Marouane Fellaini und Nacer Chadli angetretenen Belgier hatte zunächst einige Mühe, als etwa der Ball vom Bein von Thiago Silva nur an den Pfosten prallte (8.). Doch dann drehte ein Eigentor von dem für den gesperrten Casemiro ins Team gerückten Fernandinho die Statik: Der Mittelfeldspieler konnte nach einer Chadli-Ecke wenig dafür, dass die Kugel von seinem Oberarm ins Tor rauschte. Der nächste Schachzug kam alsbald von der belgischen Trainerbank: Martinez bewies mit der Umstellung auf eine Viererkette seine taktische Expertise, denn von nun konnten die Belgier ihre ganze Klasse beim Konterspiel entfalten.

Wieder Flugeinlage von Neymar

Als Lehrstück fiel das 2:0: Unnachahmlich schüttelte der ebenso dynamische wie durchsetzungsstarke Lukaku seine Gegenspieler ab wie lästige Mücken vom Wolgaufer, und seinen Pass nahm De Bruyne dankbar auf: Fast ansatzlos und knallhart hämmerte der 27-Jährige den Ball in die lange Ecke. Deutschlands Fußballer des Jahres aus dem Jahre 2015 profitierte davon, dass ihm mit Fellaini und Alex Witsel diesmal zwei Fleißarbeiter den Rücken frei hielten. Geschlagen aber wirkten die Brasilianer noch nicht und bescherten dem starken Torwart Thibaut Courtois eine Menge Arbeit.

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Tite reagierte zur Pause auf den fahrigen Auftritt seines Flügelstürmer Willian, für den Firmino kam, der auch prompt eine scharfe Hereingabe von Marcelo verpasste (51.). Und was war eigentlich mit dem bühnenreifen Schauspieler Neymar? Beinahe schon plump, wie sich der 26-Jährige beim Dribbling im Strafraum auf den Boden warf, obwohl ihn niemand berührt hatte (53). Schiedsrichter Milorad Mazic entschied sofort auf Weiterspielen, hätte aber Brasiliens Nummer zehn für den Täuschungsversuch auch Gelb geben können. Auch eine Flugeinlage Neymars in der Nachspielzeit nach Körperkontakt war nicht elfmeterreif.

Zum fünften Mal: Alle Halbfinalisten der WM aus Europa

Glück jedoch besaßen die Belgier, dass eine Grätsche von Vincent Kompany gegen Gabriel Jesus ungestraft blieb. Die Zuhilfenahme der Videoassistenten führte nicht zu einer Elfmeterentscheidung (56.). Fragwürdig. Die Südamerikaner erzeugten bis zum Schluss enormen Druck und kamen zwischenzeitlich fast im Minutentakt zu zahlreichen Chancen. Einen Wermutstropfen gab es noch beim Sieger: Der auf den Rechtsverteidigerposten gerückte Thomas Meunier sah die zweite Gelbe Karte im Turnier und fehlt damit gegen Frankreich.

Zum fünften Mal in der Geschichte der WM kommen alle vier Halbfinalisten aus Europa. Mit Uruguay und Brasilien verabschiedeten sich die letzten verbliebenen Titelanwärter aus Südamerika. Am Samstag kommt es in den weiteren Viertelfinals zu zwei Europa-Duellen (Schweden gegen England und Russland gegen Kroatien). Zuletzt kamen 2006 alle vier Vorschlussrunden-Teams aus Europa, zuvor war dies 1982, 1966 und 1934 der Fall.


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