09. Juni 2019 / 12:11 Uhr

Deutsche Schiedsrichterin bei der Frauen-WM: Das ist Riem Hussein

Deutsche Schiedsrichterin bei der Frauen-WM: Das ist Riem Hussein

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Riem Hussein ist eine von zwei deutschen Schiedsrichterinnen bei der Frauen-WM in Frankreich.
Riem Hussein ist eine von zwei deutschen Schiedsrichterinnen bei der Frauen-WM in Frankreich. © 2019 Getty Images
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Als zweite deutsche Vertreterin neben Bibiana Steinhaus ist Riem Hussein als Schiedsrichterin bei der Frauen-WM in Frankreich aktiv. Im SPORTBUZZER-Porträt spricht die 38-Jährige über ihre Karriere, die WM und den Videobeweis beim Turnier. 

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„High, high hopes!“ So dröhnte es aus den Lautsprechern, als sich die 26 Schiedsrichterinnen und 47 Assistentinnen der Frauen-WM in Frankreich am Institut National du Sport in Paris zur öffentlichen Schulungseinheit versammelten. Große Hoffnungen: Die trägt auch Riem Hussein in dieses Turnier. Es ist die WM-Premiere für die 38-Jährige, die als zweite deutsche Hauptschiedsrichterin neben der erfahrenen Bibiana Steinhaus antritt. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung“, sagt die Apothekerin aus Bad Harzburg, auch wenn sich dadurch ihre Fehlzeiten im Hauptberuf weiter anhäufen. „Das geht nicht mehr einfach nur nebenbei.“

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Die Vorbereitung war auch deshalb so zeitintensiv, weil der Frauenfußball ein Novum erlebt: den Einsatz des Videoassistenten. Mehrere Seminare und Schulungen liefen unter FIFA-Obhut in Abu Dhabi und Doha ab, um die Abläufe und die Kommunikation für den Videobeweis (VAR) zu erproben, mit dem die Schiedsrichterinnen im Alltag noch nicht gearbeitet haben.

In der Bundesliga ist die VAR-Technik hoch umstritten. „Wir müssen dafür natürlich einen Schalter umlegen“, sagt Hussein. „Wir sind bestmöglich in dieser kurzen Zeit geschult worden. Daher mache ich mir keine großen Sorgen. Im Gegenteil. Es ist beruhigend zu wissen, dass es jetzt jemanden gibt, der einen vor einem möglichen großen Fehler schützt.“ Dann aber fügt sie hinzu: „Es steht und fällt doch damit, wie gut man selbst entscheidet. Am besten, man ist besser als die Technik.“

Der deutsche WM-Kader für Frankreich 2019:

Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. Zur Galerie
Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. ©

Hussein ist in Bad Harzburg geboren, ihre Eltern stammen aus Palästina. Sie ist glücklich darüber, als „voll integriertes Mädchen“ aufgewachsen zu sein. Zur Pfeife griff sie, weil sie in jungen Jahren mit den Schiedsrichtern nicht immer einer Meinung war. Mit Anfang 20 spielte sie beim MTV Wolfenbüttel in der 2. Frauen-Bundesliga, hatte Anfragen vom Hamburger SV und VfL Wolfsburg, wollte aber ihr Studium nicht vernachlässigen. Sie promovierte an der TU Braunschweig, was die richtige Entscheidung gewesen sei: „Zur Nationalspielerin hätte ich es wohl nicht gebracht. Ich war als Fußballerin kein Jahrhunderttalent.“ Dafür machte sie umso schneller im Schiedsrichterwesen Karriere.

Nun hofft sie nur, dass ihr ein Malheur wie bei der Frauen-EM 2017 erspart bleibt, als sie sich beim Gruppenspiel Island gegen Österreich die Achillessehne anriss. „Es ist bei einem Sprint passiert, aber ich habe das erst gar nicht mitbekommen und das Spiel noch zu Ende gebracht.“ Sechs Monate fiel sie aus. Am Sonntag pfeift die 38-Jährige ihr erstes WM-Spiel zwischen Brasilien und Jamaika.