24. Juni 2018 / 08:30 Uhr

WM-Serie: Banks of England fand die Liebe vor den Toren Wolfsburgs

WM-Serie: Banks of England fand die Liebe vor den Toren Wolfsburgs

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
GORDON BANKS - ENGLAND, WALES V ENGLAND, 2/10/67. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxPOLxUSAxONLY
Banks of England: Gordon Banks im Einsatz. Er wurde mit England Weltmeister. Geübt hatte er viel vor den Toren Wolfsburgs - in Königslutter, wo er auch seine Frau kennenlernte. © Imago/Colorsport
Anzeige

Unter dem Motto „WM-Klugscheißer-Wissen für Wolfsburger“ präsentieren wir Ihnen während der gesamten WM-Vorrunde jeden Tag eine Geschichte, die zu einem WM-Spiel des Tages passt – damit Sie auf dem Sofa, in der Kneipe oder beim Public Viewing mit Insider-Wissen glänzen können. Diesmal geht's um Englands vielleicht größte Legende...

Elfmeterschießen können sie nicht und ihre Torhüter neigen zu sensationellen Patzern. Das ist das, was man als Fußball-Fan gemeinhin so über die Auftritte der englischen Nationalmannschaft weiß. Seit 1966 jagen die Kicker von der Insel vergeblich großen Titeln hinterher. In seiner besten Zeit allerdings, Ältere werden sich erinnern, hatte England aber auch einen richtig guten Torwart. Spitzname: Banks of England. So sicher wie Geld damals in der Bank von England als aufgehoben galt, so sicher hielt Gordon Banks. Und der war in den vergangenen Jahrzehnten des Öfteren in der Gegend rund um Wolfsburg. Genauer gesagt in Königslutter. Denn dort bastelte er einst am Fundament seiner Karriere und fand die große Liebe. Dem SV Viktoria ist er deshalb immer noch verbunden.

Anzeige
Wolfsburg und die WM - Angeber-Wissen für Klugscheißer
Wolfsburg und die WM - Angeber-Wissen für Klugscheißer ©

1970: Banks muss passen, Deutschland siegt nach 0:2

Zur Legende wurde Banks nicht nur als Weltmeister 1966 im legendären Endspiel gegen Deutschland. Sondern endgültig bei derWM 1970 als er einen Kopfball von Pélé artistisch parierte. Der brasilianische Weltstar jubelte schon, sein Torschrei erstickte, später beschrieb Pélé die Szene als die größte Parade, die er je gesehen hatte. England verlor noch 0:1, kam aber ins Viertelfinale, wo Deutschland wartete. Aber auf Uwe Seele, Gerd Müller und Co.wartete eben nicht Banks. Sondern Peter Bonetti, der Ersatzmann. Banks hatte sich eine Magenverstimmung zugezogen, war kurzfristig ausgefallen. Es schien nicht zu stören, der Weltmeister führte 2:0. Dann traf Franz Beckenbauer mit einem nicht unhaltbar scheinenden Flachschuss, Uwe Seeler köpfte den Ausgleich mit dem Hinterkopf über Bonetti hinweg. Gerd Müller machte das 3:2 in der Verlängerung. Banks hatte das Ganze im TV im Hotel verfolgt - Englands Fußball-Trauma begann. Die Three Lions erlebten kein Finale mehr.

In Königslutter fand er die große Liebe

Wer weiß, wie die Karriere des Gordon Banks verlaufen wäre, hätte der Junge aus Sheffield, der erst in Kohlegruben-Arbeiterteams spielte, im Bergbau und als Mauer arbeitete, nicht in Langeleben, einem Ortsteil von Königslutter, seine Militärzeit bei der britischen Rheinarmee verbracht. Zum einen konnte er dort spielen. Kurioserweise bei Viktoria aber nur in der dritten Mannschaft. Allerdings - er war ja auch noch jung. Zum anderen: er lernte eine Frau namens Ursula kennen, nahm sie nach dem Militärdienst mit nach England, heiratete sie dort und startete durch. Ende der 50er Jahre war er Erstliga-Torwart, 1963 dann mit 25 Jahren erstmals Nationaltorhüter. Ein Autounfall im Herbst 1972 läutete das Ende seiner Karriere ein. Banks hatte bei dem Unfall sein räumliches Sehvermögen verloren, Peter Shilton löste den Mann, der zwischen 1966 und 1970 als bester Keeper der Welt galt, in der Nationalmannschaft und auch bei seinem Klub Stoke City als Stammtorwart ab.

Anzeige
Mehr zu unserer WM-Serie

Die offiziellen Trikots für die WM 2018

Die WM 2018 naht – und so langsam stehen auch die ersten Trikots fest. Wie die Mannschaften in Russland auflaufen werden, das erfahrt ihr in dieser Fotostrecke – klickt euch durch! Zur Galerie
Die WM 2018 naht – und so langsam stehen auch die ersten Trikots fest. Wie die Mannschaften in Russland auflaufen werden, das erfahrt ihr in dieser Fotostrecke – klickt euch durch! ©

Heute spielt England bei der WM gegen Panama. Nach dem Auftaktsieg gegen Tunesien hat das Team um Keeper Jordan Pickford gute Chancen auf das Achtelfinale. Am Torwart sollte es in der Vorrunde eigentlich nicht scheitern. Vielleicht erwächst zwischen den Pfosten ja sogar mal wieder ein Bank bei England. Joe Hart wurde nicht nominiert, Pickford und sein Ersatzmann Jack Butland haben die Zukunft noch vor sich, zusammen nämlich noch kein Dutzend A-Länderspiele. Gordon Banks, inzwischen 80 Jahre alt, wird möglicherweise daheim zuschauen. Kontakt nach Königslutter hält er noch. 2011 und 2013 war er dort noch zu Besuch, ist Ehrenmitglied des Klubs, war Gast auf der 100-Jahr-Feier. Auf der Homepage des SV Viktoria ist ihm eine eigene Rubrik gewidmet.