05. Dezember 2022 / 17:43 Uhr

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: So kann Brasilien gegen Südkorea der Favoritenrolle gerecht werden

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: So kann Brasilien gegen Südkorea der Favoritenrolle gerecht werden

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Casemiro (links, Brasilien) bekommt es im WM-Achtelfinale mit Südkorea und Heung-Min Son zu tun.
Casemiro (links, Brasilien) bekommt es im WM-Achtelfinale mit Südkorea und Heung-Min Son zu tun. © Getty (Montage)
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Im WM-Achtelfinale stehen sich Brasilien und Südkorea gegenüber. Der frühere Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum ist während der WM im Wüstenstaat als Taktik-Experte im Einsatz. Für den SPORTBUZZER erklärt er, wo die Teams ihre Stärken ausspielen müssen.

Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar hat sich der ehemalige Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum intensiv mit den beim Turnier im Wüstenemirat antretenden Mannschaften auseinandergesetzt. Mit einem insgesamt neunköpfigen Team von Analysten beleuchtet der 43-Jährige die taktischen Kniffe der WM-Teilnehmer aus allen erdenklichen Blickwinkeln. Beim SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), erklärt er zu den Achtelfinals, was die Teams ausmacht, wo es haken könnte und worauf man achten sollte. Abschließend sagt Baum ein mögliches Spielszenario voraus – der Blick auf das Achtelfinale zwischen Brasilien und Südkorea (20 Uhr/ZDF und Magenta TV).

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Manuel Baum, ehemaliger Bundesliga-Trainer, ist während der WM für Magenta TV als Analyst und Kommentator aktiv. Magenta TV zeigt alle WM-Spiele live [Anzeige].

BRASILIEN

Die Brasilianer haben eine durchwachsene Gruppenphase mit zwei Siegen und einer Niederlage im letzten Spiel gegen Kamerun gespielt. Trainer Tite rotierte vom 4-3-3 in ein 4-2-3-1 und brachte neue Kräfte in der Defensive mit Dani Alves (39), Eder Militao und Gleison Bremer. Grundsätzlich ist die Auswirkung auf das brasilianische Spiel marginal, aber im Vergleich ist die Stammformation in der Defensive mit Kapitän Thiago Silva-Marquinos-Casemiro sehr stabil und außergewöhnlich zweikampfstark.

Schwächen haben sie nur bei der Verteidigung von hohen Bällen aus dem Spiel. So fiel auch das einzige Gegentor in der Gruppenphase durch Kameruns Vincent Aboubakar. In der Offensive ist Brasilien besonders stark besetzt und entscheidet dort meist die Spiele. Die ursprüngliche Angriffslinie mit Viníciús Junior, Richarlison, Raphinha und Neymar dahinter, wurde im letzten Spiel mit Gabriel Martinelli, Antony, Everton und dem verletzten Gabriel Jesus kompensiert. Die Qualität in der Kaderbreite ist außergewöhnlich bei Brasilien.

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SÜDKOREA

Südkorea brauchte im letzten Gruppenspiel einen Sieg und musste auch hoffen, dass Uruguay nicht zu hoch gewinnt. Der portugiesische Trainer Paulo Bento war aufgrund einer roten Karte auf der Tribüne und Korea spielte wechselweise im 5-4-1 oder auch im 4-4-2 flach gegen den Ball und geriet früh in Rückstand (5.). Sie konnten aber noch in der ersten Hälfte nach einer Ecke durch Young-Gwon Kim zum 1:1 ausgleichen.

Nach der Pause gestalteten beide Mannschaften das Spiel offener, aber ohne dass eine Mannschaft zwingend war. Viele Angriffe wurden geblockt und es brauchte eine Einzelaktion von Heung-Min Son, der nach einer Ecke der Portugiesen als Umschaltspieler den Ball im Sprint über den ganzen Platz transportierte. Ein fein dosierter Steckpass öffnete den Raum für Hee-Chan Hwang, der in der Nachspielzeit zum 2:1 Siegtreffer einschob. Südkorea musste lange nach dem Spiel auf das Ergebnis von Uruguays warten, die ein Tor zu wenig für das Weiterkommen erzielten.

Mögliches Spielszenario:

Südkorea geht als Außenseiter in die Partie. Offen ist die Frage, ob Südkorea tief im 5-4-1 verteidigen wird oder höher anlaufen muss, um Brasilien vom eigenen Tor weg zu halten. Unter Umständen wird es auch eine Mischung aus beiden Formen sein. Dadurch, dass die Brasilianer technisch sehr sicher sind und sich auch aus direktem Pressing gut lösen, können Umschaltmomente eher über Fehlpässe entstehen. Mit Son haben sie im Umschaltmomenten genügend Geschwindigkeit. Gleichzeitig ist Son ein sehr guter Freistoßschütze und Korea hat einige Varianten im Repertoire. Wenn Gue-Sung Cho zum Einsatz kommt, kann man auch das Pressing der Brasilianer mit langen Bällen überspielen und auf den zweiten Ball spekulieren.

Brasilien wird in diesem Spiel mehr Ballbesitz haben und die koreanischen Schwächen bespielen. Bei einer hochstehenden Kette sind Diagonalbälle in die Tiefe auf Vinicius Junior eine gefährliche Waffe, wenn Koreas Kette nicht schnell genug fällt. Auch in der Verteidigung bei Eckbällen zeigten sie Unsicherheiten und Brasilien verfügt über einige gute Kopfballspieler. Wenn Neymar noch ausfallen sollte, wird wahrscheinlich Rodrygo auflaufen und Vinicius Junior muss für die Impulse auf der linken Seite sorgen. Grundsätzlich verfügt Brasilien über die besseren Einzelspieler und Korea kann nur über das Kollektiv bestehen.

Unser Tipp: Brasilien gewinnt mit zwei Toren 2:0 oder 2:1.

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