06. Dezember 2022 / 19:16 Uhr

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Wann Portugal gegen die Schweiz in der Defensive anfällig sein könnte

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Wann Portugal gegen die Schweiz in der Defensive anfällig sein könnte

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bruno Fernandes (links, Portugal) trifft im WM-Achtelfinale auf die Schweiz um Xherdan Shaqiri.
Bruno Fernandes (links, Portugal) trifft im WM-Achtelfinale auf die Schweiz um Xherdan Shaqiri. © IMAGO/Shutterstock/Agencia MexSport/Team 2 (Montage)
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Im WM-Achtelfinale stehen sich Portugal und die Schweiz gegenüber. Der frühere Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum ist während der WM im Wüstenstaat als Taktik-Experte im Einsatz. Für den SPORTBUZZER erklärt er, wo die Teams ihre Stärken ausspielen müssen.

Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar hat sich der ehemalige Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum intensiv mit den beim Turnier im Wüstenemirat antretenden Mannschaften auseinandergesetzt. Mit einem insgesamt neunköpfigen Team von Analysten beleuchtet der 43-Jährige die taktischen Kniffe der WM-Teilnehmer aus allen erdenklichen Blickwinkeln. Beim SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), erklärt er zu den Achtelfinals, was die Teams ausmacht, wo es haken könnte und worauf man achten sollte. Abschließend sagt Baum ein mögliches Spielszenario voraus – der Blick auf das Achtelfinale zwischen Portugal und der Schweiz (20 Uhr/ARD und Magenta TV).

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Manuel Baum, ehemaliger Bundesliga-Trainer, ist während der WM für Magenta TV als Analyst und Kommentator aktiv. Magenta TV zeigt alle WM-Spiele live [Anzeige].

PORTUGAL

Portugal war qualifiziert und Coach Fernando Santos rotierte in allen Mannschaftsteilen. Die zwei neuen Kräfte Diogo Dalot und Ricardo Horta schafften es, nach einem langen Ball hinter die Kette, Portugal früh (5.) in Führung zu bringen. Durch ein Tor nach einer Ecke, schaffte Südkorea wieder den Anschluss und zeigte eine besondere Schwäche Portugals auf, denn an der Fünfmeterraum-Grenze fallen immer wieder Gegentore (Ghana, Korea). Die schlechte Defensivabstimmung ist auffällig und auch mangelndes Tempo der Verteidiger (Pepe, Ruben Dias).

Die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenverteidiger wird von Portugal immer wieder offengelassen und führt zu gefährlichen Hereingaben. Auch im defensiven Umschaltspiel haben sie Schwächen, die Südkorea zum letztlichen Siegtreffer nutzte. Mit fünf Toren in zwei Spielen ist die Offensive Portugals Waffe. Bruno Fernandes, Ronaldo (wenn er eingewechselt wird), Joao Félix und Bernardo Silva sind alle in der Lage individuelle Lösungen im offensiven Eins-gegen-Eins zu finden und sehr schwer zu verteidigen.

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SCHWEIZ

Die Schweiz spielte im 4-2-3-1 mit Ball gegen Serbien und benötigte mindestens ein Unentschieden zum Weiterkommen. Es entwickelte sich eine sehr intensiv geführte Partie, in der die Führung mehrfach wechselte und beide Mannschaften sich nichts schenkten. Die Schweiz zeigte über die Vorrunde eine gute Organisation, musste aber zwei Treffer nach Ballverlusten im Aufbau rechts und Umschaltspiel der Serben hinnehmen. Beim Abschluss im Strafraum ließ Manuel Akanji jeweils deutlich zu viel Raum für die serbischen Stürmer.

Die Schweizer haben sich als Team präsentiert und kamen durch zwei Tore vor und nach der Halbzeit zurück. Viele Angriffe (76%) gingen durch die Mitte über Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Djibril Sow. Die Schweiz ist aber mit Durchbrüchen über die Außenbahn (Ricardo Rodríguez, Silvan Widmer) und flach zurück gezogenen Hereingaben genauso gefährlich. Dreh- und Angelpunkt ist in allen Spielen in der Offensive Breel Embolo (zwei Tore) als Ziel- und Wandspieler. Er macht viele Bälle in der Box fest und legt auf Mitspieler ab und hat das Tempo für tiefe Läufe in den Rücken der Abwehrkette.

Mögliches Spielszenario:

Die Schweizer werden defensiv gut organisiert im Mittelfeldpressing beginnen und den Raum vor ihrer Abwehrkette möglichst eng halten, damit die gefährliche Offensive von Portugal wenig Raum hat. Wenn es gelingt, im Mittelfeld in Balleroberungen zu kommen, hat die Schweiz genug Tempo im Umschalten mit Embolo und Ruben Vargas, um hinter die Abwehrkette von Portugal zu kommen. Hier sind Xhaka, Shaqiri und Remo Freuler als aggressive Balleroberer und Zuspieler gefordert. Besonders nach der 60. Minute, ab der Portugal in den letzten Spielen in der Passgenauigkeit und im Ballbesitz abbaute.

Portugal wird sich auf die offensiven Kräfte verlassen, die im frontalen Eins-gegen-Eins Lücken in der Schweizer Abwehr finden können. Akanji in der Defensive der Schweiz ist zurzeit nicht stellungssicher. Dazu müssen die Außenbahnspieler (Dalot, Guerreiro, Cancelo) aber Durchbrüche schaffen und in den Rücken der Schweizer Kette kommen.

Unser Tipp: Enges Spiel mit Verlängerungspotenzial. Falls Ronaldo aufs Feld kommen sollte, ist Raum für die Legende.

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