03. Dezember 2022 / 14:24 Uhr

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Wie die USA die Niederländer vor Probleme stellen können

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Wie die USA die Niederländer vor Probleme stellen können

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Cody Gakpo (Niederlande, links) trifft im Achtelfinale auf Sergino Dest (USA).
Cody Gakpo (Niederlande, links) trifft im Achtelfinale auf Sergino Dest (USA). © IMAGO/Icon Sportswire/Xinhua (Montage)
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Im ersten WM-Achtelfinale stehen sich die Niederlande und die USA gegenüber. Der frühere Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum ist während der WM im Wüstenstaat als Taktik-Experte im Einsatz. Für den SPORTBUZZER erklärt er, wo die Teams ihre Stärken ausspielen müssen.

Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar hat sich der ehemalige Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum intensiv mit den beim Turnier im Wüstenemirat antretenden Mannschaften auseinandergesetzt. Mit einem insgesamt neunköpfigen Team von Analysten beleuchtet der 43-Jährige die taktischen Kniffe der WM-Teilnehmer aus allen erdenklichen Blickwinkeln. Beim SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), erklärt er zu den Achtelfinals, was die Teams ausmacht, wo es haken könnte und worauf man achten sollte. Abschließend sagt Baum ein mögliches Spielszenario voraus – der Blick auf das erste Achtelfinale zwischen den Niederlanden und den USA (16 Uhr/Magenta TV).

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Manuel Baum, ehemaliger Bundesliga-Trainer, ist während der WM für Magenta TV als Analyst und Kommentator aktiv. Magenta TV zeigt alle WM-Spiele live [Anzeige].

NIEDERLANDE

Die Niederlande beendeten ihr letzten Gruppenspiel mit einem schmeichelhaften 2:0 gegen Gastgeber Katar. Louis van Gaal ließ in der Grundordnung mit 5-2-1-2 im Pressing gegen den Ball spielen. Ansonsten mit einer dynamischen Viererkette mit Daley Blind links tief und Denzel Dumfries rechts hochgeschoben und bauten das Spiel meist über Frenkie de Jong auf. Oranje schleppte das Spiel in die Hälfte der tief verteidigenden Kataries und hatte große Probleme nach Ballverlusten im Umschaltspiel.

Auffällig sind die schlechten Zweikampfwerte der Abwehrkette bei z.B. Nathan Aké (40%), Dumfries (43%) und Blind (25%), die den Gegner immer wieder in gute Situationen brachten. Im Angriffsspiel ging viel durch die Mitte und teilweise über rechts und den hochstehenden Außen mit längeren Kurzpassstaffelten (783 Pässe), ohne zielstrebig Richtung Tor zu spielen. Die Tore fielen aber nach gutem Kombinationsspiel, wo kurz die individuelle Klasse der Niederländer aufblitzte. Cody Gakpo entwickelt sich zur Lebensversicherung und erzielte das 1:0 vor der Pause und de Jongs Tor komplettierte den Arbeitssieg in der 49. Minute.

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USA

Die USA waren beim 0:1-Sieg gegen den Iran die bessere Mannschaft, weil sie es schafften sich auf den Fußball zu konzentrieren und politische Themen ausgeblendet haben. Coach Gregg Berhalter spielt immer im 4-3-3 und macht keine Anpassungen an den Gegner. Gegen den Ball sind die Amerikaner griffig und kommen zu hohen Balleroberungen, um dann mit Christian Pulisic und Timothy Weah schnell in die Box zu kommen. Pulisic ist der Schlüsselspieler, der bisher an den wenigen Toren beteiligt war. Mit Sergino Dest haben sie einen technisch starken rechten Außenverteidiger, der immer wieder gut anschiebt, aber keinen großgewachsenen Abnehmer in der Box findet. So kommen die USA eher über flache Hereingaben in die Box.

In der Defensive stehen sie stabil und haben bisher nur ein Gegentor zugelassen. Probleme haben die Innenverteidiger im Spielaufbau, wenn sie angelaufen werden und schnell Lösungen finden bzw. wenn sie andribbeln müssen. Hier zeigen sich einfach Schwächen in der Technik und der Iran hätte in einigen Möglichkeiten hier zum Erfolg kommen können.

Mögliches Spielszenario:

Die USA werden defensiv im 4-3-3 im Mittelfeldpressing stehen und zuerst das Zentrum im Aufbau gegen de Jong schließen wollen. Wenn es die Chance gibt, kurzfristig ins Angriffspressing zu gehen, werden die USA z.B. links Druck auf Blind ausüben, um hohe Ballgewinne zu erzielen. Auf dieser Seite hat Dest gegen Blind deutliche Geschwindigkeitsvorteile im Eins-gegen-Eins. Ein großes Fragezeichen steht hinter Pulisics Einsatz nach seiner Beckenprellung.

Die Niederländer sind bisher bei ca. 70% ihrer Leistungsfähigkeit gewesen und müssen sich jetzt deutlich steigern. Gegen sich gut formierende Amerikaner müssen sie schneller und konkreter die Tiefe suchen, ansonsten ist das Spiel zu statisch und berechenbar. Die Niederländer werden u.U. den Spielaufbau der Amerikaner direkt stören und sie zu langen Bällen zwingen, wo die Niederländer Vorteile in der Eroberung mit ihren großen Innenverteidigern haben.

Zentrale Duelle: Werden die langsamen US-Innenverteidiger Gakpo in den Griff kriegen? Wird der Raum hinter dem hochstehenden Dumfries frei für Impulse von Pulisic?

Unser Tipp: Wahrscheinlich ausgeglichen, nach 90 Minuten 1:1. Niederlande gewinnen nach der Verlängerung 2:1.

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