29. November 2022 / 18:40 Uhr

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Darum setzt sich der Iran gegen die USA durch

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Darum setzt sich der Iran gegen die USA durch

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Manuel Baum (kleines Bild) blickt auf das Gruppenspiel zwischen dem Iran und den USA. 
Manuel Baum (kleines Bild) blickt auf das Gruppenspiel zwischen dem Iran und den USA.  © Imago/Matthias Koch/Focus Images (Montage)
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Sowohl für den Iran als auch für die USA besteht am letzten Spieltag die Chance auf den Einzug ins WM-Achtelfinale. Der frühere Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum ist während der WM im Wüstenstaat als Taktik-Experte im Einsatz. Für den SPORTBUZZER blickt er auf das Spiel Iran gegen USA.

Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar hat sich der ehemalige Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum intensiv mit den beim Turnier im Wüstenemirat antretenden Mannschaften auseinandergesetzt. Mit einem insgesamt neunköpfigen Team von Analysten beleuchtet der 43-Jährige die taktischen Kniffe der WM-Teilnehmer aus allen erdenklichen Blickwinkeln. Beim SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), erklärt er zum jeweiligen Topspiel des Tages, was die Teams ausmacht, wo es haken könnte und worauf man achten sollte. Abschließend sagt Baum ein mögliches Spielszenario voraus. Heute: der Blick auf das Spiel zwischen dem Iran und den USA (20 Uhr, ARD und Magenta TV).

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Manuel Baum, ehemaliger Bundesliga-Trainer, ist während der WM für Magenta TV als Analyst und Kommentator aktiv. Magenta TV zeigt alle WM-Spiele live [Anzeige].

Iran

Iran schaffte gegen Wales den ersten Punktgewinn und gewann verdient mit 2:0. In der im Zentrum kompakten Grundordnung 4-3-2-1 schaffte es der Iran, Wales aus der Defensive zu locken, indem die Asiaten den Walisern den Ballbesitz überließen (32 Prozent zu 68 Prozent), obwohl dies nicht ihrer Spielmentalität entspricht. Dadurch war Wales gezwungen, das Spiel mehr in der Hälfte des Irans zu führen. Hier suchte der Iran Ballgewinne im nach außen gelenkten Mittelfeldpressing und kam nach Balleroberungen in sehr schnelles Umschaltspiel. Die Konter hatten alle ein sehr hohes Tempo. Der Iran brachte Wales mehrfach in Gleich- oder Unterzahlsituationen, die in höchster Not geklärt wurden.

Grundsätzlich hat sich die Offensive mit Taremi, Gholizadeh und dem Leverkusener Azmoun gefunden und strahlte deutlich mehr Gefahr als im ersten Spiel aus. Der Iran wirkte auch stabiler im Konzept, dem Gegner den Ball zu überlassen und ins Umschaltspiel zu gehen, als das Spiel komplett machen zu wollen, obwohl die Mannschaft technisch sehr stark ist und gerne Lösungen im Passspiel sucht.

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USA

Im Spiel gegen England liefen die US-Amerikaner im gewohnten 4-3-3 auf. Gegen die vermeintlich favorisierten Engländer schafften sie es aber mit einer mutigen Spielweise, die englische Abwehr immer wieder vor Probleme zu bringen. Die US-Amerikaner spielten zügig nach vorne und hatten z.B. durch den Lattentreffer von Pulisic sehr gute Gelegenheiten. Die Engländer agierten eher behäbig im Aufbau und stellten in der ersten Hälfte die USA vor kaum Probleme.

Nach dem Seitenwechsel spielten die USA sehr agil bis an die Box. England verteidigte erstaunlich tief und passiv. Man muss der Mannschaft von US-Coach Gregg Berhalter grundsätzlich die Chancenverwertung ankreiden, denn die Mannschaft betreibt einen hohen Aufwand und belohnt sich zu wenig mit Toren. Daher sind die Spiele bei der WM über sehr lange Zeiträume offen. Die USA haben wenig Spielphasen, in denen sie den Gegner kommen lassen können, um Kräfte zu sparen. Das Ziel der Berhalter-Auswahl ist aber nicht die WM in Qatar, sondern das Turnier im eigenen Land 2026, wo das junge Team gereifter auftreten wird.

Mögliches Spielszenario:

Wenn Wales im Parallelspiel der Gruppe gegen England nicht gewinnt, würde dem Iran schon ein Unentschieden gegen die USA reichen, um weiterzukommen, während die USA gewinnen müssen. Aufgrund der letzten Spiele sind die USA leicht spielstärker einzuschätzen, schafften aber bisher nur zwei Unentschieden und nur ein Tor. Insofern müssen die USA die Partie offensiver angehen. Der Iran wird das erfolgreiche Prinzip aus dem letzten Spiel anwenden.

Ein weiterer Faktor ist die politische Situation zwischen den beiden Ländern. Der Iran fiebert förmlich einem Sieg gegen den Erzfeind entgegen, das Spiel wird entsprechend aufgeladen sein. Jeder Iraner wird das Spiel vor dem Fernseher verfolgen, die Spieler haben mit einem Sieg die Möglichkeit, in ihrer Heimat gut dazustehen. Bereits mit der nicht gesungenen Nationalhymne im Auftaktspiel gegen England (2:6) hatte sich die iranische Mannschaft klar zu den politischen Protesten in der Heimat positioniert. Ob die sehr junge US-Mannschaft sich dieser Dimension bewusst sein wird, ist fraglich.

Unser Tipp: Normalerweise 1:1, durch die besonderen Umstände 2:1 für den Iran.

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