30. November 2022 / 19:30 Uhr

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Was Argentinien gegen Polen vor Probleme stellen kann

WM-Taktikcheck von Manuel Baum: Was Argentinien gegen Polen vor Probleme stellen kann

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Argentinien-Trainer Lionel Scaloni (links) trifft auf Polen-Coach Czeslaw Michniewicz. Manuel Baum analysiert das Duell der beiden Nationen bei der WM.
Argentinien-Trainer Lionel Scaloni (links) trifft auf Polen-Coach Czeslaw Michniewicz. Manuel Baum analysiert das Duell der beiden Nationen bei der WM. © Getty Images/IMAGO/Newspix (Montage)
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Nach dem Sieg gegen Mexiko hat sich die Ausgangslage für Argentinien verbessert, in der K.o.-Runde steht das Team von Superstar Lionel Messi aber noch nicht. Der frühere Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum ist während der WM im Wüstenstaat als Taktik-Experte im Einsatz. Für den SPORTBUZZER blickt er auf das Spiel Polen gegen Argentinien. 

Schon im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar hat sich der ehemalige Augsburger und Schalker Bundesliga-Trainer Manuel Baum intensiv mit den beim Turnier im Wüstenemirat antretenden Mannschaften auseinandergesetzt. Mit einem insgesamt neunköpfigen Team von Analysten beleuchtet der 43-Jährige die taktischen Kniffe der WM-Teilnehmer aus allen erdenklichen Blickwinkeln. Beim SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), erklärt er zum jeweiligen Topspiel des Tages, was die Teams ausmacht, wo es haken könnte und worauf man achten sollte. Abschließend sagt Baum ein mögliches Spielszenario voraus. Heute: der Blick auf das Spiel zwischen Polen und Argentinien (20 Uhr, ZDF und Magenta TV).

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Manuel Baum, ehemaliger Bundesliga-Trainer, ist während der WM für Magenta TV als Analyst und Kommentator aktiv. Magenta TV zeigt alle WM-Spiele live [Anzeige].

POLEN

Polen hatte im ersten Spiel unentschieden gespielt und war dabei sehr defensiv aufgetreten. Robert Lewandowski kritisierte dies öffentlich und Coach Czesław Michniewicz reagierte mit einer offensiveren Variante im 4-4-1-1. Neben Lewandowski spielte als zweiter Stürmer Arkadiusz Milik und sollte dem Spiel mehr Tiefe geben. Die Polen haben den Saudis weitgehend den Ball überlassen (35 zu 65 Prozent) und auf Umschaltmomente gelauert. Vor dem 1:0 waren die Saudis weit aufgerückt und genau diese Situationen suchten die Polen mit einem weiten Abschlag und sehr schnellem Spiel bis in die Box. Glück hatten die Polen bei einem Strafstoß, den Torhüter Wojciech Szczesny inklusive des Nachschusses parierte. Nach der Pause drückte Saudi-Arabien auf den Ausgleich und Polen wandte eine besondere Strategie an. Hohe Flanken wurden bewusst zugelassen, um sie durch die eigenen großen Verteidiger in Umschaltmomente zu wandeln. Dabei stand Polen nach dem 2:0 durch Lewandowski sehr tief im Abwehrpressing mit einer Fünferkette und konzentrierte sich auf die Verteidigung. Gefahr kam immer wieder durch das Umschaltspiel, woraus noch zwei Aluminiumtreffer resultierten und auch noch eine Großchance durch Lewandowski.

ARGENTINIEN

Argentinien trat mit der Bürde einer vorherigen Niederlage gegen Mexiko an und hatte großen Druck dieses Spiel zu gewinnen, um nicht vorzeitig auszuscheiden. Die Mannschaft spielte in einer 4-1-2-3 Grundordnung und hielt das Zentrum sehr kompakt und ließ keinerlei Spielfluss der Mexikaner zu. Weil Mexiko den Argentiniern das Spiel überließ, hatte Argentinien teilweise 71 Prozent Ballbesitz, aber schaffte es nicht ins letzte Drittel oder die Box zu spielen. Bei keinen Torschuss zur Pause, zeigten sich die Probleme von Argentinien in der Gestaltung des eigenen Spiels, besonders in der Staffelung. Mexiko konnte das Zentrum komplett geschlossen halten und ließ nichts zu. Nach der Pause änderte der mexikanische Trainer ohne Not von Vierer- auf Fünferkette und zog damit einen Mittelfeldspieler tiefer. Bei der einzig gefährlichen Situation schaffte es Di Maria, Messi freizuspielen und er traf per Fernschuß zum erlösenden 1:0. Auch in der Folge tat sich Argentinien sehr schwer Chancen zu kreieren und konnte nur durch eine schöne Einzelleistung von Fernandez nach Vorarbeit von Messi den Deckel zu machen. Sehr deutlich wurde die Abhängigkeit der Argentinier von Messis Impulsen. Wenn diese weniger werden oder ausbleiben, hat die Mannschaft große Probleme Ideen zu entwickeln.

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Mögliches Spielszenario:

Überraschend steht Polen ohne Niederlage an der Tabellenspitze und braucht nur ein Unentschieden, um weiterzukommen. Der vorsichtige polnische Coach wird also nicht zu viel Risiko gehen und sich wieder auf seine Defensive verlassen. Es war sichtbar, wie schwer sich Argentinien bei einem tiefstehenden Gegner tut. Die Polen sind auch bei Flanken in der Luft überlegen und haben mit einem überragenden Szczesny im Tor viel Sicherheit. Argentinien kann sich nicht auf das andere Spiel verlassen und muss gewinnen, um sicher weiter zu sein. Insofern muss eine Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft erfolgen, um Polen zu schlagen.

Unser Tipp: Sehr enges Spiel, Argentinien muss zittern: 1:1

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