06. August 2018 / 21:38 Uhr

Männer und Frauen holen Kanupolo-Gold – und gedenken Fiete Junge

Männer und Frauen holen Kanupolo-Gold – und gedenken Fiete Junge

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Himmlische Geste: Die deutschen Nationalspieler recken nach dem Titelgewinn Fiete Junges Weste mit der Nummer 10 in die Höhe. Die unterlegenen Italiener spenden respektvoll Applaus. Der Hannoveraner Junge (kleines Foto) verstarb vor rund zwei Wochen mit 26 Jahren an den Folgen einer Hirnhautentzündung.
Himmlische Geste: Die deutschen Nationalspieler recken nach dem Titelgewinn Fiete Junges Weste mit der Nummer 10 in die Höhe. Die unterlegenen Italiener spenden respektvoll Applaus. Der Hannoveraner Junge (kleines Foto) verstarb vor rund zwei Wochen mit 26 Jahren an den Folgen einer Hirnhautentzündung. © canoeifc/Sielski
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Der Doppel-Triumph bei der Kanupolo-WM steht im Zeichen der verstorbenen Nummer 10. Svenja Schaeper gehört zum siegreichen Frauen-Team.

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Fiete Junge war allgegenwärtig. In allen Gedanken, in allen Gesprächen, in allen Spielen, nach Schlusspfiff – und auf dem Treppchen. Der Geist des kurz vor der Kanupolo-WM plötzlich verstorbenen Fiete Junge vom RSV Hannover begleitete die Nationalmannschaftskollegen nach Welland in Kanada – und trieb das Team zum ersten WM-Titel seit Be­stehen des Events (1994). Im Finale schlug Deutschland Titelverteidiger Italien mit 4:1. Die emotionale Kanupolo-Party wurde so zum deutschen Doppeltriumph. Denn kurz zuvor hatten auch die Frauen mit Svenja Schaeper von der KG List den WM-Titel mit einem 3:1-Sieg über Großbritannien gewonnen.

Doppel-WM-Gold in Welland

Bundestrainer Björn Zirotzki konnte seine Tränen nur schwer zurückhalten, als er Junges Weste mit der Nummer 10 unmittelbar nach Schlusspfiff in den Himmel reckte und sie dann den Spielern gab, die sie im Becken hin und her reichten und hochleben ließen. Auch die gegnerischen Italiener und die Fans auf der Tribüne waren ergriffen und spendeten ehrenvoll Applaus für Junge, der im Alter von erst 26 Jahren an den Folgen einer Hirnhautentzündung vor etwa zwei Wochen verstorben war.

"Ich hoffe, die Medaille findet einen Platz auf Fietes Grabstein"

„Es war ein sehr emotionaler Sieg für uns”, sagte Zirotzki. „Das letzte Mal, als wir mit Fiete zusammensaßen, sprachen wir darüber, wie wir den Titel gewinnen könnten. Und er sagte: ,Wir machen es einfach, Jungs!’ Also haben wir es gemacht. Für Fiete, für uns – und fürs Team!“ Zirotzki nahm bei der Siegerehrung die Extra-Goldmedaille für Junge entgegen. Auf ihre Boote hatten sich die Männer in Ge­denken an ihren Mitspieler „#10“ geklebt.

Gruppenfoto mit Junges Weste: Frauen und Männer posieren gemeinsam auf dem Weltmeister-Podest.
Gruppenfoto mit Junges Weste: Frauen und Männer posieren gemeinsam auf dem Weltmeister-Podest. © DKV
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Der Druck war immens gewesen. So groß wie nie. Das deutsche Team hatte im Kanupolo alles gewonnen – nur nie den WM-Titel. Fünfmal Silber war nicht genug. Aber der Druck spornte an, und der Schock und die Trauer um Junge schweißten das Team noch mehr zusammen. „Es hat sie beflügelt“, sagte Björn Wende. Der Ex-Bundestrainer aus Barsinghausen coachte bei der WM das U21-Team Namibias (Rang 11), war aber ganz nah dran am deutschen Team: „Es gab von allen Seiten und den anderen Teams Beileidsbekundungen. Ich hoffe, die Medaille findet einen Platz auf Fietes Grabstein.“

WM-Sieg ist der "glorreichste seit drei Jahrzehnten"


Wende wertete den deutschen Sieg als den „glorreichsten seit drei Jahrzehnten. Und er war taktisch überragend.“ Und die Frauen um die Hannoveranerin Schaeper? „Die haben gezeigt, dass sie die Nummer eins der Welt sind“, sagt Wende, „sie haben souverän gespielt und nichts anbrennen lassen.“ Aus Wendes Sicht „war es unheimlich wichtig, dass Svenja dabei gewesen ist. Sie ist ja praktisch Fietes kleine Schwester gewesen.“

Weltmeisterin: Svenja Schaeper aus Hannover steuert sechs tore zum WM-Titel bei. Auch ihre Gedanken sind bei Fiete Junge.
Weltmeisterin: Svenja Schaeper aus Hannover steuert sechs tore zum WM-Titel bei. Auch ihre Gedanken sind bei Fiete Junge. © Canoeicf.com

Für Schaeper ist der Sieg ein kleiner Trost in Gedenken an ihren ständigen Wegbegleiter in Hannover. Auch für sie war es der größte Triumph bislang. Den WM-Titel gewann sie bisher nur bei den Juniorinnen, die übrigens ihren Titel erfolgreich verteidigten. Nach dem Gewinn der World Games und der Europameisterschaften im letzten Jahr trug die 23 Jahre alte Sport- und Mathematikstudentin nun auch entscheidend zum WM-Titel bei.

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In den neun Spielen vor dem Halbfinale gab es überwiegend klare Siege. Schaeper erzielte ihre ersten drei Treffer im vierten Spiel beim 11:0 über Polen und traf da­nach je einmal in den weiteren Runden gegen Taiwan (7:2), die Schweiz (3:0) und Großbritannien (3:1). Im Se­mifinale besiegte das Team von Trainer Klaus Schmalenbach Frankreich mit 5:1. Der Rest war Jubel im Endspiel gegen die Britinnen.

Die zweite WM-Teilnehmerin der KG List, Tassia Konstantinidis, war mit Frankreichs U21-Juniorinnen am Start und belegte unter zehn Mannschaften den fünften Rang. Die deutschen U21-Junioren wurden in Kanada Vize-Weltmeister.

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