26. September 2022 / 18:03 Uhr

Wo ist die Euphorie geblieben? Bundestrainer Hansi Flick muss DFB-Durchhänger überwinden

Wo ist die Euphorie geblieben? Bundestrainer Hansi Flick muss DFB-Durchhänger überwinden

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bundestrainer Hansi Flick muss seine erste Krise meistern.
Bundestrainer Hansi Flick muss seine erste Krise meistern. © IMAGO/Christian Schroedter
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Kurz vor der Weltmeisterschaft hakt es beim DFB-Team. Gegen Ungarn musste Bundestrainer Hansi Flick nach einem Jahr im Amt seine erste Niederlage hinnehmen, von der anfänglichen Euphorie ist nicht mehr viel zu spüren. Nun steht das Prestigeduell mit England an.

Was der Nationalelf-Tross durch die nachmittägliche Anreise nach London per Privatflug von Leipzig aus am Sonntag verpasst hat: einen strahlend schönen Herbsttag in der britischen Hauptstadt. Was das DFB-Team im Sommer 2021 im Wembley-Stadion verpasst hat: das EM-Viertelfinale. Mit dem 0:2 war die Ära von Bundestrainer Joachim Löw beendet, Hansi Flick, sein ehemaliger Assistent, übernahm.

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Mit ihm kam neuer Input, Schwung, sogar Euphorie und ab September 2021 sieben Erfolge in Serie in der WM-Qualifikation. 31:2 Tore, das DFB-Team war en vogue. Dieses Jahr gelangen jedoch erst zwei Erfolge in sieben Spielen, in der Nations League verpasste Flicks Auswahl durch das 0:1 am Freitag in Leipzig gegen Außenseiter Ungarn das Final-Four-Turnier im Juni nächsten Jahres. Im abschließenden Nations-League-Spiel an diesem Montag (20.45 Uhr, RTL) gegen die als Absteiger feststehenden Briten geht es nur noch ums Prestige – und darum, eine Trendwende zu erzielen, einen Stimmungsaufheller zu setzen beim letzten Auftritt der DFB-Elf vor der Bekanntgabe des Kaders für Katar. Zugleich ist der Klassiker gegen England der letzte ernsthafte WM-Test, die Partie während des Trainingslagers in Oman vor Turnierbeginn eher ein Akklimatisierungskick.

"Wir wollen Wiedergutmachung, zu unserem Spiel finden und natürlich Vertrauen sammeln", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Selbst der Golden-Goal-Held des EM-Finals von Wembley gegen Tschechien meinte zur Rückkehr an den Ort seiner Sternstunde im Jahr 1996: "Leider ist die jüngste Erinnerung an die EM im letzten Jahr nicht gut. Die würden wir gerne vergessen machen." Beide Nationen brauchen ein sportliches Ausrufezeichen Richtung WM. Nach dem 0:1 in Italien, durch das die Auswahl von Trainer Gareth Southgate seit fünf Partien sieglos ist (ein erzieltes Tor!), schrieb The Times, das Team der "Three Lions" habe "one game to fix it". Im Duell der Frustrierten kann nur einer erfolgreich Reparaturarbeiten durchführen. "Für beide Mannschaften kann das nach den Niederlagen wichtig sein", betonte Bierhoff.

Flick: "Das hat uns die Augen geöffnet"

In Leipzig kassierte die deutsche Mannschaft bei der ersten von zwei Generalproben für das Auftaktspiel der WM gegen Japan (23. November) die erste Niederlage unter Flick – schlimmer wiegt: die Mannschaft hinterließ zwei Monate vor Turnierbeginn einen schlechten Eindruck. "Wenig Mut, wenig Vertrauen, wenig Dynamik, wenig Intensität – und viele Fehler", so Flicks Analyse. Trotzig sagte der Bundestrainer: "Die Niederlage wirft uns nicht um. Wir wissen, worum es geht." Der 57-Jährige gestand: "Man verliert nie gerne. Aber vielleicht kam die Niederlage zur rechten Zeit – besser als bei der WM." Er hofft auf das Gute im Schlechten, im Sinne von: "Das hat uns die Augen geöffnet."

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Dennoch: Die Aufbruchstimmung, die Flick-Euphorie, ist verflogen im Herbst 2022, zum ungünstigsten Zeitpunkt. In den letzten sechs Länderspielen erzielte die Nationalelf nur beim 5:2 gegen Italien – einem möglicherweise positiven Ausrutscher – mehr als einen Treffer, blieb gegen Ungarn erstmals torlos. Das zurückgewonnene Vertrauen der Fans muss erneut erspielt werden, und die einstigen Spaßmacher pressen nun die Lippen aufeinander. Gute-Laune-Minister Thomas Müller vermutete: "Vielleicht hat man gemerkt, dass bei vielen die momentane Phase im Verein nicht die leichteste ist." Der Bayern-Profi meinte sich und seine in der Liga seit vier Spielen sieglosen Kollegen Serge Gnabry, Leroy Sané und Joshua Kimmich, die alle außer Form sind.

In Leipzig hatte Flick sich selbst angeklagt. Der Versuch, Jonas Hofmann (rechts) und David Raum (links) als offensive Außenverteidiger in einer Viererkette agieren zu lassen, ging daneben: "Ich wollte etwas ausprobieren, das muss ich auf meine Kappe nehmen", sagte Flick, "es hat nicht funktioniert, vielleicht war es zu viel der Umstellung."

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