18. März 2018 / 16:45 Uhr

Wohlthat, Berkmann und Co.: Platzwarte als Helden im Dauereinsatz - ohne Walze

Wohlthat, Berkmann und Co.: Platzwarte als Helden im Dauereinsatz - ohne Walze

Robby Echelmeyer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Platzwart Dirk Berkmann kämpft beim TSV Krähenwinkel/Kaltenweide gegen den Winter.
Platzwart Dirk Berkmann kämpft beim TSV Krähenwinkel/Kaltenweide gegen den Winter. © Debbie Jayne Kinsey
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Der Winter ist zurück. Auch mitten im März sind viele Plätze in der Region von Frost und Schnee bedroht. Ein Spielbetrieb ist kaum möglich. Hochsaison für Platzwarte wie Lasse Wohlthat und Dierk Berkmann. Ein Blick auf die Helden des grünen Grunds.

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Auch Björn Lindemann und Hendrik Weydandt machten mit. Gerade erst war nach dem 3:0-Heimsieg am Mittwochabend gegen den Lüneburger SK der Schlusspfiff ertönt, da gingen die Regionalliga-Spieler des 1. FC Germania Egestorf/Langreder über den Platz ihres Stadions an der Ammerke und stopften die im Rasen entstandenen Löcher. „Anders geht es nicht. Wir müssen alle mit anpacken“, sagt Trainer Jan Zimmermann. Einen Platzwart hat der Viertligist nicht.

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​Greenkeeper für mehrere Vereine


„Vorbildlich“, so bezeichnet Lasse Wohlthat das Verhalten der Germania-Akteure. Das zeitnahe Stopfen der Löcher helfe dem Rasen bei der Regeneration, sagt der Platzwart von TuSpo Jeinsen und der SV Arnum. Und er weiß, wovon er spricht. Der 36-Jährige hat sich am rheinländischen Ableger der deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA) in Kempten mit diversen Kursen zwischen 2010 und 2017 zum Fachagrarwirt für Sportstätten und Freianlagen ausbilden lassen. Seine Abschlussprüfung absolvierte er im Bundesliga-Stadion von Bayer 04 Leverkusen.

Wohlthats Heimatverein ist TuSpo Jeinsen, für den er 15 Jahre lang als Spieler aktiv war. Heute spielt er für die Alten Herren der SV Arnum. Als selbstständiger Greenkeeper arbeitet er auch für viele andere Clubs in der Region. „Die Liste ist lang. Von Pattensen über Koldingen bis Schulenburg, aber auch im Hildesheimer Raum bin ich unterwegs“, sagt der Unternehmer.

Das sagen Hannovers Amateurtrainer zum Ausfall-Problem:

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Darijan Vlaski (Trainer Ramlingen/Ehlershausen II): "Ich hoffe, dass wir Mitte März loslegen können, und dass wir dann gut durchkommen." ©

Seit vergangener Woche sind seine Dienste wieder stärker gefragt. Das Telefon klingelt ständig. Für Wohlthat nichts Neues, „da die Vereine jetzt vor den englischen Wochen ihre Plätze präparieren wollen“. Wobei die Situation selten so extrem war wie in diesem Jahr. In 57 Tagen soll die Saison im norddeutschen Fußball enden. Einige Mannschaften wie der TSV Luthe in der Bezirksliga 2 haben bis zum 13. Mai noch 20 Spiele auszutragen.

„Es muss irgendwie gehen“, sagt Wohlthat. Und es werde auch gehen, sagt der Experte. Voraussetzung für einen reibungslosen Spielbetrieb sei, dass der Winter ende. „Damit der Rasen wachsen und regenerieren kann, brauchen wir mindestens eine Temperatur von sieben, acht Grad. Und zwar an den Wurzeln der Gräser.“ Aktuell empfiehlt er, mit einer Gliederschleppmatte – wie man sie von Tennisplätzen kennt – die groben Unebenheiten zu glätten. Schädlich sei dagegen das vielerorts noch immer beliebte Walzen.

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Das große Sportbuzzer-Quiz: Erkennst du die Plätze der hannoverschen Kreisligisten? ©

​Walzen ist der falsche Weg


Das sieht auch Dierk Berkmann so. „Durch das Walzen verdichtet man die obere Schicht des Bodens. Das Regenwasser versickert dann viel langsamer und es entstehen Pfützen“, sagt der 61-Jährige. Berkmann arbeitet seit etwa zwei Jahren als Platzwart beim TSV Krähenwinkel/Kaltenweide. Auf den fünf Plätzen des Vereins werden sich nach Ostern, wenn die Hallensaison der Kinder vorbei ist, 32 Mannschaften tummeln. Die Beanspruchung für die Rasenplätze sei also ohnehin enorm, sagt Berkmann.

Dabei liegt die Lösung der Terminprobleme doch auf der Hand, wie Berkmann und Wohlthat finden. „Die problematischen Spieltage im Dezember und Februar muss man in Form von englischen Wochen in den Spätsommer vorziehen“, meinen sie. „Da haben die Leute auch noch richtig Bock.“

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​Auch Plane hilft nicht, wenn es zu spät ist


Um das Beste aus der aktuellen Lage zu machen, zog der TSV Havelse sogar den Einsatz einer Vlies-Plane in Erwägung. „Unsere Pro­blemzone ist der Streifen, der im Schatten der Südtribüne liegt“, sagt Pressesprecher Jendrik Wüstenberg. Es sei erwogen worden, diesen Bereich oder sogar das ganze Feld abzudecken. Der für die Organisation des Spielbetriebs zuständige stellvertretende Geschäftsführer Wolfgang Lange erläutert, warum es nicht dazu kam: „Die Folie ist zuletzt 2013 vor einem Pokalspiel gegen Osnabrück verwendet worden und nicht mehr im besten Zustand.“ Zudem sei der Frost schon im Boden.

Es müssen schnell höhere Temperaturen her. Doch danach sieht es nicht aus. Nach Meinung von Lange hilft daher nur noch eins: „Beten.“