12. Dezember 2018 / 17:53 Uhr

Wohnungsgenossenschaft will Grundstück für Hertha-Stadion nicht verkaufen

Wohnungsgenossenschaft will Grundstück für Hertha-Stadion nicht verkaufen

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Für das geplante Stadion von Hertha BSC (orange) müssten allerdings sechs Mietshäuser in der Sportforumstraße weichen (rot), die Wohnungsgenossenschaft will das Grundstück deshalb nicht verkaufen.
Für das geplante Stadion von Hertha BSC (orange) müssten allerdings sechs Mietshäuser in der Sportforumstraße weichen (rot), die Wohnungsgenossenschaft will das Grundstück deshalb nicht verkaufen. © Karte: Stepmap; Daten: Open Street Map Lizenz ODbL 10; Grafik: Detlev Scheerbarth
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Bundesliga: Das neue Stadion von Hertha BSC soll am 25. Juli 2025 eröffnet werden. Dafür brauchen die Berliner die Zustimmung des Senats - und das Grundstück. Dort stehen sechs Wohnhäuser, die Anwohner wollen nicht ausziehen, die Wohnungsgenossenschaft plant sogar neue Häuser zu bauen.

Carolyn Buckley hat von ihrer Wohnung eine Aussicht, die nur wenige in Berlin haben: Die gebürtige Britin, die in Liverpool aufgewachsen ist, kann direkt auf das Olympiastadion blicken. „Mein Ex-Mann wollte damals hierher, damit er einen kurzen Weg ins Stadion zu Hertha hat“, erzählt die 44-Jährige. Vor fünf Jahren zogen sie mit ihren drei Kindern in die gut 100 Quadratmeter große Wohnung in der Sportforumstraße. „Es ist hier schön ruhig und grün, man kann mit dem Hund spazieren gehen und mit der U2 ist man sehr schnell in der Innenstadt“, sagt Carolyn Buckley.

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"Niemand zieht freiwillig gerne um"

Doch mit der Ruhe, zumindest der inneren, ist es für die Lehrerin seit einiger Zeit vorbei. Hertha BSC möchte auf dem Olympiagelände ein neues Fußballstadion bauen – und die sechs Mietshäuser in der Sportforumstraße sind im Weg. „Wir sind alle total dagegen“, sagt Carolyn Buckley, die mit „wir“ die übrigen Hausbewohner meint. „Soweit ich weiß, wollen die Mieter alle gerne in der Sportforumstraße wohnen bleiben. Niemand zieht freiwillig gerne um. Wohnen ist etwas Existenzielles“, sagt Monika Neugebauer, Mitarbeiterin im Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Wohnungsbaugenossenschaft 1892.

Carolyn Buckley wohnt mit ihren drei Kindern, zwei Katzen und einem Hund in Sichtweite des Olympiastadions.
Carolyn Buckley wohnt mit ihren drei Kindern, zwei Katzen und einem Hund in Sichtweite des Olympiastadions. © Stephan Henke

Dieser gehört das rund 15.000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem die sechs Häuser mit 24 Wohnungen 1975 für Offiziere der britischen Alliierten gebaut wurden. Als Hertha BSC am 30. März 2017 die Stadionpläne präsentierte, hatte die Genossenschaft erst wenige Wochen zuvor das Grundstück von einem norwegischen Fond erworben. „Wir haben die Häuser und das Gelände im Olympiapark für familiengerechtes Wohnen in der 1892 gekauft und planen aktuell die Erweiterung der Siedlung“, teilte der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft, der in Berlin 6800 Wohnungen gehören, auf SPORTBUZZER-Anfrage mit. Im Gespräch ist der Neubau zweier weiterer Häuser mit jeweils vier Wohnungen, ein Bauantrag wurde allerdings noch nicht gestellt.

Hertha-Boss Schiller: "Ganz großer Knackpunkt"

Pläne für Wohnungsneubau, Anwohner, die nicht aus ihren Wohnungen ziehen wollen – die Bedingungen für einen schnellen Deal könnten aus Hertha-Sicht besser sein. Ingo Schiller, Finanzgeschäftsführer des Bundesligisten, sagte bei der Mitgliederversammlung: „Uns ist völlig klar, dass das ein ganz großer Knackpunkt für die Stadionentwicklung ist, den wir aber lösen werden.“ Zwei konkrete Ideen entwickle der Verein aktuell. „Das muss aber natürlich auch eine Akzeptanz bei den Mietern haben. Ich glaube, wer die Gebäude kennt, weiß, dass der Wohnungsbaustandard nicht sehr hoch ist, die Lage aber natürlich sehr attraktiv. Aber das berücksichtigen wir und wir werden sehr nahe Ersatzlösungen für diese Mieter anbieten können, da hier natürlich ein völliges Freiwilligkeitsprinzip besteht.“ Zumal auch der Senat noch den Hertha-Plänen für den Arena-Neubau zustimmen muss.

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Diese Vorschläge für ein Hertha-Stadion wurden bereits gemacht.

Bei der Präsentation der Standortanalyse am 30. März 2017 wurden zwei Neubauvarianten für eine neue Hertha-Arena präsentiert. Eine davon sah einen Neubau im brandenburgischen Ludwigsfelde vor, der bei den Fans wegen der weiten Entfernung auf große Proteste stieß. Zur Galerie
Bei der Präsentation der Standortanalyse am 30. März 2017 wurden zwei Neubauvarianten für eine neue Hertha-Arena präsentiert. Eine davon sah einen Neubau im brandenburgischen Ludwigsfelde vor, der bei den Fans wegen der weiten Entfernung auf große Proteste stieß. © Verein

Freiwillig scheinen die wenigsten Mieter, die teilweise lebenslanges Wohnrecht haben, und auch die Wohnungsgenossenschaft nicht weichen zu wollen. „Genossenschaften verkaufen ihre Häuser nicht wieder. Sie sind keine Unternehmen, die Gewinne maximieren müssen, die kaufen und wieder verkaufen. Der Gedanke, mit Wohnraum zu spekulieren, liegt uns nicht nur fern, er ist uns einfach völlig fremd“, sagt Monika Neugebauer von der 1892. Der Genossenschaftsvorstand ergänzt: „Ein eventueller Verkauf ist nur denkbar, um einen dauerhaften Streit mit dem Land Berlin und dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zu verhindern. Dies allerdings nur, wenn sichergestellt ist, dass die 1892 für ihre Mitglieder in direkter Nähe zur Sportforumstraße angemessenen Wohnraum als Ersatz zur Verfügung stellen kann.“

24 Wohnungen in unmittelbarer Nähe – keine leichte Aufgabe in Berlin. Hertha ist allerdings positiv gestimmt. „In den aktuellen Gesprächen haben beide Seiten ihren Willen zu einem Vertragsabschluss bekräftigt. Nur das ist für uns maßgebend“, teilte der Verein mit. Doch Ingo Schiller sagte auch: „Eine Einigung wird dauern.“ Am 25. Juli 2025 will Hertha das neue Stadion eröffnen.

Hier tippen: Wie schlägt sich Hertha BSC gegen den VfB Stuttgart?

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