09. Februar 2020 / 13:14 Uhr

Wolff Fuss analysiert den FC Bayern und RB Leipzig – vom Torwart bis zum Trainer

Wolff Fuss analysiert den FC Bayern und RB Leipzig – vom Torwart bis zum Trainer

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der FC Bayern München ist für Wolff Fuss im Topspiel gegen RB Leipzig klarer Favorit.
Der FC Bayern München ist für Wolff Fuss im Topspiel gegen RB Leipzig klarer Favorit. © imago images/MIS
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Es ist das Topspiel der Bundesliga: Der FC Bayern empfängt als Tabellenführer den ärgsten Verfolger RB Leipzig. Wolff Fuss wird das Spiel für "Sky" kommentieren. Für den SPORTBUZZER checkt der 43-Jährige beide Teams - vom Torwart bis zum Trainer.

Diese Bilanz könnte schwere Beine machen und beim Gegner zu Leichtfüßigkeit führen: Alle bisherigen drei Liga-Gastspiele beim FC Bayern München verlor RB Leipzig zu null, dabei gab es jedes Mal eine Rote Karte. Keine Mutmacher für RB vor dem Showdown am Sonntag zwischen dem Meister und Tabellenführer auf der einen sowie dem Herausforderer, der letztes Wochenende seine Spitzenposition abgeben musste, auf der anderen Seite. „Leipzig könnte national innerhalb von fünf Tagen alles verlieren“, sagt Wolff Fuss (43), der die Partie aus der Allianz-Arena für den TV-Sender Sky kommentiert. Für den SPORTBUZZER vergleicht Fuss die beiden Teams nach Mannschaftsteilen, stellt die Trainer und die Sportdirektoren gegenüber.

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Die Trainer: „Dass Julian Nagelsmann im Pokal in Frankfurt Timo Werner, Emil Forsberg und Torhüter Gulácsi draußen gelassen hat, war in meinen Augen kein optimales Signal an die Mannschaft. Dass er es mit Belastungssteuerung verargumentiert hat, erschließt sich nur bedingt. Vielleicht fehlen Julian Nagelsmann noch die Erfahrungswerte für derartige Spiele und Wochen. Dafür braucht es auch ein ‚Händchen‘. Das hat Hansi Flick unbestritten und dazu die größere individuelle Qualität im Kader und diese mit seiner Expertise verfeinert. Nagelsmann muss in einem solchen Spiel fehlende Klasse der Einzelspieler durch Taktik kompensieren, und es braucht Glaube und Form. Ihm und RB fehlt in der Rückrunde noch DAS Aha-Erlebnis.“

Fuss: „Bei RB Leipzig verteidigt aktuell nicht die erste Reihe“

Die Torhüter: „Péter Gulácsi ist ein ruhiger, sachlicher Vertreter seines Fachs, der Buchhalter unter den Torhütern – ganz ohne Reklamierarm. Er liefert kontinuierlich ab, hält auch mal Unhaltbare. Aber Manuel Neuer ist Manuel Neuer, einfach Weltklasse. Durch die Verpflichtung von Schalkes Alexander Nübel oder durch die Geschichten über sein Privatleben lässt er sich nicht aus der Fassung bringen – null Komma null. Im Gegenteil: Der Nübel-Transfer hat noch mal ein paar Promille mehr an Leistung aus ihm herausgekitzelt. Wenn das der erste Sinn der Nübel-Verpflichtung war, dann: Gratulation, FC Bayern!“

Die Abwehr: „Mit Willi Orban und Ibrahima Konaté fehlen RB verletzungsbedingt zwei Eckpfeiler. Aktuell verteidigt also nicht die erste Reihe, auch wenn Dayot Upamecano eines der größten Abwehrtalente Europas ist und das Interesse der Bayern geweckt haben soll. Mit Lukas Klostermann als Innenverteidiger muss Nagelsmann eine Improvisationslösung aufbieten. Bei Bayern ging Flick ein hohes Risiko mit der Variante um Abwehrchef David Alaba und Linksverteidiger Alphonso Davies – und hat vollumfänglich gewonnen. Im Verbund mit Sechser Joshua Kimmich ist sich keiner zu schade für Defensivarbeit. Die Bayern sind trotz der späten Nachlässigkeiten beim 4:3 Pokal gegen Hoffenheim gut austariert, daher defensiv stärker als Leipzig.“

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Wolff Fuss sicher: „Die individuelle Klasse spricht für den FC Bayern“

Das Mittelfeld: „Ich erwarte Leipzig mit Konrad Laimer und Tyler Adams als doppelte Absicherung vor der Abwehr, offensiv sollen Marcel Sabitzer und Emil Forsberg das Spiel gestalten. Bei Bayern performen aktuell Kimmich, der einen souveränen Sechser gibt, und davor als Achter Thiago sowie Leon Goretzka, beide gegen Hoffenheim geschont. Thiago ist aktuell in einer Verfassung wie vielleicht noch nie in München. Goretzka ist auch überragend gut drauf. Dass ein Fußballer wie Coutinho aktuell eher ausgesucht zum Einsatz kommt, sagt alles. Wieder ein Vorteil für die Bayern.“

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Der Angriff: „Timo Werner ist der beste und treffsicherste deutsche Stürmer und der einzige, der in der Bundesliga dem Phänomen Robert Lewandowski, dem Ausnahmestürmer hierzulande, die Torjägerkanone streitig machen kann. Mit Yussuf Poulsen oder Patrik Schick bildet Werner einen herausragenden Zwei-Mann-Sturm, der sich in einen Rausch spielen kann, der diese Bayern-Defensive an Grenzen führen kann. Für Bayern aber sprechen die individuelle Klasse von Lewandowski plus Thomas Müller und Serge Gnabry in Top-Verfassung.“


„Hasan Salihamidzic kommt in der Gesamtbeurteilung zu schlecht weg“

Die Sportdirektoren: „In meinen Augen kommt Bayerns Hasan Salihamidzic in der Gesamtbeurteilung zu schlecht weg. Er hat sich im Spannungsfeld zwischen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge behauptet. Der Transfer von Alvaro Odriozola als Back-up-Verteidiger für die Rückrunde macht total Sinn. In Sachen Transfers haben sie die internationale Spitze im Visier. Unter Sportdirektor Markus Krösche will Leipzig weiter wachsen, an die nationale Spitze. Er hat RB-Urgesteine wie Diego Demme und Stefan Ilsanker abgegeben. Zwei derart starke Persönlichkeiten fehlen aktuell in der Leipziger Kabine. Aber ein international begehrtes Talent wie Dani Olmo zu bekommen spricht für Leipzigs gewachsene Reputation. Olmo wird noch richtig steilgehen.“

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Das Fuss-Fazit: „Für Bayern sprechen aktuell Klasse, Form und das Momentum – wenn sie nicht leichtsinnig werden wie am Ende gegen Hoffenheim. RB fehlen im Moment Form und Ergebnisse. Sie bringen 2020 ihre unbestritten große Qualität noch nicht auf den Platz. Nebengeräusche (der eingeflogene Friseur!) stören, deren erfolgreiche Bewältigung gehört dazu, wenn man Titel gewinnen will. Alle Parameter sprechen vor der Partie für die Bayern. Für RB spricht im Moment allein das Wissen um die Tatsache, dass sie bei optimalem Verlauf jeder Mannschaft gefährlich werden können. Ich tippe auf ein 3:1 für den FCB.“