20. November 2020 / 14:01 Uhr

Wolfgang Barthels – ein Ex-Fußballer von Hansa Rostock mit Faible für die Malerei

Wolfgang Barthels – ein Ex-Fußballer von Hansa Rostock mit Faible für die Malerei

Andreas Golz
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schöne Erinnerungen: Wolfgang Barthels beim Durchstöbern von alten Fotos. 
Schöne Erinnerungen: Wolfgang Barthels beim Durchstöbern von alten Fotos. © Andreas Golz
Anzeige

Bei den Gegnern war Wolfgang Barthels als torgefährlicher Flügelflitzer gefürchtet, jetzt zeigt er sein Können mit dem Pinsel. Der in Thüringen aufgewachsene Barthels, der für den SC Empor und Hansa Rostock insgesamt 221 Oberliga-Spiele bestritt und 45 Tore erzielte, feiert am Montag seinen 80. Geburtstag.

Anzeige

Am 23. November feiert die Hansa-Legende Wolfgang „Sachse“ Barthels ihren 80. Geburtstag. Doch wie ein Verteidiger grätschte Corona die Ambitionen des Jubilars weg, die Feier in einer Location in Warnemünde abzuhalten. Die große Party fällt aus. „Dann eben schön in Familie“, verrät Barthels.

Anzeige

Der Mann ist topfit. „Zum vierten Mal will ich in Kilometern die Welt umradeln“, erklärt Barthels, warum er täglich bei Wind und Wetter seine Runden zieht. Ehrgeizig wie eh und je.

Das Idiom des in Thüringen aufgewachsenen Barthels, der 1953 an die Küste kam, klang wie sächsisch. Fortan nannten die Kameraden ihn „Sachse“. Trainer Heinz Krügel ließ den jungen Mann tagelang beim Torschusstraining die Bälle einsammeln, bis der intervenierte. „Ab da durfte ich mittrainieren“, erinnert sich Barthels.

Die große Zeit des Klubs begann um 1960 herum, als Trainer Walter Fritzsch sich eines Füllhorns großer Talente bediente: Jürgen Heinsch, Heino Kleiminger, Kurt Habermann, Klaus-Dieter Seehaus und Wolfgang Barthels. Da stand eine Crew, angeführt vom Strategen Kurt Zapf, die sportlich aus der Hansa-Kogge ein Rennboot machte: Viermal Vizemeister, zwei Pokalfinals. Barthels war dabei. Ein Flügelflitzer, der in 221 Oberligaspielen immerhin 45 Tore schoss.

Barthels reklamierte exquisite Ereignisse für sich. Als Englands Bubis im März 1959 in einem Junioren-Länderspiel auf der Zwickauer „Halde“ schon 3:0 führten, da schlug „Sachse“ mit dem Berliner „Amsel“ Nachtigall zurück: 4:3! Sieg! Sensation! „Englands Coach Sir Alf Ramsey schenkte uns jedem einen Rasierapparat“, erzählt Barthels schmunzelnd.

Damals schien sich für ihn eine große Auswahlkarriere anzubahnen, doch für die Nationalmannschaft spielte er nur zweimal, schoss 1964 beim 12:1 in Colombo gegen Ceylon das 100. Tor der DDR-Länderspielgeschichte und gewann im selben Jahr mit der Olympia-Auswahl in Tokio Bronze.

Mitte der Sechzigerjahre absolvierte „Sachse“ ein Sportstudium und ließ gleichzeitig neben seiner Fußballerkarriere nun als Sportlehrer an der Berufsschule im Seehafen die jungen Leute laufen. Barthels’ sportliche Karriere beim Klub endete 1970. Danach spielte er acht Jahre für den ambitionierten DDR-Ligisten Schifffahrt/Hafen.

„Ich habe immer gern mit jungen Leuten gearbeitet“, sagt „Sachse“. Als Sportlehrer, aber auch als Instrukteur für Kultur und Sport im Seehafen. Zehn Jahre trainierte er Hansas Talente der E- und F-Jugend. „Und entdeckte dabei einen Tommy Grupe oder Pelle Jensen“, verrät er stolz.

Barthels hat auch eine lange Passion zur Malerei. „Sachse“ konturierte sich als Autodidakt zum Profi mit Ausstellungen. „Heute verschenke ich die meisten Bilder.“ Wie er diese wunderschönen Landschaftsmalereien geschaffen habe, will der faszinierte Betrachter wissen. Darauf der ewig schlagfertige Barthels: „Mit dem Pinsel!“