01. November 2019 / 21:58 Uhr

Lok Leipzigs Wolf: „Hatte vor, nie wieder Trainer zu sein“

Lok Leipzigs Wolf: „Hatte vor, nie wieder Trainer zu sein“

Uwe Köster
Leipziger Volkszeitung
Lok Trainer Wolfgang Wolf 

Spiel 1. FC Lokomotive Leipzig (Lok) vs SV Babelsberg 03, Fußball, Regionalliga Nordost, 21.10.2019
Wolfgang Wolf betreut die Mannschaft bis zum Winter. Ob ihn seine eigenen Worte wieder einholen werden? © Christian Modla
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Als Trainer und Manager in Personalunion ist Wolf der Mann der Stunde beim 1. FC Lokomotive Leipzig – ein Lagebericht.

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Leipzig. Der Terminkalender von Wolfgang Wolf hat es am Ende zugelassen. Als vor zwei Wochen Björn Joppe sein Traineramt niederlegte, sprang Wolf kurzfristig auch auf dieser Position in die Bresche und ist bei Lok Leipzig somit der Mann für alles. Seine Bilanz als Interimscoach bisher: makellos. Im Interview mit dem Sportbuzzer spricht er über die aktuelle Situation, aber auch über seine eigene Zukunft im Club.

Wir scherzen gerne, dass es bei Lok Leipzig nie langweilig wird. Haben Sie das auch so wahrgenommen?

Als ich nach Leipzig gekommen bin, wollte ich, dass ein bisschen Ruhe einkehrt. Das haben wir über lange Zeit auch geschafft. Gut, jetzt hat uns die Geschichte mit Björn Joppe überrascht – aber insgesamt ist alles doch ruhiger geworden.

Ist das wirklich Ruhe, jetzt wo Herrn Lisiewicz eine mögliche Sperre bevorsteht?

Das habe ich auch gelesen und mit ihm darüber gesprochen. Er hat mir seine Sicht erzählt – das muss er jetzt mit dem Verband ausfechten. Aus diesem Verfahren halte ich mich raus. Wenn Sie es so sehen, dann ist bei Lok immer etwas los. Aber in vielen anderen Dingen, zum Beispiel bei Fan-Ausschreitungen, sind wir auf einem sehr guten Weg.

Sind die vergangenen sechs Monate denn so verlaufen, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Ja, definitiv. Sie waren so intensiv, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich komme aus dem Geschäft, ich kenne mich – wenn ich etwas angehe, dann mache ich es richtig. Es war viel Arbeit, es steht noch viel Arbeit an. Aber ich bekomme auch viel Hilfe und die Leute sind wirklich zuvorkommend. Mit dem gesamten Präsidium, dem Vorstand, mit Präsident Thomas Löwe und ebenso Aufsichtsratschef Olaf Winkler sowie Geschäftsführer Martin Mieth – es läuft so, wie ich es mir gewünscht habe, sonst hätte ich auch schon längst einen Cut gemacht.

Einen Cut hat jetzt auch Trainer Björn Joppe gemacht – oder war es doch der Verein? Was ist genau passiert?

Wir bleiben bei der offiziellen Mitteilung. Es tut uns nicht gut und tut auch Björn Joppe nicht gut, da jetzt weiter zu diskutieren.

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Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 Zur Galerie
Jürgen Sundermann - 28. Mai 1991 bis 30. Juni 1993 ©
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Joppe sagt, er sei gefeuert worden. In der Vereins-Mitteilung steht, dass er zurückgetreten ist – da wollen wir natürlich wissen, was nun stimmt.

Das ist ein schwebendes Verfahren, das klären wir intern. Ich bedauere allerdings sehr, wie wir auseinandergegangen sind, da ich ein sehr gutes Verhältnis zu ihm hatte und auch immer noch habe. Ich ärgere mich, dass es so gekommen ist – ich habe schließlich auch die doppelte Arbeit.

Wie ist denn die aktuelle Arbeitsteilung im Trainerstab?

Nicky Adler schnuppert aktuell bei uns rein. Laut einigen Medien hat der schon lange bei uns unterschrieben – da müsste ich doch auch was von wissen (lacht). Mit Nicky bin ich so weit, dass er bei mir hospitiert, die Abläufe kennenlernt und auch ein Gespür entwickeln kann, wo es für ihn als Profi hingehen soll. Wie er mit der Mannschaft umgeht, gefällt mir sehr gut. Wenn er sagt, er will es machen, dann hat er den Co-Trainer-Job.

Sie wollen als Trainer nur bis zur Winterpause arbeiten. Was passiert ab Februar?

Genau. Ich habe vor, nur die erste Halbserie zu machen – ich hatte aber auch vor, nie wieder Trainer zu sein (lacht). Manchmal holen dich deine eigenen Worte ein.

Also ist es noch nicht ganz ausgeschlossen, dass Sie nach der Winterpause weitermachen?

Das weiß ich noch nicht. Momentan ist es für mich klar, dass ein neuer Trainer kommt. Ich will bei Lok helfen, neue Strukturen zu entwickeln, mit Sponsoren zu reden und den Verein voranzubringen – das mache ich aktuell alles noch nebenbei. Meine Zukunft bei Lok wird aber auch meine Frau mitentscheiden. Sie hat das verdient und darf sagen, wann es zu viel ist.

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Was muss ein neuer Trainer für Lok Leipzig mitbringen?

Ich suche einen Trainer, der sich in der Liga auskennt – vielleicht sogar schon ein bisschen höherklassig gearbeitet hat. Er muss wissen, wie die Region tickt und sollte die Tradition von Lok verstehen. Hier muss man unter Druck arbeiten und Ziele einhalten können. Und natürlich muss es finanziell passen.

Da hilft es natürlich, dass Sie viele Bewerbungen erhalten.

Sicherlich. Aber ein Trainer muss auch wissen, dass er hier keinen langfristigen Vertrag bekommen kann. Er muss sich auf die Begebenheiten dieses Vereins einstellen können, sonst ist er kein Trainer für Lok. Da bin ich total schmerzfrei.

Was möchten Sie als Coach denn anders machen, als Ihr Vorgänger?

Das ist ja vollkommen klar, dass jeder Trainer es etwas anders angeht. Ich lege sehr viel Wert auf taktische Disziplin. Wir wollen das Potenzial, das wir haben, auch ausspielen. Wir müssen in der Abwehr stabil sein, im Mittelfeld passsicher und vorne kreativ – und wir müssen als Lok Leipzig auftreten. Wir sollten uns nicht mehr nach dem Gegner richten, sondern unser Spiel durchdrücken. Das hat die Mannschaft drin. Natürlich brauchen wir dann aber auch Variationen und dürfen nicht überheblich werden.

Was glauben Sie, wie die Mannschaft den überraschenden Trainerwechsel aufgenommen hat?

Das Spiel gegen Babelsberg war schon schwer für sie. Das hat man gemerkt, da war der ein oder andere doch noch nicht ganz frei. Aber im Training ist das wieder ganz anders. Das Team ist charakterlich überragend. Ich habe in meiner ganzen Laufbahn – egal ob in der Bundesliga oder in der zweiten Liga – noch nie eine bessere Mannschaft gehabt. Sie haben eine Geschlossenheit, ein Wir-Gefühl und einen Gemeinschaftssinn, wie ich es erst selten erlebt habe. Die wollen Erfolg haben – deshalb glaube ich, dass wir bis zum Ende oben mitspielen können.

Interview: Tilman Kortenhaus, Max Hempel, Uwe Köster

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