05. Mai 2021 / 16:37 Uhr

Bankdrücker in Wolfsburg: Aber Ginczek denkt (noch) nicht an einen Vereinswechsel

Bankdrücker in Wolfsburg: Aber Ginczek denkt (noch) nicht an einen Vereinswechsel

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Obwohl er fit ist, sitzt er meist auf der Bank: Daniel Ginczek vom VfL Wolfsburg.
Obwohl er fit ist, sitzt er meist auf der Bank: Daniel Ginczek vom VfL Wolfsburg. © Boris Baschin
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Er ist fit, spielt aber kaum. Verlässt Daniel Ginczek im Sommer den VfL Wolfsburg deshalb? Der Stürmer spricht über seine sportlich wohl schwierigste Saison.

Schwere Verletzungen haben Daniel Ginczek schon häufig in seiner Karriere weit zurückgeworfen. In dieser Saison war er bis auf Rückenprobleme im Spätherbst des vergangenen Jahres davon verschont geblieben. Und doch ist‘s für den Stürmer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg „sportlich gesehen meine persönlich schlechteste Saison“, sagt der 30-Jährige gefrustet.

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Der Torjäger war im Sommer 2018 aus Stuttgart nach Wolfsburg gekommen. Er war gewechselt, um auf noch höherem Niveau spielen zu können. In seinem ersten Jahr war er trotz einer Verletzung auf 24 Bundesliga-Spiele gekommen, in der Spielzeit danach auf 18, weil eine Rückenverletzung ihn ausgebremst hatte – aber in diesem Jahr ist er bis auf die Phase in der Hinrunde von derlei Rückschlägen verschont geblieben – und doch gehörte er etwa in den Duellen mit Augsburg, Gladbach und Bielefeld nicht zum Aufgebot. Kein VfLer, der mindestens ein Liga-Spiel hat, kommt auf weniger Einsatzminuten als Ginczek, bei dem es gerade mal 193 Minuten sind. Damals habe er im Training ein Stück weit verkrampft, sei zu negativ gewesen, "weil ich die Situation so nicht kannte in meiner Karriere. Ich habe immer gespielt".

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Er sei lange genug dabei, um die Dinge „richtig einordnen zu können“ und wisse, dass es für ihn häufig schwierig war, in die erste Elf zu rutschen, weil das Team eben großen Erfolg hatte und hat. Und ganz vorn hat der VfL mit Wout Weghorst einen Top-Torjäger in seinen Reihen, der schon 20 Tore auf seinem Konto hat und damit der viertbeste Knipser der Liga ist. Ginczek: "Ich bin im Training wieder positiver und glaube, es geht für mich wieder in die richtige Richtung."

Bereits im Winter hatte es Spekulationen über einen Wechsel gegeben, damals waren Köln und Schalke als Interessenten genannt worden. Wie konkret war das Interesse? „Wenn es ernst gewesen wäre, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Ich hatte keinen Kontakt zu anderen Vereinen und habe relativ schnell gesagt, dass ich den Konkurrenzkampf hier annehme“, erzählt der VfL-Profi. Deswegen und wegen seiner familiären Situation sei „das Thema schnell vom Tisch gewesen. Unsere Kinder gehen hier in den Kindergarten oder zur Schule. Ich wollte meine Frau nicht alleine lassen und vier, fünf Monate weggehen“.

Auch ein Wechsel im Sommer sei für ihn aktuell kein Thema. „Es gibt gerade keinen Gedankengang, etwas anderes zu machen. Ich habe einen Vertrag hier bis 2022 und weiß, was die sportliche Führung von mir hält und welchen sportlichen Stellenwert ich hier habe“, so Ginczek, der aufgrund seiner großen Erfahrung nur zu gut weiß, wie fix sich die Dinge im Fußball wieder ändern können. „Verletzungen, Formtiefs – im Fußball kann es schnell gehen. Und dann muss man da sein. Ich hoffe, dass die Chance kommt und ich mal wieder einen reinhauen kann. Das Gefühl fehlt mir schon, das muss ich schon zugeben.“

Schon am Samstag gegen Union rutscht er durch den Ausfall von Bartosz Bialek (zog sich in der vergangenen Woche einen Kreuzbandriss zu) näher ran an die erste Elf. Aber so hat sich Ginczek das nicht gewünscht. „Der Ausfall von Bartosz ist traurig. Wenn er Hilfe brauchen sollte, dann bekommt er die“, sagt der Ex-Stuttgarter - und spricht über den heißen Endspurt im Kampf um die Champions League. „Wir sind alle davon überzeugt, dass wir es schaffen.“ Es in die Königsklasse schaffen. Gegen die Überschrift „Ginczek schießt den VfL in die Champions League“ habe er nichts einzuwenden, sagt er schmunzelnd. „Das wäre dann doch ein versöhnlicher Abschluss dieser für mich schwierigen Saison.“