21. Februar 2021 / 16:29 Uhr

Wolfsburg-Doppelpacker Steffen: Wenn nicht nur Wout trifft, wird's für die Gegner schwieriger...

Wolfsburg-Doppelpacker Steffen: Wenn nicht nur Wout trifft, wird's für die Gegner schwieriger...

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Traf am Freitagabend für den VfL Wolfsburg doppelt: Flügelkämpfer Renato Steffen.
Traf am Freitagabend für den VfL Wolfsburg doppelt: Flügelkämpfer Renato Steffen. © Friso Gentsch/dpa
Anzeige

Renato Steffen ist mit seinen 1,70 Meter einer der kleinsten Spieler im Kader des VfL Wolfsburg, aber beim 3:0 am Freitagabend bei Arminia Bielefeld spielte der Flügelkämpfer groß auf - und bekam eine Glückwunsch-Nachricht von seinem Nationaltrainer.

Wout Weghorst ist mit seinen 14 Toren in dieser Fußball-Bundesliga-Saison in der internen Torjägerliste des VfL Wolfsburg weit vorn – dahinter kommt erst einmal lange nichts. Und so wurde zuletzt VfL-Trainer Oliver Glasner deshalb häufiger die Frage gestellt: Was passiert eigentlich, wenn Weghorst mal nicht trifft? Das 3:0 am Freitagabend in Bielefeld zeigte: Der VfL ist mehr als „nur“ Weghorst (ging leer aus). Gleich zweimal war Renato Steffen erfolgreich - wie Weghorst einer, der nie aufgibt.

Anzeige

Der unfassbar ehrgeizige Niederländer machte keineswegs ein schlechtes Spiel, er war an allen Treffern mitbeteiligt, aber für Tore stand diesmal nicht der Sturm-Riese, sondern der kleine Flügelkämpfer Steffen (mit 1,70 Meter einer der kleinsten Spieler im Kader). Er spielte groß auf. „Es ist wichtig, wenn die Konkurrenten sehen, dass wir nicht von Wout abhängig sind. Auch für uns ist es besser, weil du einfach mehr Optionen da vorn hast. Wenn wir jetzt kontinuierlich zeigen, dass eben auch andere treffen können, wird‘s für die Gegner noch schwerer“, sagt Steffen und fügt hinzu: „Bei unserem ersten Tor hatten sich fast alle Bielefelder auf Wout konzentriert, er legt dann aber den Ball ab und ich weiß, ich muss jetzt starten.“ Er startete - und traf.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Steffen ließ auch das 2:0 folgen, es war sein fünfter Saisontreffer, damit ist er nun nach Weghorst der zweitbeste VfL-Torjäger. Der schweizerische Nationalspieler hat jetzt einen Treffer mehr auf dem Konto als Ridle Baku. Im vergangenen Jahr hatte Steffen sechsmal getroffen – und wie viele Tore sollen es in dieser Saison werden? „Ich habe mir keine Marke gesetzt, aber mehr als im vergangenen Jahr wären schön“, sagt der 29-Jährige. „Ich merke in den Spielen, dass ich immer wieder zu Chancen komme, daher hoffe ich, dass ich mehr Tore erzielen kann als in der vergangenen Saison.“ In der vergangenen Runde war Steffen besonders in der Rückrunde brandgefährlich gewesen, in den letzten zwölf Spielen hatte er viermal getroffen. Nun stehen die letzten zwölf Partien dieser Runde an. Steffen grinsend: „Ich wehre mich nicht dagegen, wenn es wieder so läuft...“

Auf der Bielefelder Alm machte er es zweimal mit links, seine ersten beiden Treffer in dieser Spielzeit hatte er per Kopf erzielt, in der vergangenen Saison war ihm das gar viermal geglückt. „Ein gutes Kopfballspiel hat nicht immer etwas mit deiner Größe zu tun", sagt er und erklärt: "Ich hatte schon Im Jugendbereich keine Angst vor Kopfbällen. Ich war ja immer der Kleine, wollte mich aber immer mit den Großen messen. Irgendwann hatte ich richtig Spaß, in diese Duelle zu gehen.“ Und wenn er an etwas Spaß habe, „dann trainiere ich das immer wieder. Mittlerweile weiß ich ganz gut, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um zum Kopfball hochzugehen."

Steffen ist in dieser Saison eine feste Größe im Team, er ist griffig und giftig in den Zweikämpfen und hat einen guten Abschluss. In seiner Heimat werden derart gute Leistungen natürlich „klar registriert. Ich stehe mit unserem Nationaltrainer Vladimir Petkovic im regelmäßigen Austausch. Nach dem Spiel jetzt hat er mir eine Nachricht mit Glückwünschen geschickt. Das hat mich gefreut und zeigt, dass man verfolgt wird. Für die Nationalmannschaft ist es wichtig, dass du im Klub gut und regelmäßig spielst. Das mache ich momentan, ich bin gut drauf“, freut sich der Familienvater, der im Sommer mit zur EM möchte. „Mein Ziel ist es, in der Nationalmannschaft eine Rolle zu spielen. Ich denke, ich muss mich nicht mehr verstecken“, betont er. „Die EM im Sommer wäre mein erstes großes Turnier." Vor der letzten EM hatte er sich verletzt. "Es wäre schön, wenn es in diesem Jahr klappt. Es steht auf jeden Fall auf meiner To-Do-Liste...“, fügt der quirlige Außenspieler schmunzelnd hinzu.