06. Januar 2022 / 14:33 Uhr

Wolfsburgs Eishockey-Nationalspieler Bittner: "Sind ein Wahnsinnsteam!" 

Wolfsburgs Eishockey-Nationalspieler Bittner: "Sind ein Wahnsinnsteam!" 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Dominik Bittner von den Grizzlys Wolfsburg wŠhrend des Spiels zwischen den EisbŠren Berlin gegen die Grizzlys Wolfsburg am 24.09.2021 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann/City-Press GmbH)
Jede Menge Ziele mit einem Wahnsinnsteam": Dominik Bittner will mit den Grizzlys ganz nach oben, hofft auf die Olympia-Teilnahme und heiratet im Juni. © City-Press Gmbh/Grizzlys Wolfsburg
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Im Sommer wird er im Wolfsburger Schloss heiraten, zuvor aber hat Eishockey-Verteidiger Dominik Bittner von den Grizzlys Wolfsburg noch einiges zu erledigen. Mit seinem "Wahnsinnsteam" will er in der DEL ganz nach oben und hofft aus seine Olympia-Teilnahme. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er auch über Schmerzen, Sorgen und den neuen Coach.

Vergangene Saison mit Verletzungspech, in dieser Spielzeit läuft es für Verteidiger Dominik Bittner von den Grizzlys Wolfsburg und auch für sein Team. Er hat gute Chancen, bei Olympia dabei zu sein, spricht im Interview über den Geist der Grizzlys, den neuen Coach Mike Stewart, die Zugänge, Olympia, Corona und verrät den Hochzeitstermin.

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Fünf Siege in kurzer Folge gegen lauter Spitzenteams. Es läuft bei den Grizzlys Wolfsburg. Trotz des Hammerprogramms schwächelten die Wolfsburger nie. Warum?
Die Trainingseinheiten sind sehr anspruchsvoll, des Öfteren wirklich hart, das kommt uns in den Spielen wirklich physisch zugute, sowohl läuferisch als auch von der Power her in den Zweikämpfen in den Ecken.

Coach Mike Stewart meinte nach dem Spiel gegen München, er sei für das letzte Drittel von der Kraft her sehr zuversichtlich gewesen, weil ihr zuvor noch nicht das absolute Grizzlys-Hockey gezeigt hättet. Er fand aber auch, es sei ein fast perfektes Spiel gewesen.
Ich fand auch, wir haben gut gespielt, sind verdient in Führung gegangen, haben die Führung aber immer etwas leicht hergeschenkt. In so kurzer Zeit gegen alle Top-Teams gespielt und gewonnen - uns ist erst nach dem Spiel gegen München klar geworden, was wir in den zwei Wochen bis dahin getrieben haben. Das war ein Riesen-, Riesenschritt und ist Gold wert.


Gegen München hatte Stewart Jordan Murray und Sie für die starken Steilpässe gelobt, die zu Toren führten und erläutert, dass das in der Tat ein Plan gewesen sei. Insgesamt wirken die Grizzlys in den vergangenen Partien extrem gut vorbereitet auf das Spiel der Gegner.
Stimmt. Wir haben eine ganz klare Struktur, wie Grizzlys-Hockey aussehen soll, der Mike hat eine ganz, ganz klare Vorstellung von der Art und Weise, wie wir spielen sollen, vermittelt die optimal und hat eine klare Vorstellung von den einzelnen Spielern wie die spielen sollen und vermittelt auch das optimal. Das ist das eine...

...und das andere?
Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, um das Spiel auf den Gegner anzupassen, zum Beispiel darauf, wie hart, wie aktiv oder wie passiv der Gegner das Spiel anlegt. Bei München war es so, dass wir darauf eingestellt waren, dass sie aggressiv mit ihren Verteidigern auf unsere Außen gehen - und wenn sich anbahnt, dass unser Mittelstürmer das Rennen in der Mitte gewinnen kann und deren Verteidiger außen sind, dann ist da natürlich ein Loch in der Mitte. In Ingolstadt gab es andere Mittel. Aber alles kommt aus unserer grundsätzlichen Mentalität.

Kann man es in knappe Worte fassen, dieses Grizzlys-Hockey?
Im Englischen gibt es das Wort "relentless", dafür. Unerbittlich, unaufhörlich, ich glaube, das wären die treffendsten Übersetzungen. Das beschreibt uns ganz gut. Dass wir einen aggressiven Stil haben, mittlerweile auch sehr selbstbewusst auftreten, aber auch wissen, dass es eben nicht nur über Talent kommt, sondern in jedem Spiel über harte Arbeit und Zusammenhalt in der Mannschaft.

Sie haben schon bei ein paar Vereinen gespielt, sind Nationalspieler, ist die oft gelobte Teamatmosphäre bei den Grizzlys besonders?
Wir sind ein Wahnsinnsteam, versuchen auch, das so gut wie es in Pandemiezeiten geht, neben dem Eis zu leben. Man merkt es zum Beispiel aber auch daran, dass und wie sich einer für den anderen in die Schüsse schmeißt...

In Pandemiezeiten hört man nun manchmal den Jubelaufschrei auf der Bank bei solchen Aktionen, der ist auch nicht leiser als bei Toren. Ist das in jedem Team so?
In der Nationalmannschaft ist es auch so. Bei ganz vielen Mannschaften ist es aber nicht so. Fakt ist: So ein Block - wenn dann die ganz Bank jubelt, gibt das der ganzen Mannschaft viel Energie. Das pusht den, der da den Puck abgewehrt hat, aber auch die nächsten Jungs, die bald aufs Eis kommen. Nicht jeder hat die gleiche Eiszeit, von außen werden oft die Spieler mit viel Eiszeit als die Besten wahrgenommen. Für uns aber als Mannschaft ist das Allerwichtigste, was wir voneinander denken. Jede gute Aktion ist wertvoll. Ein guter Check oder ein starker Block sind wichtige Aktionen. Auf der Bank geht es darum, den Spielern auf dem Eis zu zeigen, wie wichtig das war. Und ohne Fans machen wir es vielleicht noch ein wenig lauter, denn die Fans pushen uns, fehlen sie, dann muss etwas mehr Emotionalität von der Bank kommen. Und das hat auch eine psychologische Komponente...

Welche?
Wenn wir gegen Teams gespielt haben, wo von der Bank nichts kam oder wir mitbekommen haben, dass sie sich sogar schon anmotzen, dann hast du fast gewonnen, musst nur weiter auf dem Gas bleiben...

Nochmal zurück den Blocks - die Grizzlys sind da in der Liga weit vorne mit dabei. Wie weh tut das, die Knochen in die Schüsse zu halten?
Die Treffer zwischen Schienbeinschoner und Schlittschuh tut weh. Und dann gibt es eine ganz kleine Stelle, wo es auch schon mal einen Bruch geben kann, wenn es unglücklich läuft. Oberschenkel außen und vor allem innen, das merkt man drei, vier Wochen, Die kriegt man gern mal, wenn man auf die Knie geht.

Wie entscheidet man das?
Ist der Schütze weiter weg, bleibe ich eher stehen, weil der Puck, wenn er steigt, in Kopfhöhe kommen könnte. Bin ich näher dran, gehe ich runter, nehme mehr Fläche weg, weil der Puck auf die kurze Distanz nicht so leicht zum Kopf geht.

Wie ist eigentlich dieser Chris DeSousa, der bis zu seiner Verletzung beinahe in jedem Spiel gepunktet hat und die Liga-Scorerwertung angeführt hatte?
Ein Spieler wie ich ihn noch nie erlebt habe. Obwohl er nicht der Größte ist, geht er in die Zweikämpfe, steht dort seinen Mann, teilt teilweise brachiale Checks aus, ist begnadet an der Scheibe, schnell. Und der Abschluss, über den brauchen wir gar nicht zu sprechen, aus zwei Chancen macht er ein Tor.

Alle Zugänge haben eingeschlagen - das war in Wolfsburg schon länger nicht mehr die Regel...
...alle sind top, passen menschlich ins Gefüge, sind eine Bereicherung.

Haben Sie das schon mal so erlebt?
Das letzte Mal 2014/15 - da haben wir das letzte Spiel der Saison gewonnen.

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Titelgewinn also. Da waren Sie in Mannheim. Jetzt sind die Grizzlys Zweiter, das von der Klubführung ausgegeben Minimalziel in der Hauptrunde, Platz sechs, ist den Spielern wahrscheinlich nicht genug?
Nein, so wie wir das Ganze angehen, ist eigentlich nur noch nach oben das Ziel. Unser Anspruch ist, Eishockey-Deutschland zu zeigen, dass das bisher kein Zufall war und dass wir noch mehr auf Lager haben.

Sie haben Olympiachancen, die NHL-Spieler dürfen nicht kommen, ihre Chancen und die ihres Teamkollegen Dustin Strahlmeier sind dadurch eher noch gestiegen. Als Mitglied des großen vorläufigen Kaders durften Sie schon Vorbereitungen treffen, etwa ein Visum beantragen. Wie groß ist Ihre Vorfreude - trotz Corona.

Weiterhin enorm. Das ist ein besonderes Event, das wäre eine einmalige Lebenserfahrung. WM ist jedes Jahr, Olympia gibt es nur alle vier Jahre, ich bin schon 29 Jahre alt. Trotz aller Umstände, das wäre für mich ein absoluter Traum. Da gab es schon Abfragen. Zum Beispiel, ob man die mögliche 21-tägige Quarantäne akzeptieren würde. Das ist ja ein Grund, warum die NHL ihre Spieler nicht schickt. Es ist nicht einfach in diesen Zeiten.

Warum?
Es könnte ja sein, du bist fast drei Wochen da, must dann drei Wochen in Quarantäne. Der eine oder andere Familienvater würde vielleicht sagen, das tue ich meiner Familie nicht an. Ich würde das in Kauf nehmen und habe mich auch schon am 23. Dezember boostern lassen, um mein Erkrankungsrisiko zu minimieren. Und ohne vollständigen Impfschutz könnte man auch nicht einreisen.

Wann würde es losgehen?
Unser letztes Grizzlys-Spiel ist für den 28. Januar terminiert, am 1. Februar könnte Abflug sein.

Im schlimmsten Fallwären Sie sechs Wochen nicht da, wie sehen das die Grizzlys, was muss da geregelt werden, wie etwa Versicherungen.
Das regelt der Deutsche Eishockey-Bund mit den Klubs oder der DEL. Wenn ich mit Mike Stewart oder Manager Charly Fliegauf darüber rede, fühlen wir da die komplette Unterstützung durch die Grizzlys.

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Wie sehr beschäftigt die Mannschaft das Thema Corona? Oder blendet man das aus?
Wir sind froh, dass wir bislang unsere Spiele machen konnten, hoffen, das geht auch so weiter. Ansonsten blenden wir das weitestgehend aus, weil wir es nicht kontrollieren können. Dass es auf den Punktequotienten hinauslaufen kann, darüber denkt man öfter nach. Die Pandemie verzerrt das Sportliche, es ist halt ein Unterschied, ob die Spiele austrägst und sportlich entscheidest. Oder ob gerechnet wird. Für Iserlohn, befürchte ich, wird es eng, noch alle Spiele nachzuholen. Und es kann andere noch genauso betreffen. Auch uns. Und dann fehlt einem vielleicht der mögliche Sieg, der noch eine Platzierungsverbesserung gebracht hätte, wenn das Spiel denn stattgefunden hätte.

Zu Weihnachten haben Sie Ihrer Freundin Sophie einen Verlobungsantrag gemacht, wie war das genau?
Bei einem Lagerfeuer auf der Terrasse, bei Punsch und Stockbrot habe ich ihr am 25. Dezember mit einem Ring den Antrag gemacht.

Wann und wo wird geheiratet?
Uns war klar, wir würden uns gerne in Wolfsburg trauen lassen. Am liebsten im Schloss. Das hat uns in der Terminwahl ein wenig eingeschränkt, man muss die möglichen Play-Offs kalkulieren, eine mögliche WM-Teilnahme. Wir hätten es gerne in der Saison gemacht. Aber im Schloss wird nur freitags getraut.

Und freitags kann ein Eishockey-Profi nicht und nimmt sich auch für solch wichtige Dinge nicht frei...
Gewiss nicht. Und meine Verlobte hätte da als ehemalige Tennis-Leistungssportlerin auch etwas dagegen. Spieltag ist Spieltag, Hochzeitstag ist Hochzeitstag. Aber wir haben einen Termin gefunden. Am 17. Juni. Freitag. Im Schloss.