06. März 2020 / 16:58 Uhr

Wolfsburg-Fan Lothar Hilmer: „Ich würde RB eher den Titel gönnen als den Bayern“

Wolfsburg-Fan Lothar Hilmer: „Ich würde RB eher den Titel gönnen als den Bayern“

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Wölfe
Lothar Hilmer (5.v.l.) posiert mit den "Aller Ohre Wölfe" vorm Stadion. © privat
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Lothar Hilmer ist Vorsitzender der „Aller Ohre Wölfe“, mit 417 Mitgliedern der größte Fanclub des VfL Wolfsburg. Der 67-Jährige spricht im Interview über türkische Herzlichkeit, ein unvergessliches Wintertrainingslager in Südafrika und eine Begegnung mit Leipziger Wölfe-Fans.

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Sie führen seit 2008 den inzwischen größten VfL-Fanclub und reisen der Mannschaft oft hinterher. Was war Ihr schönstes Erlebnis im Ausland?

Das war das Wintertrainingslager in Südafrika. Da hatten wir einen Guide, der uns zum Tafelberg geführt hat, zum Kap der Guten Hoffnung. Die 12 Tage waren kaum zu toppen. Alle, die dabei waren, haben gesagt: So was erleben wir nie wieder.

Welches Europa-Gastspiel ist hängen geblieben?

Ich war früher nie jemand, der unbedingt Urlaub macht in der Türkei. Wir hatten 2009 in der Champions League das Auswärtsspiel gegen Besiktas Istanbul und wollten mit zwei Taxen vom Hotel zum Stadion fahren, mit so grünen Perücken auf dem Kopf. Aber der Taxifahrer fuhr uns nicht in die VfL-Fankurve, sondern dahin, wo die Istanbul-Fans standen. Wir mochten erst gar nicht aussteigen. Aber dann wollten alle ein Foto von uns machen, viele riefen „Dzeko“ (der damalige Stürmer des VfL – d. Red.). Wie wir dort empfangen wurden, das war schon gigantisch. Aus Angst wurde Freude. Seitdem habe ich einige Badeurlaube in der Türkei verbracht.

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29. Juli 2011: Magischer Pokalabend in Leipzig: Der damalige Viertligist RB Leipzig ringt in der 1. Runde des DFB-Pokals 2011/12 den Bundesligisten VfL Wolfsburg nieder. Maßgeblich daran beteiligt war dabei Daniel Frahn mit drei Treffern. Zur Galerie
29. Juli 2011: Magischer Pokalabend in Leipzig: Der damalige Viertligist RB Leipzig ringt in der 1. Runde des DFB-Pokals 2011/12 den Bundesligisten VfL Wolfsburg nieder. Maßgeblich daran beteiligt war dabei Daniel Frahn mit drei Treffern. ©

Deutsche Fans sind da nicht so entspannt?

Dazu fällt mir eine Geschichte ein. Ich war mal zum Länderspiel in Irland und bin am Abend in einen Pub gegangen, wo viele deutsche Fans waren. Ich hatte eine Jacke an mit dem VfL-Logo und die ersten, an deren Tisch ich gegangen bin, sagten: Du hast hier nichts zu suchen! Hau ab! Das ist dann nicht mehr schön. Auch die Anfeindungen, die es gerade gegen Dietmar Hopp gibt – ich finde das unglaublich.

Hoffenheim, Wolfsburg und Leipzig sind bei den Hütern der „reinen Lehre“ umstritten.

Mag sein. Aber wenn Sie sich Bayern München anschauen: Telekom, Adidas, Audi und Allianz sind Anteilseigner und Hauptsponsoren. Selbst SAP von Dietmar Hopp ist Platin Partner. Ohne Großsponsoren kann keine Mannschaft existieren, sonst kann man sich doch gar keine Bundesliga leisten. Ich bin froh, dass mit RB Leipzig ein Bundesligist im Osten entstanden ist. Wir wohnen nur zehn Kilometer von der früheren Grenze entfernt. Ich weiß, wie das früher war. Das ist doch eine tolle Sache für die Region, Leipzig hat eine Bundesliga-Mannschaft verdient. Ich würde RB eher den Titel gönnen als den Bayern.

Haben Sie persönliche Verbindungen nach Leipzig?

Ja. Ich habe im Urlaub auf Malle vor ein paar Jahren einen Leipziger kennengelernt. Der fragte mich, ob ich ihm vier Karten für das Spiel des VfL gegen Dortmund besorgen könnte. Das hab ich natürlich gemacht, aber geglaubt, dass da wirklich jemand VfL-Fan ist, habe ich nicht. Und dann hole ich die am Spieltag im Hotel ab und seine Tochter zieht ihre Jacke aus und zum Vorschein kamen ein Wolfsburg- Pullover und ein Wolfsburg-Schal. Das hätte ich nie geglaubt. Wir schreiben uns heute noch Nachrichten.

Wie zufrieden sind Sie mit der aktuellen Saison der Wölfe?

Nach den letzten Jahren mit der zweimaligen Relegation war die vergangene Saison mit Rang sechs wieder gut. Auch dieses Jahr sieht es wieder so aus, als ob sie den sechsten Platz schaffen könnten. Damit muss man zufrieden sein.

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RB Leipzig - VfL Wolfsburg (1:1) Zur Galerie
RB Leipzig - VfL Wolfsburg (1:1) ©

Das klingt aber nicht so begeistert.

Wenn man wie 2009 die Meisterschaft gewonnen hat und dann in der Champions League nach Madrid gefahren ist, dann ist man natürlich etwas verwöhnt.

Wolfsburg hat sieben Mal in Folge nicht verloren. Warum läuft es aktuell so gut?

Der Schlüssel ist die mannschaftliche Geschlossenheit, die Jungs wachsen zusammen. Wir haben keinen Star und der Trainer spielt wieder mit Viererkette. Es sieht gerade ganz gut aus.

Und jetzt kommt Leipzig. Ihre Prognose?

Ich hoffe natürlich, dass wir gewinnen. Wenn Schalke verliert, dann hätten wir den sechsten Platz erreicht. Das ist das Saisonziel. Das wäre optimal. International hoffe ich, dass wir in der Europa League gegen Donezk eine Runde weiter kommen.

Was muss passieren, damit Wolfsburg mal wieder einen Titel holt?

Ich sehe das momentan nicht. So ein Team wie der deutsche Meister 2008/09 mit Edin Dzeko, Grafite und Zvjezdan Misimovic kommt nicht so oft. Das waren Glücksfälle. Dann hatten wir mit Kevin de Bruyne 2015 noch mal den zweiten Platz und gewannen den DFB-Pokal. Ich hoffe, dass ich so etwas noch mal erlebe.

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Träumen ist erlaubt?

Es wird wahrscheinlich ein längerer Traum werden.

Wolfsburg gilt nicht als allerschönste Stadt. Haben Sie noch einen Tipp für Leipziger Fans, die ein paar Stunden Zeit haben vor dem Anpfiff?

Was man sich auf alle Fälle ansehen sollte, ist die Autostadt, gleich auf der anderen Straßenseite vom Stadion. Das ist gigantisch, was da aufgebaut wurde. Das lohnt sich auf alle Fälle.