13. April 2020 / 09:06 Uhr

Wolfsburgs Eishockey-Durchstarter Valentin Busch: Warum ihn das Saison-Ende besonders schmerzt

Wolfsburgs Eishockey-Durchstarter Valentin Busch: Warum ihn das Saison-Ende besonders schmerzt

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Valentin Busch von den Grizzlys Wolfsburg feiert das Tor zum 4:0 waehrend des Spiels zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Krefeld Pinguine  am 21.02.2020 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Moritz Eden/City-Press GmbH)
Keine Play-Offs und Corona-Krise: Grizzlys-Durchstarter Valentin Busch tut es besonders weh. © City-Press Gmbh/Grizzlys Wolfsburg
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Das deutsche Eishockey zog früh die Corona-Notbremse - einen Spieler bei Erstligist Grizzlys Wolfsburg traf das mitten in einer starken Entwicklung: Valentin Busch. 

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Die Sonne lachte, prächtiges Wetter - die Welt ist schön, wenn da die Corona-Epidemie nicht wäre. Sonnig und angenehm waren die ersten Ostertage auch im beschaulichen Erding. Valentin Busch genoss die Kochkünste seiner Mutter Caroline, Osterzeit im Familienkreis, zu der auch Bruder Sebastian, Stürmer bei Zweitligist Bayreuth zählt. Doch tief im Inneren, da mochte "Buschi", wie sie ihn in Wolfsburg rufen, gar nicht daheim am gedeckten Tisch sitzen. Schließlich könnte er mit den Grizzlys noch in den Play-Offs dabei sein. Doch die begannen erst gar nicht.

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Zwangspause statt Reifezeit

"Wir waren bereit, wir waren heiß", erinnert er sich an die Tage vor dem ersten Spiel der Endrunde. "Der Bus stand bereit, wir mussten warten, dann kam die Absage der Play-Offs. Das war nicht erfreulich." Die Entscheidung war richtig, dem 22-Jährigen aber tat sie besonders weh. Der Grizzlys-Durchstarter der Saison hätte jetzt weiter Erfahrung sammeln können, in der wichtigsten Saisonphase weiter reifen können.

Allstars der Grizzlys Wolfsburg

Christoph Höhenleitner: Sein Trikot sollte einen Ehrenplatz an der Seite der stilisierten Shirts von Jan Zurek, Norm Milley und Tyler Haskins in der Eis-Arena erhalten. 13 Jahre hielt er für die Grizzlys die Knochen hin. Spielte vorn, später auch oft hinten. Schnell, intensiv, fair und oft auch brandgefährlich. 803 Partien absolvierte er im Oberhaus. Er war aus Ingolstadt gekommen. Für die Grizzlys brachte er es auf 686 Spiele und 96 Tore. Zur Galerie
Christoph Höhenleitner: Sein Trikot sollte einen Ehrenplatz an der Seite der stilisierten Shirts von Jan Zurek, Norm Milley und Tyler Haskins in der Eis-Arena erhalten. 13 Jahre hielt er für die Grizzlys die Knochen hin. Spielte vorn, später auch oft hinten. Schnell, intensiv, fair und oft auch brandgefährlich. 803 Partien absolvierte er im Oberhaus. Er war aus Ingolstadt gekommen. Für die Grizzlys brachte er es auf 686 Spiele und 96 Tore. ©

"War zu 120 Prozent bereit!"

Die Hauptrunde war seine beste im Erwachsenen-Alter gewesen, er konnte sich endlich als vollwertiger DEL-Spieler fühlen, nicht nur als Auffüller auch dank U23-Status. Vier Tore, darunter ein paar richtige gute, sieben Vorlagen, darunter ein paar richtig starke. "Seit November war es gut gelaufen für mich, auch dank meiner Nebenspieler", sagt Busch. DEL-Play-Offs, das wäre die nächste Stufe gewesen. "Ich war zu 120 Prozent bereit", erinnert er sich.

In der 2. Liga hatte er mal mit Bayreuth Play-Offs erlebt. Und in Nürnberg war er zweimal auf dem Spielberichtsbogen aufgetaucht. "Da hatten viele Spieler gefehlt, so richtig war ich da nicht dabei." Um so mehr hatte Anfang März der ersten Play-Off-Runde entgegen gefiebert, gegen Nürnberg. Ausgerechnet. Das Team, für das er seine ersten DEL-Einsätze gehabt hatte, bei dem er von 2016 bis 2018 unter Vertrag gestanden hatte, ehe er zu den Grizzlys kam.


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Üben im Wald und in der Garage

Der Bus zur Abfahrt nach Nürnberg stand schon bereit, dann kam alles anders. Statt zu spielen ging es früh in die Pause. Und die bremst nun auch noch die Vorbereitung aus. Immerhin: Er kann im Wald joggen oder Laufeinheiten absolvieren. und er genießt neben einer Garage,, die er zum Fitnessraum umgewandelt hat, noch einen kleinen privaten Vorteil: "Mein Vater Ernst ist Physiotherapeut, er kann mir Geräte besorgen, die ich für Übungen brauche." Für Details hat er Kontakt zu Grizzlys-Fitmacher Peter Kruse. Was Busch allerdings mächtig fehlt ist die Gemeinsamkeit. "Hier in Erding gibt es ein Fitnessstudio, da üben meist so ab Ende April viele Eishockey-Spieler. Das macht mehr Spaß, als allein." Andererseits: "Da musst du dich dann eben durchkämpfen, auch das ist eine Erfahrung."

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Die Krise nagt

Und so hofft er, "dass wir im Mai unsere Leistungsdiagnostik in Wolfsburg absolvieren können". Zu diesen Überprüfungen kommen stets für mehrere Tage die deutschen Profis der Grizzlys zusammen. Wenn das klappt, wäre die Wiedersehensfreude - auf Distanz - wahrscheinlich riesig. Denn die die Krise nagt. Auch und vielleicht gerade an einem jungen Spieler wie Busch, der am Anfang einer DEL-Karriere steht." Sein Vertrag wurde vor einigen Wochen verlängert - die Grizzlys nahmen erwartungsgemäß ihre Option wahr. Nun ist die große Frage, ob die neue Saison wie geplant beginnen kann. Zwischen Training, Netflix, Sehnsucht nach Eishockey-Kumpels und ein wenig Langeweile versucht Busch "nicht so viel dran zu denken. Es ist eine blöde Situation. Man kann nur hoffen, dass sich das alles in ein paar Monaten deutlich bessert."