08. März 2021 / 21:33 Uhr

Wolfsburg-Manager Schmadtke: "Für die Champions League brauchst du 65 und mehr Zähler"

Wolfsburg-Manager Schmadtke: "Für die Champions League brauchst du 65 und mehr Zähler"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Im Interview: VfL-Manager Jörg Schmadtke.
Im Interview: VfL-Manager Jörg Schmadtke. © Swen Pförtner/dpa
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Der VfL Wolfsburg steht trotz des 1:2 bei 1899 Hoffenheim noch auf Platz drei. Jörg Schmadtke, Manager des Fußball-Bundesligisten, spricht im SPORTBUZZER-Interview über das letzte Saisondrittel, Wout Weghorst, den Kapitän und seine Zukunft.

Zehn Spiele hat der VfL Wolfsburg in dieser Fußball-Bundesliga-Saison noch vor der Brust. Reicht es am Ende für den Tabellendritten für die Champions League? Und wann fällt eine Entscheidung bei Jörg Schmadtke, dessen Vertrag im Sommer 2022 endet? Der SPORTBUZZER hat beim VfL-Manager nachgefragt.

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Nach der letzten Niederlage in der Bundesliga hat die Mannschaft eine Super-Serie von zehn Pflichtspielen ohne Pleite hingelegt, hat sieben dieser zehn Partien gewonnen – gibt es in den letzten zehn Spielen dieser Saison erneut solch eine Super-Serie?
(schmunzelt) Das weiß ich nicht. Ich wünsche mir natürlich, dass wir weiterhin erfolgreich bleiben.

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Was braucht es dafür?
Konzentration, Beharrlichkeit und Klarheit im Spiel, aber auch das Wissen, dass man mit Quatscherei nichts gewinnt.


Haben Sie das Gefühl, dass die Mannschaft das auch weiß?
Ja, ganz klar. Dass der eine oder andere Außenstehende nach zwei verlorenen Spielen nun eine Krise herbeiredet, kann ich nicht verstehen. Das waren zwei gute Spiele von uns, obwohl wir sie beide verloren haben. Was wir etwa am Samstag beim 1:2 in Hoffenheim in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, war richtig gut. Was fehlte, war das Tor.

Wout Weghorst hätte es bei seiner Großchance mit dem Kopf machen können...
...ja, das ist so. Aber es passiert halt manchmal, dass selbst so eine Chance nicht reingeht.

Weghorst hat im Duell mit 1899 sein 15. Saisontor erzielt und ist der erste Wolfsburger in der Bundesliga-Geschichte, der in drei aufeinanderfolgenden Spielzeiten 15 oder mehr Tore geschafft hat. Haben Sie in Ihrer langen Karriere als Manager einen Spieler mit so viel Willen schon mal gehabt?
Ich finde Vergleiche meistens unpassend. Wir sind einfach froh, dass wir Wout haben.

Haben Sie trotzdem einen Spieler im Hinterkopf, der Sie an Weghorst erinnert?
Ja, ich denke an Erik Meijer, den ich in Aachen hatte. Er ist schon ein ähnlicher Typ gewesen – einer, der die Massen bewegen konnte. Nicht unbedingt mit seinen Toren. Was die Tore betrifft, da ist Wout stärker. Aber wenn es um Einsatz und Willen geht, kann man sie vergleichen. Meijer war einer, der ein Stadion mit einer Grätsche in Wallung bringen konnte.

45 Punkte hat der VfL auf dem Konto, aus den nun folgenden zehn Spielen hat die Mannschaft in der Hinrunde 18 Punkte geholt. Schafft Sie das erneut und reicht das am Ende dann für die Champions League?
Das weiß ich nicht, diese ganze Rechnerei hilft einem jetzt auch nichts. Normalerweise musst du, ganz grob gerechnet, für das Erreichen der Europa League zwischen 55 und 65 Punkte haben, für die Champions League brauchst du 65 und mehr Zähler.

Wären Sie am Ende enttäuscht, wenn es nach dieser bislang guten Saison „nur“ die Europa League wird?
Warum soll ich mich heute damit beschäftigen? Wenn, Dann und Hätte spielen doch jetzt keine Rolle. Jetzt Dinge zu formulieren, denen man am Ende hinterherrennt, dazu habe ich keine Lust. Ich war noch nie ein großer Freund davon, im Vorhinein Dinge zu bewerten – und ich werde es wahrscheinlich auch nicht mehr werden.

<b>Koen Casteels</b>: Bei den Gegentoren machtlos, ansonsten gewohnt sicher, aber nicht stark beschäftigt. - Note 3 Zur Galerie
Koen Casteels: Bei den Gegentoren machtlos, ansonsten gewohnt sicher, aber nicht stark beschäftigt. - Note 3 ©

Der erste Gegner nach zwei Niederlagen in Folge heißt Schalke, mit Maxence Lacroix, Xaver Schlager und Paulo Otavio fehlen drei Spieler gesperrt...
...aber unser Kader ist auch in der Breite gut aufgestellt und mein größter Wunsch wäre, dass wir das am Wochenende auch zeigen – sodass man sich als neutraler Beobachter hinterher fragen muss, ob denn wirklich drei Spieler aus der ersten Elf gefehlt haben.

Einer, der gegen Schalke in die Startelf rutschen könnte, ist Kapitän Josuha Guilavogui, der wohl seine schwerste VfL-Saison erlebt, weil er nicht mehr erste Wahl ist.
Und trotzdem weiß er, wie Marcel Schäfer und ich zu ihm stehen. Das, was wir von ihm bekommen, ist nach wie vor sehr werthaltig.

Was meinen Sie konkret?
Josh hat seine integrative Kraft nicht verloren, er ist weiterhin einer, der gute Laune versprüht. Wie es ihm zu Hause in einer ruhigen Minute geht, das weiß ich nicht. Es kann schon sein, dass er da auch mal nachdenklich ist, aber bei uns präsentiert er sich so, wie ein Kapitän sich zu präsentieren hat.

Neben einer guten Physis – was wird in den letzten zehn Spielen dieser Saison von entscheidender Bedeutung sein, um die eigenen Ziele erreichen zu können?
Ich sage immer: Bis Mitte April einer Spielzeit solltest du dich in eine gute Ausgangsposition bringen. Die haben wir bereits, daher geht es jetzt darum, diese beizubehalten. Und in den letzten fünf Spielen wird dann wichtig sein, nicht viele Verletzte und nicht viele gesperrte Spieler zu haben. Aber wie gesagt: So weit sollten wir jetzt noch nicht schauen, es geht um das Jetzt, es geht um den nächsten Gegner – und der heißt am Samstagnachmittag Schalke.

Ihr Vertrag läuft im Sommer 2022 aus – wann werden die Gespräche über Ihre Zukunft geführt?
Wir haben bei meiner letzten Vertragsverlängerung vereinbart, dass wir uns zum Jahreswechsel zusammensetzen werden. Dann gucken wir, ob das für beide Seiten noch sinnvoll ist und treffen eine Entscheidung. Bei diesem Fahrplan bleibt es.

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Der Kicker hat in der vergangenen Woche von einer Ausstiegsklausel im Vertrag von Oliver Glasner berichtet – wie gehen Sie damit um?
Wir planen mit Oliver Glasner in der nächsten Saison und ich habe nicht den Eindruck, dass dieses Thema, das in der vergangenen Woche aufgeploppt ist, Auswirkungen auf die Leistung der Mannschaft hat. Wir haben ein stabiles Gebilde – das haben wir in dieser Saison bewiesen.