15. Juni 2021 / 15:09 Uhr

Wolfsburg-Manager Schmadtke über die Fußball-EM: "Alles ein bisschen komisch"

Wolfsburg-Manager Schmadtke über die Fußball-EM: "Alles ein bisschen komisch"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Freut sich, dass bei der EM wieder Fans in die Stadien dürfen. Aber so richtig gepackt hat das Turnier-Fieber weder die Anhänger noch VfL-Manager Jörg Schmadtke.
Freut sich, dass bei der EM wieder Fans in die Stadien dürfen. Aber so richtig gepackt hat das Turnier-Fieber weder die Anhänger noch VfL-Manager Jörg Schmadtke. © dpa
Anzeige

Die Fußball-Europameisterschaft zündet bei den Fans noch nicht wirklich. Jörg Schmadtke, der Manager des VfL Wolfsburg, nennt Gründe.

Anzeige

Seit Freitagabend läuft die Fußball-Europameisterschaft - aber in Zeiten von Corona packt die Fans diese erste paneuropäische EM, die trotz der Pandemie in elf Ländern ausgetragen wird, längst (noch) nicht so wie in den Jahren zuvor. Da geht es auch Jörg Schmadtke nicht anders. "Das ist relativ weit weg", sagt der Managers des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg, wenn er über die eigenen Emotionen im Zusammenhang mit dieser EM spricht. Schmadtke macht das aber nicht nur an den vielen Einschränkungen durch Corona fest.

Anzeige

Natürlich schaut der VfL-Manager die Spiele, vor allem die, in denen die Wolfsburger Wout Weghorst (Niederlande), Josip Brekalo (Kroatien), Admir Mehmedi, Kevin Mbabu (beide Schweiz), Pavao Pervan und Xaver Schlager (beide Österreich) im Einsatz sind. Aber richtig gepackt hat Schmadtke das EM-Fieber bislang nicht. "Ich kann das Konzept ja ein bisschen verstehen, was man mit den elf Ländern fährt. Aber ich finde, das nimmt dem Ganzen etwas“, kritisiert der erfahrene Manager. "Ich fand das Turnier in einem Land in unterschiedlichen Städten des Landes besser – das hat immer das Besondere ausgemacht." Jetzt gehe diese besondere Atmosphäre, die während eines Turniers im jeweiligen Gastgeberland aufgekommen sei, "ein bisschen verloren".

Mehr zum VfL Wolfsburg

Gleichwohl verstehe er "den Gedankengang, der hinter dieser EM steht, den ich auch im ersten Moment als sehr klug empfunden habe, aber dann kam die Pandemie dazu, die das Ganze nur noch komplizierter und schwieriger macht“, so Schmadtke. Deshalb komme "auch bei vielen Menschen keine so richtige Euphorie oder kein richtiges EM-Gefühl auf". Es sei halt "alles ein bisschen komisch: Wir spielen 2021 die EM 2020, in Budapest darf es ein ausverkauftes Haus geben, in anderen Stadien dagegen dürfen nur 14.000 oder 17.000 Fans rein."

Und trotzdem werden die zugelassenen Kapazitäten nicht immer voll ausgeschöpft: Beim EM-Start am Freitagabend mit dem Duell Italien gegen die Türkei in Rom etwa waren statt der erlaubten 16.000 Zuschauer knapp 12.900 ins Olympiastadion gekommen. Und das in Italien mit seinen herrlich verrückten Fans, die den Fußball vielleicht noch mehr verehren als Anhänger in anderen Ländern. Richtig leer war es auch beim Spiel Wales gegen die Schweiz in Baku (Aserbaidschan). Dabei hätten 30.000 Fans kommen dürfen. Es kamen aber nur 8800.

Trotzdem: Es ist schön zu sehen, dass überhaupt wieder Fans in die Stadien dürfen, nachdem es in den Ligen in der vergangenen Saison fast nur Geisterspiele gegeben hatte. "Die Spieler haben jetzt ein oder eineinhalb Jahre ohne Zuschauer gespielt, da war alles ruhig. Das war nicht schön, aber wenn jetzt auf einmal Reaktionen kommen – und die sind ja nicht immer nur positiv – damit muss man als Spieler wieder lernen, umzugehen und das einzuordnen", sagt Schmadtke, der die Rückkehr der Anhänger auch als Signal für die neue Bundesliga-Saison sieht.

"Wenn ich mitbekomme, dass die Inzidenzen bei uns im Land runtergehen und immer mehr Menschen geimpft sind, und wenn das Turnier jetzt nicht zu einem Superspreading-Event wird, dann denke ich, dass die Türen extremst weit geöffnet sind für Zuschauer, zumindest für eine Teil-Öffnung", glaubt der Manager. Beim VfL sei man in Sachen Fans in der neuen Saison "auf alles vorbereitet“, sagt Schmadtke und meint damit eine Auslastung der VW-Arena "von 20 Prozent, zur Hälfte gefüllt oder eben ganz voll".