11. Oktober 2021 / 17:54 Uhr

Wolfsburg-Pechvogel Otavio vorm Comeback: "Ein paar Minuten – dann ist Paulo wieder da!"

Wolfsburg-Pechvogel Otavio vorm Comeback: "Ein paar Minuten – dann ist Paulo wieder da!"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Steht vorm Comeback: Paulo Otavio vom VfL Wolfsburg.
Steht vorm Comeback: Paulo Otavio vom VfL Wolfsburg. © Roland Hermstein
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Paulo Otavio ist fast wieder der Alte. Am Samstag (15.30 Uhr), wenn der VfL Wolfsburg bei Union Berlin ran muss, könnte der Pechvogel der Wolfsburger erstmals wieder zum VfL-Aufgebot gehören.

Ab und an mal ein paar Regentropfen, dazu ein kalter Wind – es war bestimmt nicht das Wunsch-Wetter von VfL-Brasilianer Paulo Otavio am Montagnachmittag beim Training des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Und doch lächelte der Linksverteidiger häufiger. Aus gutem Grund, denn Otavio steht nach seiner schweren Sprunggelenks-Verletzung aus der Vorbereitung vorm Comeback. Dass das alles so schnell ging, liegt auch an etwas Hilfe aus seiner Heimat. Als Dank hat er seinen Brasi-Helfern ein ganz besonderes Geschenk versprochen.

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Otavio hatte nach der Diagnose den Großteil seiner Reha in Sao Paulo absolviert, genauer in der "Sports Clinic" im Stadteil Moema. Da schwitzte er für seine Rückkehr. Gewichte stemmen, Übungen an Geräten für die Stabilisation, schweißtreibende Laufeinheiten auf Laufbändern, Sprints samt Tor-Abschluss auf dem Platz – es war alles da, was er brauchte. Wie schon im vergangenen Jahr, als er dieselbe schwere Verletzung hatte. „Der Chef-Physio dort heißt Fabio, er hat mir auch beim ersten Mal geholfen. Damals kannten wir uns nicht.“ Aber beide lernten sich aufgrund der damals gut verlaufenen Reha zu schätzen. „Diesmal hat er mich angerufen und gesagt: ,Ich warte auf dich hier. Wenn du willst, wir sind für dich da.'“

Otavio wollte und flog nach Brasilien. „Das Team dort ist top.“ Der Linksverteidiger ist schon wieder in einem guten Zustand, was noch fehlt, ist Spielpraxis.“ Was gab es als Abschiedsgeschenk für die Mitarbeiter des Unternehmens? Otavio schmunzelnd: „Sie erwarten nichts. Sie möchten gern ein Champions-League-Spiel mit mir auf dem Platz hier bei uns schauen. Ich habe gesagt: ,Wir können das gern machen.'“

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Otavio hat beim VfL schon so einige Rückschläge verkraften müssen. Er hat sich jedoch immer zurückgekämpft, was auch für seine starke Psyche spricht. Dennoch: Hat er sich mal gefragt, warum es ihn so häufig erwischt hat? „Nein“, winkt er schnell ab. „Man kann sich auch beim Schlafengehen verletzen. Einem Freund von mir ist das schon passiert“, so der schnelle Linksverteidiger, für den es allerdings schwer war, geduldig zu bleiben, wie er zugibt: „Wenn du so eine gute Saison hattest, wie ich sie hatte, und wenn du vorhast, es diese Saison wieder so gut zu machen, ist das schon schwer.“ Schwer mit der Geduld.

Im Training macht er schon wieder einen ganz guten Eindruck, am Samstag im Duell mit Union Berlin könnte der Brasi erstmals wieder zum VfL-Kader zählen. Wie viel fehlt noch, damit er wieder so gut wird, wie er es in der vergangenen Saison war? „Ein paar Wochen oder vielleicht sind es auch nur ein paar Tage. Ich brauche Spielzeit. Wir haben jetzt viele Spiele, da kann man ein paar Minuten spielen, wenn der Trainer möchte. Ein paar Minuten – und dann ist Paulo wieder da“, sagt der Ex-Ingolstädter, der sich im letzten Vorbereitungsspiel gegen Spanien-Meister Atletico verletzt hatte.

Nach einem Zweikampf mit Atleticos Rodrigo Riquelme war Otavio damals mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen geblieben, Josuha Guilavogui musste ihn trösten, ehe Wolfsburgs Nummer 6 nach einer Behandlungspause mit bandagiertem Knie vom Platz geführt wurde. Otavio war zunächst von einem Kreuzbandriss ausgegangen, doch Untersuchungen ergaben eine Verletzung des Sprunggelenks. Otavio: „Die ersten drei, vier Tage waren schon hart, das zu akzeptieren.“ Aber dann ging es nach Brasilien. Otavio beginnt an diesem nasskalten Montagnachmittag zu strahlen, denn: „Für mich ist Brasilien das beste Land auf der Welt.“