17. Februar 2021 / 17:52 Uhr

Wolfsburg-Rekordmann Furchner über seine Vertragsverlängerung: "Grizzlys oder gar nichts!"

Wolfsburg-Rekordmann Furchner über seine Vertragsverlängerung: "Grizzlys oder gar nichts!"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner: Er setzt sich vehement für die Zulassung von mehr Fans in den Hallen ein.
Bleibt den Grizzlys bis 2022 treu. Das Vertrauen des Managers spielte bei der Verlängerung eine Rolle. © Gero Gerewitz
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Kapitän Sebastian Furchner hängt noch ein Jahr bei den Grizzlys Wolfsburg an, wird auch mit 39 Jahren noch im Eishockey-Oberhaus spielen. Alles über die Gründe und Gespräche verrät er im SPORTBUZZER-Interview. 

Kapitän Sebastian Furchner hängt noch ein Jahr bei den Grizzlys Wolfsburg an, wird auch mit 39 Jahren noch im Eishockey-Oberhaus spielen. Die Entscheidung reifte eine ganze Weile. Was und wer für ihn dabei eine Rolle spielte, was ihm Manager Charly Fliegauf sagte und was ihm die Fans bedeuten, berichtet er im Interview. 

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Sie gehen in der kommenden Saison in die 14. Spielzeit mit den Grizzlys - war der Entscheidungsprozess entsprechend lange?

Das hat sich schon über ein paar Wochen hingezogen. Es gab unter anderem drei Gespräche mit Charly Fliegauf, wir haben da ehrlich und offen miteinander geredet, dann hat er gesagt, er würde sich freuen, wenn ich noch ein Jahr spiele und ich habe mir dann noch einmal vier Wochen genommen, um das Ganze zu überdenken, zu reflektieren. Und bin froh, dass es noch mal geklappt hat, dass ich noch mal spielen kann.

Wie wichtig war Ihnen der Austausch mit dem Manager?

Wir arbeiten 13 Jahre zusammen, wir werden auch in Zukunft zusammenarbeiten, dementsprechend kriege ich von ihm immer ehrliches Feedback. Er sagte, er würde sich freuen, wenn ich weitermachen würde. Das hatte Gewicht für mich. Jetzt ist es so gekommen, da bin ich glücklich drüber, das merke ich auch.

Wie muss man sich den Entscheidungsprozess im Hause Furchner vorstellen?


Ich habe die ganze Zeit mit meiner Frau drüber gesprochen, auch letztes Jahr schon. Sie sagt zwar: ,Die Entscheidung liegt bei dir', aber ich will natürlich ihre Meinung. Sie hat die 19 Jahre DEL-Karriere an meiner Seite verbracht. Sie weiß, wie ich ticke, wie das ganze Spiel läuft. Ihre Meinung ist mir wichtig. Mit meinen Eltern habe ich drüber geredet, auch mit meiner großen Tochter, die war am Ende die Allerglücklichste, dass ich noch ein Jahr spiele.

Welche Rolle spielen die Fans?

Die Fans, die Kulissen, die Atmosphäre in den Stadien sind natürlich auch ein Grund, noch weiter spielen zu wollen, ganz klar. In erster Linie zählt natürlich: macht es auch Sinn, sportlich Sinn? Ich muss mich danach fühlen, dass es noch geht. Und es geht. Ich muss nicht schnaufen wie eine Dampflok,meine Beine brennen nicht nach jedem Wechsel. Deshalb ist es schön, weiter zu spielen. Es wäre unheimlich traurig gewesen, in dieser Spielzeit abzutreten. Ich will halt schon noch mal vor meiner Familie antreten, vor den Fans, vor meinen Eltern, die auch in fast jedem Eisstadion zuhause waren, wo ich gespielt habe. Das war natürlich schon ein Anreiz.

Auch wenn die Rolle eines gefürchteten Torjägers sich inzwischen gewandelt hat...?

Es ist auch okay, wenn ich mal nur zehn Minuten spiele. Dass die Rolle nicht mehr so dominant ist wie in vielen Jahren zuvor, damit habe ich kein Problem. Ich weiß, wie es läuft. Aber ich stelle mich immer noch gern der sportlichen Herausforderung.

Jeff Likens wird aufhören - wenn Sie auch Schluss gemacht hätten, hätte das ein ziemlich großen Verlust an Leadership auf einen Schlag bedeutet, auch für diese Qualität schätzt Sie der Manager...

Man macht es nicht allein an Scorerpunkten fest, das stimmt. Die Art und Weise, wie wir als Grizzlys sein wollen, das kann man auch mit zehn Minuten Eiszeit vorleben - die Dinge, über die wir uns definieren, die kann jeder, auch mit weniger Eiszeit: hundertprozentiger Einsatz für die Mannschaft, starten, stoppen, checken, arbeiten. Das war schon so ein Punkt in meinen Überlegungen, die mir aufzeigte - ja, das kann ich noch, das will ich noch. Die Rolle ist eine andere, 15 oder 20 Tore werde ich nicht mehr schießen, aber ich habe mich auf die Rolle eingestellt, kann gut mit ihr umgehen, sogar besser als gedacht. Aber: Ich kämpfe weiterhin um jede Minute Eiszeit unter der Woche - nur so werden wir als Gruppe besser.

Haben Sie auch mal an einen Vereinswechsel gedacht, vielleicht in eine andere Klasse?

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Manchmal hört man ja, dass über Spieler gesagt wird, sie sollten lieber aufhören, oder es wäre besser gewesen, sie hätten aufgehört. Ich finde: Warum sollte man aufhören, wenn man noch spielen will? Ich habe auch überlegt, was wäre, wenn ich noch was Verrücktes mache, vielleicht eine Saison in Dänemark. Aber das geht wegen der Kinder und der Schule nicht. Oder Hannover. Im gleichen Zuge reifte der Gedanke: Aufhören will ich nicht gern. Dann war irgendwann klar - Grizzlys oder gar nichts.

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Wer so lange spielt, hat der auch Rekorde im Blick?

Der Lüde (Mirko Lüdemann; Anmerkung der Red.) hat bis 42 gespielt, das ist natürlich nichts, was ich mache. Ich kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass die nächste Saison meine letzte ist. Auch wenn ich nicht sagen kann und will, das ist bestimmt die letzte. Aber es ist schon ziemlich sicher.

Und wie geht es weiter? Sie rücken dann ins Management der Grizzlys auf?

Das wird ein Prozess sein, Eckpunkte haben wir gesprochen, was es genau wird, werden wir später festlegen, ich werde alles kennenlernen.

Sie könnten in Ihrer zukünftigen Funktion auch ein Bindeglied zur Nachwuchsabteilung werden.

Das ist etwas, was ich auf jeden Fall auf der Agenda habe, das wird ein Bestandteil des Ganzen sein.

Sebastian Furchners Statistik im Vergleich

Meiste DEL-Spiele:

*Mirko Lüdemann 1199

*Daniel Kreutzer 1066

*Niki Mondt 1060

Sebastian Furchner 1042

*Patrick Köppchen 1026

Yannic Seidenberg 1023

Meiste DEL-Tore:

Patrick Reimer 358

*Michael Wolf 337

Sebastian Furchner 288

*Thomas Greilinger 285

Meiste Spiele Grizzlys:

Sebastian Furchner 692

*Christoph Höhenleitner 680

Armin Wurm 564

Meiste Tore Grizzlys:

Sebastian Furchner 216

*Brent Aubin 127

*Norm Milley 103

Meiste Assists Grizzlys:

*Norm Milley 267

*Tyler Haskins 245

Sebastian Furchner 226

*nicht mehr aktiv/anderer Klub