23. November 2019 / 18:38 Uhr

Wolfsburg-Sieg in Unterzahl: "Wir sind für Tiss mitgerannt!"

Wolfsburg-Sieg in Unterzahl: "Wir sind für Tiss mitgerannt!"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Marcel Tisserand flog vom Platz
Marcel Tisserand flog vom Platz © imago images/Eibner
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Endlich wieder ein Sieg für den VfL Wolfsburg - und das in Unterzahl. Marcel Tisserand hatte beim 2:0-Erfolg in Frankfurt kurz vor der Pause Gelb-Rot gesehen, trotzdem war der Erfolg für die Gäste eigentlich nie in Gefahr.

Ausgeglichenes Spiel, 1:0-Führung im Rücken - es lief gut für den VfL Wolfsburg in der Partie am Samstag bei Eintracht Frankfurt. Dann sah Marcel Tisserand Gelb-Rot und VfL-Trainer Oliver Glasner gab zu: "Da ist uns schon die Kinnlade runtergefallen." Der 2:0-Erfolg des VfL war aber am Ende dennoch verdient. Jubilar Maximilian Arnold (200. Bundesliga-Spiel): "Wir sind für Tiss mitgerannt!"

Der Platzverweis war extrem ärgerlich, denn schon die erste Gelbe Karte war dumm. Nach einem Freistoßpfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert nahm Tisserand den Ball in die Hand, trug ihn einige Meter weg - und wurde wegen Spielverzögerung verwarnt. Gesperrt wäre er damit ohnehin gewesen, denn es war seine fünfe Gelbe Karte in dieser Saison. Kurz vor der Pause wollte der Nationalspieler der DR Kongo dann im halbrechten Mittelfeld unbedingt den Wolfsburger Ballbesitz retten, fuhr im Kopfballdull mit Goncalo Paciencia dabei aber den Ellenbogen aus und traf den Frankfurter im Gesicht. Gelb-Rot, Wolfsburg in Unterzahl, Tisserand beim Heimspiel gegen Bremen nächste Woche nicht dabei - und in der Gelb-Liste bleiben für den 26-Jährigen vier Verwarnungen stehen.

Über die zweite Gelbe Karte gab es keine Diskussionen, aber "ob man die erste Gelbe Karte geben muss, weiß ich nicht, er hatte gefühlt 1,8 Sekunden den Ball in der Hand", fand Glasner. Wichtiger aber: "Wir haben in der Halbzeit versucht eine Lösung zu finden - und die Spieler haben das sehr gut umgesetzt."

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<b>Koen Casteels:</b> Erstes Spiel seit seinem Haarriss im Wadenbein gegen Paderborn, gleich gut drin, sicher auf der Linie, sicher beim Herauslaufen, gut beim Mitspielen, die Ruhe selbst – kurzum: Comeback gelungen. Note: 2 Zur Galerie
Koen Casteels: Erstes Spiel seit seinem Haarriss im Wadenbein gegen Paderborn, gleich gut drin, sicher auf der Linie, sicher beim Herauslaufen, gut beim Mitspielen, die Ruhe selbst – kurzum: Comeback gelungen. Note: 2 ©

Bei der Taktik-Umstellung des VfL zur Pause war Admir Mehmedi ein Opfer des Tisserand-Platzverweises. Der Schweizer, der nach auskuriertem Muskelfaserriss im Oberschenkel sein Comeback feierte, musste in der Kabine bleiben, Robin Knoche (der im Duell um einen Startelfplatz gegen John Anthony Brooks deb Kürzeren gezogen hatte) füllte die Abwehr-Dreierkette wieder auf, vorn mussten Wout Weghorst und Joao Victor ohne den dritten Mann auskommen, dafür schob sich Arnold aus dem Mittelfeld in die offensivere Halbposition. "Wir konnten", so Arnold schmunzelnd, "die beiden von vorn ja nicht allein rennen lassen, die hatten sich ja schon vorher nen Wolf gelaufen..."

Und so war der VfL immer wieder in der Lage, auch im gegenerischen Strafraum das Pressing fortzusetzen, auch Eintracht-Torwart Felix Wiedwald immer wieder anzulaufen. "Das zweite Tor", so Glasner, "war dann ein Torwartfehler, aber es war kein Zufall." Was dazu kam: "Wir waren defensiv diszipliniert, haben hinten wenig zugelassen und immer wieder Nadelstiche gesetzt." Eintracht-Coach Adi Hütter lobte derweil die "Wolfsburger Kopfballstärke in der Verteidigung" - mit Recht. Nicht weniger als 29 (!) Flanken segelten in den VfL-Strafraum, fast alles schädelten der starke Jeffrey Bruma, Knoche, Brooks und bis zum Platzverweise auch Tisserand gnadenlos weg.

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Und so brachte der VfL der Eintracht die erste Heimniederlage der Saison bei - und gewann zum vierten Mal in Folge ein Spiel in der Commerzbank-Arena. Glasner: "Ein ganz wichtiger Sieg nach unserer schwierigen Phase, vor allem, wenn du weißt, dass in Frankfurt die Trauben sehr hoch hängen." An dieser Stelle musste ihm sein von der eigenen Mannschaft enttäuschter Landsmann Hütter widersprechen. "Heute hingen sie nicht sehr hoch..."