25. August 2020 / 23:43 Uhr

Wolfsburg sieht sich als "glücklicher Sieger", Barca hätte sich einen Video-Schiri gewünscht

Wolfsburg sieht sich als "glücklicher Sieger", Barca hätte sich einen Video-Schiri gewünscht

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Knapp: Rolfö triff, VfL-Trainer Lerch sieht sein Team als glücklichen Sieger
Knapp: Rolfö triff, VfL-Trainer Lerch sieht sein Team als glücklichen Sieger © AP / DPA
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VfL Wolfsburg gegen Barcelona - es war ein enges Halbfinale in der Champions League der Frauen. Stephan Lerch, Trainer des VfL, gab nach dem 1:0-Sieg zu: "Wir sind ein glücklicher Sieger“.

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1:0 Sieg gegen den FC Barcelona - die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg stehen wieder im Finale der Champions League. Am Sonntag geht es gegen Paris oder Lyon um den wichtigsten Titel im Vereinsfußball der Frauen, Sport1 überträgt live aus dem Anoeta-Stadion in San Sebastian. Dann wird es ähnlich schwer für den VfL wie am Dienstagabend, als sich der VfL einer Offensiv-Qualität des Gegners ausgesetzt sah, der er ansonsten nur sehr selten begegnet.

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„Wir sind ein glücklicher Sieger“, gab VfL-Trainer Stephan Lerch angesichts der vielen guten Barca-Chancen zu. „Barcelona hat sehr gut gespielt und uns in vielen Situationen sehr ins Laufen gebracht. Sie haben sich viele Torchancen erspielt, die wir so nicht zulassen wollten. Für meinen Geschmack waren es zu viele, aber ich möchte unterstreichen, dass meine Mannschaft immer wieder gezeigt hat, was in ihr steckt. Sie hat sich heute durch einen großen Kampf und Wille ausgezeichnet und das Finale erarbeitet. Das nötige Glück erarbeitet man sich auch über einen längeren Zeitraum."

VfL Wolfsburg gegen Barcelona - Die Bilder

Da ist er drin: Fridolina Rolfö bejubelt den Treffer zum 1:0 Zur Galerie
Da ist er drin: Fridolina Rolfö bejubelt den Treffer zum 1:0 ©

VfL-Torfrau Friederike Abt hatte mehr zu tun als in ihren bisherigen Einsätzen im VfL-Tor. Am Ende stand hinten die Null – und die Keeperin hat sich im Konkurrenzkampf gegen Neuzugang Katarzyna Kiedrzynek erst einmal durchgesetzt. „Ich freue mich, dass ich das Vertrauen der Trainer bekommen habe und spiele“, so Abt. Für mich war das ja erst Einsatz Nummer 3 in der Champions League – dass das Ganze jetzt im Finale endet, ist natürlich umso schöner.“



Die Entscheidung war in der 58. Minute gefallen. Ewa Pajor behauptete den Ball auf halblinks, nach einer tollen Seitenverlagerung von Ingrid Engen brachte Svenja Huth von rechts eine Flanke in den Strafraum, nach kurzem Gewusel versuchte sich die in Position gelaufene Pajor mit einem Fallrückzieher, die Kugel prallte ab, Rolfö reagierte am schnellsten – und staubte aus kurzer Distanz ab. Torschützin Rolfö musste nach der Partie noch zur Dopingprobe, an ihrer Freude änderte das aber nichts. „Es fühlt sich fantastisch an“, so die Schwedin, „wir sind total glücklich, dass wir im Finale stehen. Wir haben uns in der Halbzeitpause gesagt, dass wir ruhig bleiben müssen, Ballbesitz haben müssen, uns nicht stressen lassen dürfen – und einfach ein Tor machen sollten...“

Barca-Trainer Lluis Cortes haderte mit dem Ergebenis: "Wir haben gesehent, dass Barceona stärker war. Wir hätten es verdient zu gewinnen. Aber ich bin sehr stolz auf die Mannschaft und wir sind mit einem Lächeln ausgeschieden. Der letzte Pass und der Schuss, der dann ins Tor geht - das hat uns heute gefehlt. Natürlich sind die Spielerinnen enttäuscht, denn wir haben eine große Chance verpasst, aber es wird nicht die letzte sein."

Aufreger des Spiel war eine Szene in der Anfangsphase, als VfL-Verteidigerin Kathy Hendrich der Ball an die Hand sprang - mit Videoschiri hätte es womöglich Elfmeter gegeben. "Ich mag nicht über die Schiedsrichterin reden" so Cortes, "aber ich möchte mich schon an die Organisatoren wenden. Wenn wir im Frauenfußball wachsen wollen, dann muss das in allen Aspekten sein. Viele investieren viel Zeit und Geld. Den VAR kann man doch benutzen, er ist jedes Wochenende im Einsatz. Ich weiß nicht, warum das bei uns noch nicht der Fall ist, dann wäre die Entscheidung wahrscheinlich anders ausgefallen." Kollege Lerch enthielt sich einer Wertung: "Ich habe die Szene von der Bank aus schwer sehen können, es war im Getümmel.."

Etwas Sorgen gibt es beim VfL um Alexandra Popp, die DFB-Kapitänin musste ausgewechselt werden. "Popp hat schon den einen oder anderen Schlag abbekommen", so Lerch, "sie läuft momentan noch nicht rund, aber wir haben ja jetzt ein paar Tage Zeit das in den Griff zu bekommen."

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Wer der Finalgegner sein wird, entscheidet sich Mittwochbend (20 Uhr) im französischen Halbfinal-Duell zwischen Titelverteidiger Olympique Lyon und Paris Saint-Germain. Rekordsieger Lyon ist der große Favorit – doch dass PSG der neuen Mannschaft von Sara Gunnarsdottir Paroli bieten kann, sah man Anfang August im Finale der Coupe de France, als sich Lyon erst im Elfmeterschießen gegen die Pariserinnen (mit Ex-VfLerin Ramona Bachmann) durchsetzte. Wolfsburg-Trainer Lerch schaut mit Spannung auf das Spiel: "Lyon dominieren seit Jahren den europäischen Wettbewerb, sind auf jeder Position top besetzt, der Kader ist unheimlich gut in der Breite aufgestellt. Sie sind eine eingespielte Mannschaft. Sie wissen um was es geht, kennen die Situation und haben viele Finals gespielt, sie haben eine Routine entwickelt." Aber, so der VfL-Coach: "PSG hat auch enorme Qualität, Lyon ist in der Breite aber etwas stärker besetzt. Paris bringt viel Tempo mit, vor allem in der Offensive. Sie haben noch die eine oder andere Spielerin dazu bekommen, die sie flexibler machen. Wir werden im Finale auf eine Mannschaft treffen, die nicht mit Barcelona zu vergleichen ist."

Für den VfL Wolfsburg ist es nach 2013, 2014, 2016 und 2018 der fünfte Finaleinzug, zweimal gab’s am Ende den Pott. Und: Für den deutschen Meister und Pokalsieger ist weiter das zweite Triple nach 2013 möglich.

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