09. November 2021 / 20:00 Uhr

Wolfsburg-Trainer Kohfeldt: "Ich mag Schmadtkes manchmal trockene Art"

Wolfsburg-Trainer Kohfeldt: "Ich mag Schmadtkes manchmal trockene Art"

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hat mit dem VfL Wolfsburg viel vor: Trainer Florian Kohfeldt.
Hat mit dem VfL Wolfsburg viel vor: Trainer Florian Kohfeldt. © Roland Hermstein
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Mit Florian Kohfeldt hat vor zwei Wochen ein neuer Trainer beim VfL Wolfsburg übernommen. Im Interview spricht der Ex-Coach von Werder Bremen über seinen Wechsel, seinen neuen Klub und das Verhältnis zu VfL-Manager Jörg Schmadtke.

Seit zwei Wochen ist Florian Kohfeldt Cheftrainer des VfL Wolfsburg, seine bisherige Bilanz: stark. Drei Spiele, drei Siege, nur ein Gegentor. Im Interview spricht der 39-Jährige über seinen Wechsel zum Fußball-Bundesligisten, sein Verhältnis zu Manager Jörg Schmadtke, seine Zeit nach dem Aus bei Werder Bremen sowie seine Hobbys und Interessen.

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Herr Kohfeldt, wie ist Ihr Verhältnis zur Mannschaft, müssen die Spieler Sie siezen?
Du und Trainer sind vollkommen okay, Florian ist auch okay - Flo eher nicht. (lacht)

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Haben Sie denn schon Ihren Einstand gegeben?
Erst mal ist der Staff dran, das versuche ich, in der Länderspielpause zu organisieren. Ich denke, es wird ein gemütlicher Abend werden. Mit den Spielern überlege ich mir dann noch was.

Tim Borowski war als Co-Trainer im Gespräch – Sie sind jedoch allein nach Wolfsburg gekommen. Warum?
Es gibt mehrere Gründe dafür. Wir haben in meinem alten Trainerteam, das ich sehr schätze, immer noch einen engen Austausch. Bei Boro ist es so, dass wir uns in der Zukunft sehr gut vorstellen können, wieder zusammenzuarbeiten. Aber schon vor dem Angebot aus Wolfsburg hatte Boro für sich entschieden, dass er dieses Jahr nicht als Trainer arbeiten möchte. In den Gesprächen mit Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer haben wir entschieden, dass ich allein komme. Die Qualität der Mitarbeiter ist hier sehr hoch. Und ich wollte von vornherein, dass jeder merkt, es ist ein Wir. Und das ist ein Stück weit einfacher, wenn man allein kommt und sich in die bestehenden Strukturen eingliedert. Und es war auch ein wichtiges Zeichen an das bestehende Trainerteam, dass Vertrauen da ist und ein Gemeinschaftsgefühl entstehen kann. Aber es ist nicht für alle Zeiten ausgeschlossen, dass wir uns noch verändern.

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Michael Frontzeck kennen Sie ja auch schon etwas länger, oder?
Michael und ich hatten schon ein- oder zweimal den Gedanken zusammenzuarbeiten. Ich schätze seinen Blick auf die Mannschaft. Wenn er nicht hier gewesen wäre, weiß ich nicht, ob ich allein gekommen wäre. Und bei Vincent Heilmann mag ich den Akzent sehr (lacht). Er ist sehr gut in der Trainingsarbeit und aufgrund seines Alters und seiner fußballerischen Historie hat er einen guten Draht zur Mannschaft.

Guter Draht ist ein gutes Stichwort. Wie ist denn ihr Verhältnis zu Jörg Schmadtke, aber auch zu Marcel Schäfer?
Den Ruf, der nach außen dringt, hinterfragt man im ersten Moment natürlich. Ich habe Jörg im Rahmen der Spiele gegen Wolfsburg oder wenn wir uns so mal gesehen haben, immer als sehr herzlich empfunden. Ich mag seine manchmal trockene Art – das gefällt mir. Und Jörg hat eine Eigenschaft, die für einen Trainer ganz gut ist: In der Regel arbeitet er recht lange mit seinen Trainern zusammen. Das ist für mich als junger Trainer wichtig zu wissen, da ist jemand, der nicht gleich panisch wird. Und diese Ruhe strahlt er aus. Aber ausschlaggebend waren die zwei Tage und die zwei Nächte.

Das klingt romantisch…
(lacht) Die guten Gespräche, meine ich. Und es gab so kleine Dinge. Beispielsweise, dass mich der Geschäftsführer Mitten in der Nacht vom Flughafen abgeholt hat. Etliche Klubs würden jemanden schicken, der dich abholt. Aber Jörg und Marcel kamen persönlich. Das habe ich als Wertschätzung verstanden. Jörg ist jemand, der inhaltlich sehr stark ist und den Austausch möchte, aber den Trainern dann die Freiheiten gibt, Entscheidungen zu treffen. Ich wäre ja verrückt, wenn ich die Meinung eines so erfahrenen Managers nicht mit einfließen lassen würde.

Und Schäfer?
Marcel ist rund um die Uhr bei der Mannschaft. Über ihn muss man eigentlich nicht viel sagen, er hat eine extrem hohe Fachkompetenz, ist nett, sympathisch, aber auch klar. Und diese Kombination mit den beiden finde ich hervorragend, ich fühle mich sehr wohl.

Hatten Sie denn noch Kontakt zu Mark van Bommel?
Ich hatte keinen Kontakt zu Mark, weil ich ihn nicht kannte. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es kein schöner Moment ist, wenn man gehen muss. Es tut einem auch sehr leid, darauf angewiesen zu sein, dass jemand seinen Job verliert, damit man selbst einen neuen bekommt.

Haben Sie den Markt denn nichtsdestotrotz verfolgt und gehofft, dass das Telefon klingelt?
Natürlich habe ich die Bundesliga verfolgt, auch wenn ich darauf nicht festgelegt war. Aber ich habe mir keine Vereine rausgepickt und gesagt, ich schaue mir jetzt Wolfsburg an. Bis Anfang Oktober wollte ich mich damit auch noch gar nicht beschäftigen. Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich wieder frisch war. Es war also nicht so, dass ich geschaut habe, ob irgendwo nächste Woche etwas passiert.

Aber Sie wussten, als das Telefon geklingelt hat, dass der VfL dran ist?!
Ja, die Nummer von Jörg hatte ich vorher schon. Daher habe ich nicht wieder aufgelegt. (lacht)

Darum wechselten die Trainer des VfL Wolfsburg

1997/98: Aufstiegstrainer <b>Willi Reimann</b> wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte <b>Wolfgang Wolf</b>, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. Zur Galerie
1997/98: Aufstiegstrainer Willi Reimann wurde im Team respektiert, herzlich war sein Umgang mit den Spielern nie. Nach der Winterpause wurden Risse sichtbar; als die WAZ enthüllte, dass Manager Peter Pander Reimanns Defizite im Umgang mit den Spielern ausgleichen sollte, war der Trainer sauer („Dann kann ich ja hinwerfen“), der VfL nahm die Aussage als Rücktritt. Uwe Erkenbrecher wurde für ein Spiel Interimscoach, dann folgte Wolfgang Wolf, der mit drei 1:0-Siegen in Folge startete. ©

Und dann war klar: Jetzt geht’s los?
Nein, es war nicht so, dass ich hierhergekommen bin und Jörg gesagt hat, es wird alles glatt gehen. Wir mussten uns kennenlernen. Und das haben wir in sehr ausführlichen Gesprächen. Wir haben über Fußball, den Kader, das Training, den Staff und die Zusammenarbeit mit der Akademie gesprochen.

Wann war Ihnen denn klar, dass sie beim VfL übernommen wollen?
Nachdem die Gespräche beendet waren und die beiden gesagt haben, sie melden sich, war für mich schon klar, dass ich es machen möchte, wenn sie die Zusammenarbeit mit mir eingehen wollen.


Im Sommer hatte es keine Anfragen für Sie gegeben?
Ich habe bewusst gesagt, ich nutze diese Zeit, um zu reflektieren. Mir hat nicht die Energie gefehlt. 2013 bin ich Co-Trainer in Bremen geworden, seitdem ist alles im Zeitraffer passiert. Und es war sinnvoller, einen kurzen Break zu haben, statt direkt die nächste Aufgabe anzugehen. Aber ich habe ehrlich gesagt nicht erwartet, dass irgendwann ein Champions-League-Teilnehmer anruft. Dass es so schnell ging, hat mich schon etwas überrascht und freut mich sehr.

Wenn etwas kommt, hätten Sie ja eher damit rechnen müssen, dass es wieder ein Klub im Abstiegskampf ist.
Wenn man in der Saison übernimmt, ist klar, dass man einen Verein übernimmt, bei dem nicht alles rund läuft. Es wäre aber auch denkbar gewesen, noch etwas länger zu warten. Aber ich bin auch ehrlich, bis nächsten Sommer hätte ich nicht warten wollen, da wäre ich zu Hause wahrscheinlich die Wände hochgelaufen. (grinst)

Gab es denn ein Feedback, dass Sie hart getroffen oder Ihnen geholfen hat bei der Reflexion?
Es gab durchaus kritisches Feedbacks. Das tut immer ein wenig weh, aber es hilft auch. Ich wollte nicht hören, das und das war nicht möglich. Sondern ich wollte hören, was mein Anteil daran war. Da gab es auch Gespräche, nach denen ich nach Hause gegangen bin und gedacht habe, denk’ darüber mal nach, denn das willst du nicht noch mal hören.

Wie verfolgen Sie Bremen heutzutage?
Ich verfolge Werder und schaue auf die Ergebnisse – nach unseren Spielen. Ich drücke alle Daumen, dass sie wieder aufsteigen. Wer Bremen kennt, weiß, dass die Stadt extrem solidarisch mit ihrem Verein ist. Dass eine unglaubliche Stimmung und Energie entstehen kann. Ich freue mich sehr auf den Tag, wenn Werder Bremen wieder in der 1. Liga spielt.

Und was sind jetzt Ihre langfristigen Ziele mit dem VfL?
Das Wort, das ich in beide Richtung gern mag, ist Tempo. Daher glaube ich, dass der VfL gut zu mir passt. Wo ich auf Dauer hin will, haben wir zu Teilen in der ersten Halbzeit gegen Augsburg gezeigt. Aber einen gut gestaffelten Block auszuspielen, das zu lernen, dauert am längsten. Doch das intensive Verteidigen ist unsere Basis, das geben wir nicht mehr her.

Geht’s ihnen auch darum, mit dem VfL Titel zu gewinnen?
Das ist eine sehr frühe Frage nach einer Woche. Ich tue gut daran, dass ich keine neuen Saisonziele ausrufe. Die bestehenden, nämlich um den europäischen Wettbewerb mitzuspielen, sind realistisch.

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Sie waren selbst nie Profi. Müssen Sie sich da bei den Spielern Respekt erst erarbeiten?
Ich habe nie das Ansinnen, den Jungs zu sagen, dass ich alles besser weiß. Ich respektiere, dass ich diese Erfahrungswerte des Profi-Seins nicht habe. Obwohl ich inzwischen einige Bundesliga-Spiele als Trainer absolviert habe, habe ich trotzdem nie auf der Sechs oder als Innenverteidiger gespielt. Daher würde ich auch nie ein Trainerteam zusammenstellen, bei dem diese Komponente fehlt. Auch deshalb ist Michael Frontzeck extrem wichtig. Trotzdem glaube ich, dass die Spieler einen Trainer daran messen, ob er ihnen hilft und sie und die Mannschaft besser macht. Und die meisten Spieler wussten vorher, wer ich bin.

Hätte der Torwart Florian Kohfeldt den Trainer Florian Kohfeldt gemocht?
Auf jeden Fall, weil bei mir müssen die Torhüter die Läufe nicht mitmachen, das habe ich früher immer gehasst. Von daher wäre ich mit mir sicher sehr zufrieden gewesen. (lacht)

Und wie ist die Privatperson Florian Kohfeldt heutzutage?
Ich bin leidenschaftlicher Tennisspieler, das ist mein Ausgleich. Früher habe ich noch Tischtennis gespielt, in Bremen hatten wir auch eine Platte in der Kabine. Ich fahre gerne Fahrrad, laufen gehe ich nicht so gern. Ich höre gern Musik, lese gerne Zeitung und verbringe Zeit mit meiner Familie. Social Media ist gar nicht mein Ding. Wenn ich damit anfangen würde, das alles zu lesen, könnte ich den Job wohl nur ein halbes Jahr machen. (lacht)

Haben Sie von Wolfsburg schon mehr gesehen?
Am Sonntag sind wir ein bisschen durch Wolfsburg gelaufen, waren in der Autostadt. Mein positiver Eindruck hat sich bestätigt. Und ich werde die Länderspielpause jetzt nutzen, um eine Wohnung zu finden.

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