09. Mai 2021 / 17:45 Uhr

Wolfsburg-Trainer Lerch über den Titelkampf: "Eine Rest-Hoffnung bleibt"

Wolfsburg-Trainer Lerch über den Titelkampf: "Eine Rest-Hoffnung bleibt"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Remis im Spitzenspiel: Aber für Stephan Lerch, den Trainer des VfL Wolfsburg, ist der Titelkampf noch nicht entschieden.
Remis im Spitzenspiel: Aber für Stephan Lerch, den Trainer des VfL Wolfsburg, ist der Titelkampf noch nicht entschieden. © Boris Baschin
Anzeige

Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München trennten sich im Top-Spiel der Frauen-Bundesliga 1:1 - zu wenig für den VfL, der trotzdem noch den Titel holen kann.

Es könnte die Vorentscheidung im Meisterkampf gewesen sein: Im Top-Spiel der Frauenfußball-Bundesliga trennten sich Verfolger VfL Wolfsburg und Spitzenreiter Bayern München 1:1. Der FCB bleibt Erster - und kann den Titel in den letzten beiden Saisonspielen den Titel aus eigener Kraft perfekt machen. Kommt es so? Wahrscheinlich ja. Aber der späte VfL-Ausgleich durch Ewa Pajor lässt ein bisschen Hoffnung für den VfL übrig.

Anzeige

"Das Ergebnis enttäuscht, aber wir sind trotzdem glücklich über den Ausgleich. Eine Rest-Hoffnung bleibt - und an der darf sich auch festgehalten werden", meinte Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch, der sein Team lobte: "Die Leistung muss man absolut positiv sehen und ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen. Wir hatten viele gute Möglichkeiten, haben es in den entscheidenden Momenten aber leider nicht geschafft, uns zu belohnen." Es seien nicht viele, "aber gute Chancen" gewesen.

Der Trainer weiter: "Ich hatte auch das Gefühl, dass wir des Öfteren bessere Phasen hatten als die Bayern." Grundsätzlich, so Lerch, "war das ein packendes, tolles Fußballspiel und hatte alles, was ein Top-Spiel ausmacht! Es waren heiße Duelle." Zur Einordnung: In den letzten zwei Saisonspielen (in Leverkusen, gegen Frankfurt) genügen den Münchenerinnen vier Punkte. Denn: Neben zwei Zählern Vorsprung ist auch das Torverhältnis der FCB-Frauen deutlich besser (20 Treffer) als das der Wolfsburgerinnen.

VfL-Frauen gegen Bayern: Die Bilder

Simone Boye Sørensen gegen Ewa Pajor. Zur Galerie
Simone Boye Sørensen gegen Ewa Pajor. ©

Für VfL-Torfrau Almuth Schult war es nach Schulter-OP und Schwangerschaft das erste Spitzenspiel nach ihrer Rückkehr. "Irgendwie war es blöd für mich, weil wir nicht gewonnen haben", sagte die Torhüterin nach dem Remis gegen den FCB. Es sei zwar schön wieder auf dem Platz stehen zu dürfen, "aber der Erfolg der Mannschaft steht über allem und wir hatten uns vorgenommen, uns auf den ersten Tabellenplatz zu setzen. Das haben wir nicht geschafft." Dementsprechend sei die Mannschaft jetzt "frustriert." Dass die Wolfsburgerinnen mehr am Drücker waren, habe man laut Schult gesehen. "Wir haben aus einer Standard-Situation das Gegentor bekommen und hätten meiner Meinung nach bereits im ersten Durchgang den Ausgleich erzielen müssen. Dann wäre es noch mal enger geworden."

Doch jetzt bleibt es zwei Spieltage vor Saisonende beim Zwei-Punkte-Vorsprung der Münchnerinnen. Nach der Partie versammelten sich die Spielerinnen zu einem Kreis und Kapitänin Schult richtete noch ein paar Worte an ihr Team. Was gesagt wurde? "Dass wir unsere restlichen Spiele noch gewinnen wollen und einfach fokussiert und konzentriert bleiben. Im Gegensatz zu den Bayern haben wir noch einen zweiten Titel, den wir gewinnen können." Am 30. Mai spielt der VfL im DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt, in der Liga muss der Titelverteidiger noch gegen Frankfurt und Werder Bremen ran.

Auch Offensivspielerin Svenja Huth sprach von gemischten Gefühlen. "Ich finde, wir haben trotzdem eine gute Moral gezeigt. Wir haben so gesehen nichts verloren und es sind weiterhin nur zwei Punkte. Leverkusen und Frankfurt sind keine einfachen Gegner", so die deutsche Nationalspielerin über das Rest-Programm der Münchnerinnen. In Wolfsburg "hoffen wir bis zum letzten Spieltag und geben weiterhin Vollgas!"


Popp fehlt überraschend

Bei den Wolfsburgerinnen fehlte überraschend Alexandra Popp, die ihre Kniereizung aus dem Duisburg-Spiel nicht rechtzeitig auskurieren konnte. "Ich möchte das nicht als den entscheidenden Knackpunkt der Partie bezeichnen", so Lerch über den Ausfall, denn: "Wir haben viele Spielerinnen, die zuletzt in der zweiten Reihe standen und sich angeboten haben und dafür brennen, reinzukommen, sollte mal jemand kurzfristig ausfallen." Andererseits schmerzte der Popp-Ausfall schon. "Wenn wir auf ihre Leistungen in letzter Zeit schauen - sie war immer sehr präsent, hat viel abgeräumt vor der Kette und war vorn drin gefährlich. Zudem darf man nicht vergessen, dass sie Kapitänin ist." Der Trainer fügte hinzu: "Dann ist das nicht so, dass man sagen kann, dass man das einfach von der Schulter schüttelt. In solchen Spielen fehlt sie."

Voss-Tecklenburg vor Ort

Auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg war vor Ort und schaute sich das Top-Spiel der beiden besten deutschen Mannschaften an. Das 1:1, so die 53-Jährige, bedeute, "dass Bayern es weiter in den eigenen Füßen hat. Ich finde das Remis gerecht, denn beide Mannschaften hatten ihre Chancen. Es war kein fußballerischer Leckerbissen, aber es war emotional und intensiv." Das Rest-Programm beider Mannschaften habe es zwar in sich und man bekomme in der Liga nichts geschenkt, aber "die Münchnerinnen haben nach den letzten Rückschlägen eine gute Ausgangslage und das gibt ihnen auch noch mal die nötige Kraft. Es ist immer eine komfortable Situation, wenn du nur auf dich schauen musst." Die Bayern könnten sich mit der Meisterschale für eine tolle Saison krönen, der VfL hat parallel am 30. Mai im DFB-Pokal-Finale gegen Eintracht Frankfurt noch die Chance auf einen Titel. Voss-Tecklenburg weiter: "Das wird spannend. Für Eintracht ist es das Spiel des Jahres, aber für mich gilt der VfL nichtsdestotrotz als leichter Favorit."