05. Januar 2020 / 19:37 Uhr

Wolfsburg überrumpelt Spitzenreiter München! Pfohl lässt Grizzlys jubeln

Wolfsburg überrumpelt Spitzenreiter München! Pfohl lässt Grizzlys jubeln

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sieg im Penalty-Krimi! Die Grizzlys Wolfsburg entführen zwei Punkte aus München.
Sieg im Penalty-Krimi! Die Grizzlys Wolfsburg entführen zwei Punkte aus München. © Eibner-Pressefoto / Heike Feiner
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Das war eine Ansage! Ziemlich dezimiert gewann Eishockey-Erstligist Grizzlys Wolfsburg am Sonntag sensationell bei Spitzenreiter München mit 5:4 (0:0, 2:3, 2:1) nach Penaltys. Ein ziemlich wildes Spiel hätte Marius Möchel Alpträume bescheren können, doch das verhinderten zwei andere...

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Vor ausverkaufter Halle (6150 Fans) lag München dreimal vorn, schoss drei Tore, als Möchel jeweils Strafen absaß. Doch die Grizzlys bogen ein 0:2 durch Toto Rech und Wade Bergman um, Garrett Festerling schoss das 3:3, Gerrit Fauser erzwang das 4:4 kurz vor Schluss und Fabio Pfohl verwandelte den entscheidenden Penalty.

Ohne Olimb, aber mächtig verbessert

Was sollte das bloß werden? Die Grizzlys mussten auch noch ohne Mathis Olimb auskommen. Der Mittelstürmer hatte sich am Freitag eine Oberkörperverletzung zugezogen. Außerdem fehlten Lucas Lessio, Alexander Johansson (beide vielleicht am Freitag wieder dabei) sowie Sebastian Furchner , Armin Wurm und Jan Nijenhuis. Coach Pat Cortina baute alle Reihen um, Maxi Adam, zuletzt mit ganz wenig Eiszeit, bekam diesmal mehr.

Was sollte das bloß werden? Wolfsburg war am Freitag schwach gewesen, extrem glücklich zu einem Overtime-1:0 gegen Augsburg gekommen. Doch am Sonntag sah das ganz anders aus. Der Spitzenreiter wirkte müde wie die Grizzlys am Freitag, die Niedersachsen wiederum spielten clever, überbrückten schnell die neutrale Zone, hatten gleich in der ersten Minute schon Chancen durch Festerling und Nick Jones. Später hätte Pfohl treffen können, er scheiterte auch an Münchens Keeper Kevin Reich. Wolfsburg hatte mehr Schüsse, mehr Zeit mit der Scheibe, war besser.

Rech und Bergman bringen Wolfsburg zurück ins Spiel

Möchel brachte die Gastgeber unfreiwillig ins Spiel. Er kassierte in kurzer Folge zwei Strafzeiten, die Gastgeber trafen jeweils, vorbereitet durch Ex-Grizzlys-Zauberer Mark Voakes. Beim zweiten Tor dauerte es nur 14 Sekunden, da durfte Möchel die Strafbank bereits wieder verlassen.

Die Grizzlys angeschlagen? Keineswegs. Sie schüttelten sich kurz, fanden wieder zu ihrem Spiel. Rech verkürzte im Nachschuss, Bergman glich mit einem strammen Schuss von der blauen Linie aus. Danach entfachten die Münchener erstmals Feuer, gingen wieder in Führung, Brückmann war zwar noch dran, konnte aber nichts machen, hatte den Schuss viel zu spät gesehen. Chris Casto, der allein vor Reich auftauchte, hatte noch Sekunden vor der zweiten Sirene den erneuten Ausgleich auf dem Schläger, bekam Münchens Torwart aber nicht mehr ausgespielt.

Möchel im Pech, Fauser gleicht aus, Pfohl macht das Glück komplett

Im Schlussabschnitt wirkte München erstmals richtig wach. Doch die Niedersachsen kamen noch einmal zurück. Festerling spitzelte den Puck nach Doppelpass mit Spencer Machacek zum 3:3 ins Netz. Das Anspiel danach könnte Marius Möchel schlechten Schlaf bescheren. Dem Center unterlief beim Bully ein hoher Stock, München bekam wieder ein Powerplay. Und traf wieder - zum 4:3. Doch seine Grizzlys bauten den Unglücksraben sportlich gleich ein wenig auf: indem sie nicht aufgaben. Auch sie bekamen noch ein Powerplay, brachten einen sechsten Feldspieler für Felix Brückmann, Gerrit Fauser bekam den Puck an den Fuß, der Treffer zählte. 4:4. Und dann schleppten die Wolfsburger gleich noch mehr ab. Im Penaltyschießen traf Pfohl im vierten Versuch als einziger Spieler.

"Jedes Spiel hat seine eigene Geschichte, jedes Spiel ist neu", hatte Grizzlys-Coach Pat Cortina vor dem Spiel orakelt. Und es zeigte sich: Ein dezimierter Kader zauberte nach einem sehr schwachen Auftritt zwei Tage später eine ganz andere Vorstellung aufs Eis. Und machte aus einem "Was sollte das bloß werden?" zwei Punkte beim Spitzenreiter - obendrein die ersten Zähler der Saison gegen ein Top-Drei-Team.

Grizzlys gegen Augsburg - Die Bilder

Chet Pickard von den Grizzlys Wolfsburg und Christoph Ullmann von den Augsburger Panther vor dem Spiel zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Augsburger Panther am 03.01.2020 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Florian Pohl/City-Press GmbH) Zur Galerie
Chet Pickard von den Grizzlys Wolfsburg und Christoph Ullmann von den Augsburger Panther vor dem Spiel zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den Augsburger Panther am 03.01.2020 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Florian Pohl/City-Press GmbH) ©

Grizzly Nijenhuis schafft mit dem DEB-Team den WM-Klassenerhalt

Es musste gezittert werden, doch dann wurde es ein ganz wichtiger Erfolg für das deutsche Eishockey: Die U20-Nationalmannschaft packte den Klassenerhalt bei der A-WM. Nach einem 4:0 zum Relegationsauftakt gegen Kasachstan hatte es am Samstag ein 1:4 in der Best-of-Three-Serie gegeben. Am Sonntag Mittag dann stand für Jan Nijenhuis und Co. mit einem 6:0 das angepeilte Ziel Klassenerhalt. Damit ist Deutschland auch in der kommenden Saison in der Elite-Division dabei. Genau wie viele Leistungsträger dieser WM, die teilweise erst 17 Jahre alt waren. Auch der Wolfsburger (18), der im entscheidenden Spiel fast neun Minuten Eiszeit hatte, darf sich Hoffnungen machen, wenn er in Wolfsburgs DEL-Team weiterhin überzeugt.

Raschke siegt mit DEB bei U18-WM erneut

Fine Raschke aus der U17 der Grizzlys Wolfsburg ist am Freitag ins Frauen-B-WM-Turnier in Füssen gestartet. Gegen Italien gab es ein 5:0, am Samstag folgte ein 3:0 gegen Dänemark, bei dem Kapitänin Raschke als beste Spielerin ihres Teams ausgezeichnet wurde. Ungarn (Montag, 20 Uhr), Frankreich (Dienstag, 20 Uhr) und Japan (Donnerstag, 18 Uhr) sind die weiteren Gegner. Alle Spiele des deutschen Teams gibt es im Livestream im Internet bei www.sportdeutschland.tv zu sehen.

Mehr zu den Grizzlys Wolfsburg

München: Reich - Sanguinetti, Seidenberg; Parlett, Abeltshauser; Boyle, Aulie; Bodnarchuk - Mauer, Voakes, Kastner; Ehliz, Hager, Gogulla; Parkes, Jaffray, Bourque; Shugg, Daubner, Eckl.

Grizzlys: Brückmann - Jones, Button, Likens, Bergman; Casto, Bittner - Aubin, Festerling, Machacek; Rech, Pfohl, Fauser; Latta, Möchel, Höhenleitner; Busch, Valentin, Adam.

Schiedsrichter: Marc Iwert / Marian Rohatsch.

Zuschauer: 6150 (ausverkauft).

Strafminuten: München 4 / Grizzlys 8.

Tore: 1:0 (23:41) Parkes (Jaffray/Voakes - 5:4), 2:0 (26:59) Bourque (Voakes/Parkes - 5:4), 2:1 (27:35) Rech (Pfohl/Bergman), 2:2 (31:49) Bergman, 3:2 (36:13) Parkes (Bourque), 3:3 (54:57) Festerling (Machacek), 4:3 (55:39) Jaffray (Voakes - 5:4), 4:4 (59:02) Fauser (Festerling/Casto - 5:4), 4:5 (65:00) Pfohl (im Penaltyschießen).