14. Januar 2022 / 21:08 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (19): Erst Maucksch-Schock, dann Pleite in Berlin

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (19): Erst Maucksch-Schock, dann Pleite in Berlin

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bildnummer: 00000635  Datum: 09.03.1997  Copyright: imago/Oliver Behrendt
Trainer Jürgen Röber (Hertha BSC Berlin) gibt die Richtung vor; Aufnahmedatum geschätzt, Vneg, hoch, Freisteller, Anweisungen, Anweisung, Fingerzeig Saison 1996/1997 Fußball 2. BL Herren Mannschaft Deutschland Einzelbild Randmotiv Personen
Wichtiger Sieg gegen Wolfsburg: Hertha-Trainer Jürgen Röber, später dann selbst mal VfL-Coach. © Imago/Oliver Behrendt
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.


Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

Der 19. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Beim Training am Freitag vor der Montag-Partie in Berlin verletzte sich Abwehrchef und Kapitän Matthias Maucksch schwer, der befürchtete Kreuzbandriss sollte sich bestätigen. Maucksch bestritt für die Mannschaft mit der bis dahin zweitbesten Abwehr keine Partie mehr, wechselte im Sommer zum VfB Leipzig nach wettbewerbsübergreifend 41 Partien (40 Startelfeinsätze) und sechs Toren für den VfL. Bis zu seiner Verletzung hatte er in der Spielzeit 96/97 keine Minute verpasst.

Das Spiel: Ohne Maucksch und ohne die Gelb-gesperrten Detlev Dammeier und Holger Ballwanz musste Trainer Willi Reimann beim VfL fürs Spitzenspiel in der Hauptstadt einiges umbauen. Der Endstand nach dem Spiel beim Tabellenzweiten schien so gesehen keine Überraschung gewesen zu sein, aber er war gar nicht verdient. Der VfL war 45 Minuten lang mit starker Offensivleistung das bessere Team gewesen, traf nur das Tor nicht. Nach der Pause war die Partie ausgeglichen, für den VfL aber kam es knüppeldick. Axel Kruse hatte Pal Dardai per Lupfer bedient, Uwe Zimmermann konnte noch abwehren, den Nachschuss von Sixten Veit aus sieben Metern fälschte Jens Keller unhaltbar über Zimmermann hinweg zum Endstand ab. Die Berliner hatten damit zwischen sich und den VfL, der aber auf Platz drei blieb, vier Punkte Abstand gelegt.

Hertha-Trainer Jürgen Röber, später mal Bundesliga-Trainer der Wolfsburger, gab zu: "Vor allem in der ersten Halbzeit war Wolfsburg besser." Reimann sagte: "Vorm Tor fehlte die Cleverness, das wurde bestraft." Auch schlimm: Nachdem Ersatz-Libero Zoran Tomcic überzeugt hatte, musste die nächste Umstellung folgen - denn der Kroate handelte sich eine Gelb-Rot-Sperre ein.

Die Statistik

Hertha BSC - VfL Wolfsburg 1:0
(3. März 1997)

  • Hertha: Fiedler - Karl, Sverrisson, Vural - Covic, Veit, Arnold (46. Dardai), Dinzey, Hartmann - Preetz, Kruse (82. Rath).
  • VfL: Zimmermann - Tomcic, Jensen, Keller - Kapetanovic, Präger, Spies (72. Mihtarski), Deering, Stammann (83. Butrej) - Tyszkiewicz, Meißner.
  • Tor: 1:0 (61.) Veit.
  • Schiedsrichter: Werthmann (Iserlohn). Zuschauende: 14.900.
  • Gelbe Karte: - / Tomcic. Gelb-Rot: Tomic (85.).
  • WAZ-Spieler des Spiels: Keller.

Tabelle nach dem 19. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern......34:11..37
2. Hertha BSC.......29:18..34
3. VfL Wolfsburg..22:13..30
4. SV Meppen.......25:24..29
5. Mainz 05...........29:24..28
6. Unterhaching....17:13..28
7. Fortuna Köln.....35:24..27
8. VfB Leipzig.......31:32..27
9. Carl Z. Jena......26:26..26
10. Gütersloh.........24:26..26
12. St. Kickers....... 22:21..25
11. Uerdingen........31:24..25
13. Mannheim........29:33..23
14. E. Frankfurt......26:29..22
15. FSV Zwickau...19:26..22
16. RW Essen........23:42..17
17. VfB Lübeck......16:33..16
18. Oldenburg........22:41..16

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.