19. November 2021 / 21:59 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (12): Ein Texaner trifft, der VfL jubelt

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (12): Ein Texaner trifft, der VfL jubelt

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Tor-Premiere: Chad Deering.
Tor-Premiere: Chad Deering. © imago sportfotodienst
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Das Spiel: Endlich, endlich! Im Nordduell landete der VfL nach vier Remis in Serie endlich wieder einen Sieg. Drei Tage nach einer internen Aussprache, bei der die Profis eine offensivere Grundhaltung (und Aufstellung) eingefordert hatten, legte das Team los. Gegen den SV Meppen wurde es ein Festival der Torpremieren, bei dem Matthias Maucksch mit einem wunderschönen Kopfball-Eigentor nach Eckball des früheren VfLers Bernd Winter erst einmal für den Rückstand gesorgt hatte. Willi Reimann, unter der Woche seit genau einem Jahr im Amt, hatte die Bitten um mehr Offensive aus dem eigenen Team erhört und ein "magisches Dreieck", wie er es später nannte, aufgestellt: Michael Spies, Chad Deering und Detlev Dammeier - erstmals gemeinsam auf dem Platz. Deering war eher überraschend in die Startelf gerutscht., übernahm den Platz von Ulf-Volker Probst, der wiederum in der Abwehr den gesperrten Jann Jensen ersetzte. War Wolfsburg vor der Pause überlegen, aber harmlos gewesen, so lief es nach der Pause als heftiger Regen einsetzte auch dem Platz flüssig. Nur 91 Sekunden nach Wiederbeginn glich Deering aus. Erstes Saisontor des Texaners, dessen Eltern und Töchterchen Britney (ein Monat alt) erstmals im Wolfsburger Stadion weilten. Gemeinsam mit Spies spielte er Meppen immer wieder auseinander, Zoran Tomcic, ein schneller Manndecker, der sich offensiv einschaltete wie noch nie zuvor und Spies erhöhten mit ihren ebenfalls ersten Saisontoren. Wolfsburg behauptete Platz zwei, Coach Reimann mied das Wörtchen 'Aufstieg' weiter und meinte: "Wir wollen eine gute Saison spielen. Natürlich fühlen wir uns auf dem derzeitigen Tabellenplatz wohl." Unter der Woche hatte Hertha BSC gegen Oldenburg gewonnen, erstmals in jener Spielzeit hatten alle Teams die gleiche Zahl Spiele nach einem Spieltag auf dem Konto.

Die Statistik

VfL Wolfsburg - SV Meppen 3:1 (0:1)
(27. Okt. 1996)

  • VfL: Zimmermann - Maucksch, Probst, Tomcic - Präger, Spies, Deering (83. Kleeschätzky), Dammeier, Keller - Tyszkiewicz (66. Mihtarski), Meißner (66. Ratke).
  • SV Meppen: Brasas - Böttche, Deters, Vorholt - Bujan (29. von Ahlen), Schulte, Myyry, Helmer (77. Szewczyk), Winter - Lau (77. Wehlage), Claaßen.
  • Schiedsrichter: Blumenstein (Berlin). Zuschauende: 5300.
  • Tore: 0:1 (34.) Maucksch (Eigentor, 1:1 (47.) Deering, 2:1 (53.) Tomcic, 3:1 (89.) Spies.
  • Gelbe Karten: Tyszkiewicz, Präger, Dammeier - Vorholt, Helmer, Schulte.
  • WAZ-Spieler des Spiels: Spies.

Tabelle nach dem 12. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern.....20:6 24
2. Wolfsburg.......16:7 21
3. Uerdingen........19:12 20
4. Mainz 05..........19:14 18
5. Hertha BSC..... 18:13 18
6. St. Kickers....... 17:14 18
7. VfB Leipzig.......23:21 18
8. Fortuna Köln.....19:14 17
9. Carl Z. Jena......14:13 17
10. Gütersloh.........13:17 17
11. Unterhaching......9:7 16
12. E. Frankfurt......15:14 16
13. SV Meppen......13:14 16
14. Mannheim........18:25 11
15. RW Essen........17:30 10
16. Lübeck..............8:21 10
17. Zwickau...........11:16 9
18. Oldenburg........14:25 9

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.