10. Dezember 2021 / 22:01 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (15): Spät verschenkte Punkte in Thüringen

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (15): Spät verschenkte Punkte in Thüringen

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Startelf-Debüt gegen Jena:  Sead Kapetanovic.
Startelf-Debüt gegen Jena:  Sead Kapetanovic. © imago/Rust
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Der 15. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Zwei Tote, hunderte von Unfällen - am Dienstag, 19. November 1996 führt Tief "Sandra" zu einem Wintereinbruch in Deutschland, auch in Wolfsburg liegt Schnee, viele wurden völlig überrascht von der weißen Pracht. In der Kleiststraße wird das Global Inn eingeweiht. Und im Eishockey fegt Regionalligist EC Wolfsburg um Olaf Kölle, Torsten Räke, Viktor Rausch, Jamie Golden und Michael Kietzmann den REV Wilhelmshaven mit 7:3 weg. Für Wilhelmshaven spielt ein 16-jähriger Deutsch-Russe namens Eduard Lewandowski. Der wurde später Nationalspieler, war lange noch in der russischen KHL aktiv und schoss jüngst für Wolfsburgs DEL-Konkurrent Krefeld Pinguine zwei Tore beim 6:3 gegen die Düsseldorfer EG - mit inzwischen 41 Jahren.


Das Spiel: Nach der Nullnummer gegen die Stuttgarter Kickers, die den Sturz aus den Aufstiegsrängen nach sich gezogen hatte, spielte Wolfsburg im zweiten Flutlichtspiel binnen einer Woche bei Carl Zeiss Jena (um den späteren National- und knapp 300-fachen Bundesligaspieler Bernd Schneider) in stark veränderter Aufstellung - ohne den Gelb-gesperrten Roy Präger, für den Sead Kapetanovic erstmals in der Startelf auftauchte, mit Sven Ratke für Stefan Meißner und Detlev Dammeier für Chad Deering. Prompt gab es Tore satt. Nur leider auf beiden Seiten. Und weil die Gäste ihre Gegentreffer nach 3:1-Führung spät kassierten, haderte Vizepräsident Wolfgang Heitmann. "Wenn ich allein zu entscheiden hätte, würde es für diesen Punkt keine Prämie geben." Es war ein bitterer Abend, denn Wolfsburg hatte gegen drängende Thüringer eiskalt gespielt, nach 82 Minuten schien alles gelaufen, dann fiel das 2:3 und ließ Michael Spies die Riesenchance zum 4:2 aus. Der Elfmeter (Foul an Heiko Weber) der zum Ausgleich führte erwies sich bei Studium der TV-Bilder noch als schlechter Witz und belegte die Aussage von VfL-Verteidiger Zoran Tomcic: "Ich habe ihn nicht berührt." Es nützte nichts. Nach dem Spieltag war Wolfsburg nur noch Fünfter. Wer anhand dieser Tabelle wohl erraten konnte, wer am Saisonende wohl auf Platz zwei und drei liegen würde?

Die Statistik

FC Carl Zeiss Jena - VfL Wolfsburg 3:3 (1:2)
(22. Nov. 1996)

  • FC Carl Zeiss Jena: Neumann - Raickovic, Wentzel, Sänger - Nierlich (82. Penzel), Schneider, Holetschek, Cramer, Bennert (71. Gerstner) - Weber, M. Zimmermann (63. Rousiaev).
  • VfL: U. Zimmermann - Maucksch, Jensen, Tomcic - Kapetanovic, Spies (88. Meißner), Ballwanz, Dammeier, Keller - Ratke (82. Kleeschätzky), Tyszkiewicz (63. Probst).
  • Schiedsrichter: Friedrichs (Lennestadt). Zuschauende: 4300.
  • Tore: 0:1 (14.) Tyszkiewicz, 1:1 (26.) Schneider, 1:2 (37.) Spies, 1:3 (63.) Maucksch (Foulelfmeter), 2:3 (83.) Weber, 3:3 (90.) Holetschek (Foulelfmeter).
  • Gelbe Karten: Raickovic - Ratke, Keller (5), Probst, Zimmermann.
  • WAZ-Spieler des Spiels: Tyszkiewicz.

Tabelle nach dem 15. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern.....26:9..30
2. Hertha BSC.......24:15..25
3. Fortuna Köln.....29:17..24
4. Mainz 05...........26:19..24
5. VfL Wolfsburg..19:11..23
6. SV Meppen......19:16..23
7. St. Kickers....... 20:17..22
8. VfB Leipzig.......28:27..22
9. Uerdingen........23:19..21
10. Unterhaching....11:11..20
11. Gütersloh.........16:21..20
12. E. Frankfurt......21:20..19
13. Carl Z. Jena......21:21..19
14. Mannheim........22:27..17
15. Zwickau............15:21..15
15. RW Essen........20:36..13
17. Lübeck...............10:24..12
18. Oldenburg........16:34..10

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.