16. Dezember 2021 / 21:52 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (17): Remis bei Klopp und Co. macht Wolfsburg froh

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (17): Remis bei Klopp und Co. macht Wolfsburg froh

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bildnummer: 06548459  Datum: 11.06.1997  Copyright: imago/Rust
VfL Wolfsburg - Aufstieg in die 1. BL am 11.06.97, Roy Präger wird umjubelt.; Herren Fussball GER Aufstieg Feier Aufstiegsfeier vdia xmk hoch o0 Saison 1996/1997, Jubel, Freude, Fan, Zuschauer, 2. BL

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Das waren Zeiten: Wolfsburgs Hinrunden-Top-Torjäger Piotr Tyszkiewicz vor 25 Jahren im Zweikampf mit Mainz' Jürgen Klopp. © Imago/Harder
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Der 17. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: VW-Einkaufschef José Ignacio Lopéz tritt zurück. Vorausgegangen war ein jahrelanger Streit und Rechtsstreit zwischen GM (Opel), woher Kostenoptimierer Lopéz 1993 gekommen war und VW. Keine zwei Monate nach dem Rücktritt schließen VW und Opel Frieden. VW zahlt 100 Millionen Dollar an General Motors. Die von der Staatsanwaltschaft erhobene Anklage (Verrat von Geschäftsgeheimnissen) wird später eingestellt. 1993 hatte VW rund eine Milliarde Euro Minus eingefahren, 1996 wurden rund 75 Millionen Euro Plus erwirtschaftet. Auch bei den VfL-Fußballern wird vermehrt über Geld geredet. Verteidiger Jann Jensen denkt laut über die mögliche Verhandlung von Aufstiegsprämien in der Winterpause nach. Und der Vorstand beschäftigt sich mit der Vertragsverlängerung, von "sieben Spielern, die wir unbedingt halten wollen", so Manager Peter Pander.


Das Spiel: Es war zum Hinrundenfinale das Topspiel des Spieltages und zufriedener mit einem Remis als mit diesem waren die Wolfsburger in der Hinrunde wohl nie. Immerhin war nur Unterhaching in Mainz ohne Gegentor davongekommen. Die Gastgeber um Jürgen Klopp, die Ex-VfLer Bruno Akrapovic, Guido Erhard und den späteren Braunschweiger Coach Torsten Lieberknecht waren überlegen, der umsichtige Abwehrchef Matthias Maucksch und Keeper Uwe Zimmermann hatten viel Arbeit, doch die zweitbeste Abwehr der 2. Liga hielt im Flutlichtspiel an einem Freitag stand. Coach Willi Reimann meinte: "Dieses Unentschieden haben wir uns erkämpft, aber ein wenig mehr Schwung in den Kontern hätte ich mir schon gewünscht." Wolfsburg überwinterte auf Platz vier, im Montagspiel hatte Berlin in Uerdingen gewonnen und den VfL überflügelt. WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann kommentierte: "Gelingt es endlich, zwei gleich gute Halbserien zu absolvieren, sind's am Ende 54 Punkte und die können reichen." Er behielt Recht. Zwar holte Wolfsburg am Ende vier Punkte mehr, doch hätten dem VfL auch 54 Punkte gereicht, sofern auch dabei das letzte Spiel gegen Mainz gewonnen worden wäre. Auffällig: In der Hinrunde hatte der VfL nur einen Knipser. Kein Akteur kam neben Piotr Tyszkiewicz (sechs Treffer) auf mehr als zwei Tore, andererseits gab es neun verschiedene Torschützen.

Die Statistik

FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 0:0
(6. Dez. 1996)

  • Mainz: Wache - Klopp, Tanjga (86. Gabriel), Neustädter, Stöver - Lieberknecht, Akrapovic, Schmidt, Hock - Ouakili (63. Demandt), Grevelhörster (63. Erhard).
  • VfL: Zimmermann - Maucksch, Jensen, Tomcic - Kapetanovic, Ballwanz, Spies, Dammeier, Keller - Ratke (80 Mihtarski), Tyszkiewicz (80. Meißner).
  • Schiedsrichter: Wezel (Dußligen). Zuschauende: 6400.
  • Gelbe Karten: - / Ratke, Dammeier.
  • WAZ-Spieler des Spiels: Maucksch.

Tabelle nach dem 17. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern.....32:11..33
2. Mainz 05...........29:20..28
3. Hertha BSC.......27:18..28
4. VfL Wolfsburg..20:11..27
5. SV Meppen......22:19..26
6. Fortuna Köln.....30:22..24
7. St. Kickers....... 21:18..24
8. Unterhaching....14:12..24
9. VfB Leipzig.......28:27..24
10. Carl Z. Jena......22:21..23
11. Gütersloh.........18:23..22
12. Uerdingen........25:23..21
13. Mannheim........25:28..20
14. Zwickau............18:22..19
15. E. Frankfurt......23:28..19
16. RW Essen........22:39..16
17. Oldenburg........20:36..13
18. Lübeck.............12:29..13

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.