09. Januar 2022 / 12:21 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (18): Zimmermann mit dem richtigen Riecher

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (18): Zimmermann mit dem richtigen Riecher

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Aus Freundschaftsspiel VfL Wolfsburg (Grün) gegen Hertha BSC Berlin (?) am 03.03.1996 im VfL WOB. Stadion. Im Foto: VfL WOB. TW Uwe Zimmermann. *** From friendly match VfL Wolfsburg Green vs. Hertha BSC Berlin on 03.03.1996 in the VfL WOB stadium In the photo VfL WOB TW Uwe Zimmermann
Hielt einen Elfmeter: VfL-Keeper Uwe Zimmermann hatte den richtigen Riecher und half maßgeblich mit, dass der VfL 1997 nach zwei Monaten Winterpause mit einem Sieg in die Rückrunde startete. © Imago/Rust
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

Der 18. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Im Januar hat eine Kältewelle Europa im Griff, auch in Deutschland häufen sich Kältetodesfälle. Der Dauerfrost sorgt aber auch für ein ganz seltenes Schauspiel in Wolfsburg: Auf dem dick zugefrorenen Schillerteich gibt es eine offizielle Eis-Party, rund 50.000 Besucher vergnügen sich dort. Die VfL-Vorbereitung läuft holprig, wegen des Wetters fallen von den ersten sechs geplanten Freiluft-Tests fünf aus, gegen Regionalliga-Top-Team Hannover 96, das schon kurz vor dem Start steht, gibt es ein 1:1. Nach der ersten Februar-Woche geht es ins Trainingslager in Vale do Lobo/Portugal. Der Vertrag mit Manager Peter Pander wird verlängert, das Team handelt eine Aufstiegsprämie aus.


Das Spiel: Nach über zwei Monaten Winterpause beginnt die Rückrunde. Wolfsburgs Gast Fortuna Köln hätte sich mit einem Erfolg wieder ganz dicht an die Aufstiegsplätze heranschieben können, doch VfL-Torwart Uwe Zimmermann, einst selbst Fortune, und gnadenlose Effizienz des Teams von Trainer Willi Reimann verhindern das. Köln hat mehr vom Spiel, war aber ziemlich harmlos. Insgesamt ein ruhiger Nachmittag für die Abwehr um Jann Jensen, der am Spieltag 28 Jahre alt wurde. Nach dem Seitenwechsel scheint dann für stärker werdende Gastgeber das 3:0 nur noch eine Frage der Zeit, da bekommt die Fortuna einen Elfmeter. "Vor zwei Jahren war es derselbe Schütze, dieselbe Ecke", sagt Zimmermann später. "Ich habe ihn reingekriegt, wir haben 1:3 verloren." Der VfL-Keeper ahnt, dass es Jörg Lipinski erneut in die rechte Torwartecke versuchen würde. So kommt es, doch diesmal ist Zimmermann dran. Für die Gäste kommt der Anschluss durch den späteren Wolfsburger Publikumsliebling Charles Akonnor zu spät. Mainz unterlag zur gleichen Zeit Hertha BSC und der VfL kletterte wieder auf einen Aufstiegsrang.

Die Statistik

VfL Wolfsburg - Fortuna Köln 2:1
(22. Febr. 1997)

  • VfL: Zimmermann - Maucksch, Jensen, Tomcic - Präger, Ballwanz, Spies (87. Stammann), Dammeier, Keller - Tyszkiewicz (74. Kapetanovic), Meißner.
  • Fort. Köln: Wessels - Lottner, Radschuweit, Schneider (74. Dengel) - Hahn, Lipinski, Niedziella, Pförtner (46. Akonnor), Kranz (65. Brdaric) - Hey, Krieg.
  • Tore: 1:0 (21.) Tyszkiewicz, 2:0 (45.) Meißner, 2:1 (90.) Akonnor.
  • Schiedsrichter: Fleischer (Hallstadt). Zuschauende: 5900.
  • Gelbe Karten: Ballwanz (5), Dammeier (5), Präger, Spies / Schneider, Kranz.
  • WAZ-Spieler des Spiels: Meißner.

Tabelle nach dem 18. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. FC K'lautern.....32:11..34
2. Hertha BSC.......28:18..31
3. VfL Wolfsburg..22:12..30
4. SV Meppen......24:20..29
5. Mainz 05...........29:21..28
6. St. Kickers....... 22:19..25
7. Unterhaching....14:12..25
8. Gütersloh.........23:25..25
9. Fortuna Köln.....31:24..24
10. Uerdingen........30:23..24
11. VfB Leipzig.......28:32..24
12. Mannheim........29:29..23
13. Carl Z. Jena......24:26..23
14. E. Frankfurt......26:28..22
15. FSV Zwickau...18:26..19
16. RW Essen........23:40..17
17. Oldenburg........21:38..16
18. VfB Lübeck......12:32..13

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.