04. März 2022 / 22:28 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (25): Nullnummer in Lübeck

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (25): Nullnummer in Lübeck

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Comeback in Lübeck: VfL-Verteidiger Peter Kleeschätzky.
Comeback in Lübeck: VfL-Verteidiger Peter Kleeschätzky. © imago/Rust
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

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Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, sodass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

Der 25. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: VW-Chef Ferdinand Piëch verkündet in Wolfsburg eine enorme Gewinnsteigerung des WV-Konzerns, der Aktienkurs steigt kurz danach auf eine Rekordhöhe von über 1000 Mark (umgerechnet circa 500 Euro). Ein Sturm fegt über Wolfsburg und reißt eine mehrere Meter lange, fünf Zentimeter dicke Stahlplatte vom Dach des Rathauses auf den Vorplatz. Der Knall ist hunderte Meter weit zu hören, zum Glück wird niemand verletzt.

Das Spiel: Einige Verletzungsausfälle spülen einen Gifhorner mal wieder in die Startelf. Peter Kleeschätzky, bis dahin erst einmal in jener Saison in der Startelf und seit November ohne Spiel, hat sich laut Coach Willi Reimann aufgedrängt und darf als Manndecker ran. Er erledigt seinen Job prima, genau wie die gesamte Defensive, die Reimann leicht umgebaut hat. So darf Zoran Tomcic mal wieder als Libero ran, Jann Jensen, der zuvor den weiter verletzten Jens Keller vertreten hatte, spielt wieder Manndecker. Hinten dicht - nur: im stark besuchten Nord-Klassiker geht nach vorn nicht viel. Die abstiegsbedrohten Lübecker kämpfen, machen wie von Reimann erwartet viel Druck, das rassigste Duell lieferten sich VfL-Hüne Holger Ballwanz (1,88 Meter) und VfB-Riese Jörn Schwinkendorf (1,97 Meter). Gute Torchancen waren Mangelware, Reimann war aufgrund der Disziplin seines Teams zufrieden, meinte: "Wenn wir das Heimspiel gegen Zwickau gewinnen, bleiben wir bis zum Schluss bei der Musik dabei."

Ein Grund für den Optimismus: Verfolger Mainz hatte nur remis gespielt, Unterhaching verloren. Zudem trennten sich Meppen und die Stuttgarter Kickers im Montag-Spiel ebenfalls remis.

Die Statistik

  • VfB Lübeck - VfL Wolfsburg 0:0
    (13. April 1997)
  • VfB: Wilde - Behnert, Müller, Hoffmann -Winkler, Golke, Schwinkendorf, Jurgeleit, Köpper - Iaschwili (79. Stisl), Löbe (79. Koch).
  • VfL: Zimmermann - Tomcic, Kleeschätzky, Jensen - Präger (79. Kullig), Probst, Ballwanz, Deering (79. Dammeier), Stammann - Spies, Meißner (73. Tyszkiewicz).
  • Tore: - .
  • Schiedsrichter: Dr. Dörr (Griesheim). Zuschauende: 11.500.
  • Gelbe Karte: Köpper / Meißner, Probst (5), Präger.
  • WAZ-Spieler des Spiels: Spies.

Tabelle nach dem 25. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. Kaiserslautern.....47:17..48
2. Hertha BSC......46:26..47
3. VfL Wolfsburg..32:21..39
4. Mainz 05...........36:26..38
5. SV Meppen.......32:28..38
6. St. Kickers....... 30:23..36
7. Unterhaching....23:20..35
8. KFC Uerdingen...37:30..34
9. VfB Leipzig........38:44..33
10. Fortuna Köln....41:34..32
11. Eintr. Frankfurt.....30:31..32
12. FC Gütersloh*.....32:37..31
13. Carl Z. Jena......31:33..30
14. Mannheim.......33:38..30
15. VfB Lübeck......21:35..26
16. FSV Zwickau...20:35..26
17. Oldenburg........28:52..22
18. RW Essen........28:55..21


*3-Punkte-Abzug berücksichtigt

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.