18. September 2021 / 20:03 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (5): Zwei Gegner in Essen, aber locker auf den Aufstiegsplatz 

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (5): Zwei Gegner in Essen, aber locker auf den Aufstiegsplatz 

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Bildnummer: 09680196  Datum: 11.10.1996  Copyright: imago/Rust
Aus 2. BL Saison 1996/1997 VfL Wolfsburg (Grünweiß) gegen SV Waldhof Mannheim 1:1 am 11.10.1996 - Petar Mihtarski (Wolfsburg, Mitte); Fussball GER xmk ysf 1996 quer

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Gab sein Wolfsburg-Debüt beim Sprung auf den Aufstiegsplatz in Essen: Der bulgarische Nationalstürmer Petar Mihtarski (grün-weißes Trikot). © Imago Images/Rust
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet. 

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Die vorhergehenden Teile der Zeitreise

Teil 1: Fortuna Köln - Alles wie immer
Teil 2: Hertha BSC - Rot für Meißner, immer noch kein Sieg

Teil 3: Spieltag 3 bricht den Bann
Teil 4: Traurige Kulisse, aber der nächste Sieg

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, so dass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.


Mehr zum VfL Wolfsburg

Der fünfte Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Nicht nur in Belgien bewegt der Kindermörder und Sexualstraftäter Marc Dutroux weiterhin die Menschen. Inzwischen gefasst hat der bis heute einsitzende Dutroux der Polizei erklärt, wo zwei weitere Mädchen-Leichen zu finden sind. Trauer um Reinhard "Stan" Libuda. Der zu seiner Zeit beste Rechtsaußen der Welt, der für Schalke 04 und Borussia Dortmund trickste und die Gegenspieler reihenweise schwindelig spielte, verstarb im Alter von nur 52 Jahren. Der VfL verpflichtete nach mehrwöchigen Verhandlungen den bulgarischen Nationalstürmer Petar Mihtarski, der im DFB Pokal auch zum Startelf-Einsatz kam. Doch bei Drittligist Energie Cottbus setzte es das Pokal-Aus mit 0:1. Zum kommenden Spiel in Essen war Außenstürmer Michael Butrej nicht im Kader. Er musste wie hunderte anderer Autobesitzer bei der der Polizei vorstellig werden. Im Zuge der Ermittlungen des bis heute ungeklärten Mordes am Wolfsburger Geschäftsmann Edgar Brock überprüften die Beamten Halter und Fahrer dunkler Kombis mit Helmstedter Kennzeichen.

Das Spiel: Wer gewinnen würde, das war eigentlich vorher klar - wenn der VfL das Pokal-Aus würde abschütteln können. Die Gastgeber hatten vier Spiele vom Start weg verloren, dabei nur zwei Tore geschossen, aber zwölf kassiert. Das knappe Endergebnis täuscht über den Spielverlauf hinweg. Denn der war eindeutig. "Der VfL hatte nur zwei Gegner", schrieb damals die WAZ. "Das Publikum vor der Pause, Torwart Marc Petrick in der zweiten Halbzeit." Über 7000 Fans peitschten den sich schon abzeichnenden Absteiger gnadenlos nach vorn, feierten Standardsituationen frenetisch, beinahe so euphorisch wie Tore. Wolfsburg aber hatte nie Probleme. Mihtarski harmonierte vorn gut mit Piotr Tyszkiewicz, der vor der Partie vom Vertragsamateur zum Profi befördert worden war. Zur Harmonie verhalf die gemeinsame sprachliche Basis. Der Pole Tyszkiewicz: "Wir sprechen ja beide auch etwas russisch." Der Bulgare Mihtarski machte sein vielleicht bestes Spiel von seinen insgesamt 18 (inklusive Pokal) für Wolfsburg. Ein Tor schoss er nie, hier aber bereitete er mit Detlev Dammeier mustergültig das 1:0 vor. Mihtarski, Dammeier, Jens Keller und Tyszkiewicz - unter anderem - kamen später bei Riesenchancen nicht an Petrick vorbei. Egal. Wolfsburg sprang erstmals in jener Saison auf einen Aufstiegsplatz - und hätte mit einem Törchen mehr in dieser Flutlicht-Partie am Freitag am Ende des Spieltags sogar Erster sein können.

Die Statistik

Rot-Weiss Essen - VfL Wolfsburg 0:1

(6. Sept. 1996)

Essen: Petrick - Schreier, Pickenäcker, Tomas (73. Grein) - Margref, Scharpenberg, Milanko, Zedi, Helmig (64. Holick) - Vier, Klein (56. Beyel).

VfL: Zimmermann – Maucksch, Tomcic, Jensen – Präger, Deering (77. Kapetanovic), Ballwanz, Dammeier, Keller – Tyszkiewicz (86. Meißner), Mihtarski.

Schiedsrichter: Hufgard (Mömbris). Zuschauende: 7400.

Tor: 0:1(32.) Tyszkiewicz.

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Gelbe Karten: Scharpenberg, Milanko, Vier / Keller, Tyszkiewicz, Präger, Maucksch, Balwanz.

WAZ-Spieler des Spiels: Mihtarski.

  1. Die Tabelle der 2. Liga 96/97 nach Spieltag 5
    1. Kaiserslautern 6:1 10
    2. VfL Wolfsburg 7:3 10
    3. Eintr. Frankfurt 8:5 10
    4. SV Meppen 6:3 9
    5. FSV Mainz 5:4 8
    6. VfB Lübeck 5:5 8
    7. FC Gütersloh 3:3 8
    8. Carl Zeiss Jena 7:4 7
    9. Stuttgarter Kick. 8:6 7
    10. Fortuna Köln 10:9 7
    10. VfB Leipzig 8:8 7
    11. Unterhaching 4:3 6
    12. KFC Uerdingen 5:8 6
    13. Hertha BSC 3:5 4
    15. FSV Zwickau 5:6 4
    16. Waldhof-Mannh. 6:9 3
    17. VfB Oldenburg 5:8 3
    18. RW Essen 2:13 0

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.