01. Oktober 2021 / 22:43 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (7): Keller schießt den VfL ins Dachgeschoss

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (7): Keller schießt den VfL ins Dachgeschoss

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zeitreise 7
Riesenspiel in Oldenburg: Wolfsburgs Jens Keller traf beim 4:1 obendrein doppelt. © Imago Images
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, so dass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Der siebte Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Das Schlagerspiel des vorhergehenden Montags (0:0 gegen Kaiserslautern) hallte beim VfL noch nach. Während Fußball-Chef Manfred Aschenbrenner mit der Kulisse von knapp 10.200 Besuchern herbe enttäuscht gewesen war, relativierte Manager Peter Pander: "Alles was über 10.000 ist empfinde ich als sehr positiv. Dass die Partie live übertragen wurde, viele Schichtarbeiter als Publikum ausfielen, dazu aus der Pfalz weniger Fans kamen, als an einem Samstag oder Sonntag gekommen wären, muss auch berücksichtigt werden. So waren es 9000 Anhänger aus der heimischen Region, und das ist für unsere Verhältnisse prima." Innenverteidiger Jann Jensen (gegen Lautern verletzt geschont) war wieder fit, einige andere angeschlagene Akteure auch, Coach Willi Reimann konnte Bestbesetzung im siebten Saisonspiel bringen.


Das Spiel: Die Partie beim Aufsteiger wurde nicht zum verflixten siebten Spiel. Sie wurde zur Gala, zu einer Supervorstellung des VfL und eines Spielers. "Kellers Tag beim Kellerkind: Der Lift ins Dachgeschoss" titelte die WAZ nach dem 4:1 (2:0) beim VfB Oldenburg. Anders als wenige Wochen zuvor beim damaligen Schlusslicht Rot-Weiss Essen (1:0) nutzte der VfL diesmal auch ein paar mehr der vielen Chancen. Defensivmann Jens Keller überragte, traf doppelt, legte mehrere Gelegenheiten auf, verursachte - angeschossen - allerdings auch den Handelfmeter, den der spätere HSV-, Leverkusen- und Bayer-Torwart Jörg Butt zu seinem einzigen Zweitliga-Treffer (es folgten noch 26 in der Bundesliga!) verwandelte. Doch das tat gar nicht weh. Keller zum Doppelpack: "Wenn mir das je zuvor gelungen ist, dann in der Jugend." Vielleich lag es auch an der Position. Als Innenverteidiger oder rechts hatte Keller für den VfL schon gute Spiele gemacht, "aber die linke Seite ist meine Lieblingsposition." Oldenburg stand am Ende des Spieltags auf dem letzten Platz, Wolfsburg wurde am Tag des 25. Geburtstages von Roy Präger Spitzenreiter. Geht das schöner am Geburtstag? Präger: "Ja, ein Tor, ein Tor, ein Tor hätte ich schon gerne geschossen. Und schießen müssen." Coach Reimann gab seiner Mannschaft "die Note sehr gut", stellte aber auch warnend fest: "Wenn Wolfsburg gejagt wird, stellt sich doch die Frage, was mit den anderen los ist." Es sollten magerere Wochen folgen.

Die Statistik

VfB Oldenburg - VfL Wolfsburg 1:4
(22.Sept. 1996)

VfB: Butt – Klütz, Bremer (54. Ehle, 65. Lang), Uwe - Tammen (46. Janiak), Goch, Woloschin, Zierott, Sall - Elberfeld, Szubert.

VfL: Zimmermann - Maucksch, Jensen (77. Kleeschätzky), Tomcic - Präger, Deering, Ballwanz, Dammeier, Keller - Tyszkiewicz, Mihtarski.

Schiedsrichter: Gettke (Haltern). Zuschauende: 3600.

Tore: 0:1 (20.) Keller, 0:2 (27.) Ballwanz), 0:3 (49.) Keller, 1:3 (70.) Butt (Handelfmeter), 1:4 (74.) Tyszkiewicz.

Gelbe Karten: Szubert, Goch, Tammen, Uwe, Janiak, Elberfeld / Tomcic, Präger, Keller.

WAZ-Spieler des Spiels: Keller.

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Die Tabellen nach dem 7. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

1. Wolfsburg........11:4 14
2. Mainz 05...........10:4 14
3. Fortuna Köln.....16:9 13
4. St. Kickers........11:7 13
5. 1. FC K'lautern...6:1 12
6. Unterhaching......7:5 10
7. Eint. Frankfurt.....9:8 10
8. Carl Zeiss Jena....9:9 10
9. SV Meppen........7:7 10
10. VfB Leipzig.....12:13 10
11. Hertha BSC.....10:8 9
12. Uerdingen.......11:10 9
13. Gütersloh.........4:9 8
14. Lübeck.............5:12 8
15. Zwickau...........8:9 7
16. Mannheim.......11:11 6
18. Oldenburg........6:15 3
17. Essen...............9:21 3

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.