15. Oktober 2021 / 23:03 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (8): Reimann hadert mit den Fans

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga (8): Reimann hadert mit den Fans

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Uwe Zimmermann im VfL-Tor.
Nur 0:0: Torwart Zimmermann erlebte eine Schrecksekunde, Führungsspieler Jens Keller (r.) tadelte, am achten Spieltag hatte der VfL enttäuscht. © Imago Images
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet.

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Alle bisherigen Teile der Zeitreise

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 erneut der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine vorsichtige und realistische Herangehensweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack. Zum Aufstieg führte er das Team, das lange einen Aufstiegsplatz bekleidet hatte, nicht mehr.

Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voranbringen, so dass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

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Der achte Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Die Wolfsburger Allgemeine enthüllte Pläne, dass auf dem VW-Gelände im Bereich Hafen und Kanal, wo damals unter anderem noch ein nicht mehr notwendiges Tanklager stand, ein Kunden- und Auslieferungszentrum besonderer Art entstehen soll. 1998 war dann Spatenstich für einen Meilenstein der Stadtentwicklung, im Mai 2000 wurde sie dann eröffnet - die Autostadt von Volkswagen.


Das Spiel: Nächstes Nordduell für den VfL, nur fünf Tage nach dem 4:1 in Oldenburg, das den VfL an die Spitze befördert hatte. Wolfsburg konnte mit der gleichen Aufstellung beginnen, allerdings verletzte sich Mittelfeldspieler Holger Ballwanz früh. Es war nicht der Tag des VfL gegen das Team aus der Abstiegszone. "Wir haben die Partie in der ersten Halbzeit nicht in den Griff bekommen", monierte Coach Willi Reimann. "Wer glaubt, mit 80, 90 Prozent könne man ein ein Spiel in der 2. Liga gewinnen, der irrt sich." Mittelfeldspieler Jens Keller schimpfte: "Keiner beim Mann, Hacke, Spitze, lieber den schwierige als der einfache Ball, Eigensinn." Als in der 52. Minute ein Freistoß aus 35 Metern von Lübecks Holger Behnert am reaktionslosen Keeper Uwe Zimmermann vorbeiflog und an die Latte klatschte, stockte den Wolfsburger Fans unter den nur 4300 im VfL-Stadion der Atem. Ansonsten pfiffen sie des öfteren oder schwiegen. Das machte den Coach auch sauer: "In der Halbzeit haben die Spieler versucht, sich gegenseitig zu motivieren. Wenn von außen nichts kommt, müssen wir das ja selbst machen." Erfreulich aber: Der VfL blieb Erster, denn die vier Verfolger mit Kontakt spielten allesamt ebenfalls Unentschieden.

Die Statistik

VfL Wolfsburg - VfB Lübeck 0:0
(27.Sept. 1996)

  • VfL: Zimmermann - Maucksch, Jensen (77. Kleeschätzky), Tomcic - Präger, Deering (84. Kapetanovic), Ballwanz (33. Spies), Dammeier, Keller - Tyszkiewicz, Mihtarski (60. Meißner).
  • VfB: Wilde – Behnert, Mazeikis, Schwinkendorf - Winkler (84. Hoffmann), Jurgeleit, Golke, van der Steen, Kindgen - Koch (90. Hetmanski), Siedschlag.
  • Schiedsrichter: Lange (Herrenberg). Zuschauende: 4300.
  • Gelbe Karten: Deering, Dammeier, Keller, Tomcic (5) / -
  • WAZ-Spieler des Spiels: Maucksch.

Die Tabellen nach dem 8. Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97
1. Wolfsburg
........11:4 15
2. Mainz 05...........11:5 15
3. Fortuna Köln.....16:9 14
4. St. Kickers........11:7 14
5. 1. FC K'lautern...8:3 13
6. Uerdingen.........15:11 12
7. Unterhaching......7:5 11
8. Eintr. Frankfurt.....10:9 11
9. Carl Zeiss Jena...10:10 11
10. SV Meppen........7:7 11
11. VfB Leipzig.....14:15 11
12. Hertha BSC.....10:8 9
13. Lübeck.............5:12 9
14. Zwickau...........9:10 8
15. Gütersloh.........6:12 8
16. Mannheim.......12:15 6
17. Essen..............12:23 6
18. Oldenburg........6:15 3

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.