27. August 2021 / 21:28 Uhr

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga: Spieltag 3 bricht den Bann

Wolfsburger Zeitreise in die Bundesliga: Spieltag 3 bricht den Bann

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Dritter Spieltag 1996: Wolfsburgs Sead Kapetanovic gegen die Leipziger Nico Däbritz (l.) und Henri Fuchs.
Dritter Spieltag 1996: Wolfsburgs Sead Kapetanovic gegen die Leipziger Nico Däbritz (l.) und Henri Fuchs. © Imago Images / Picture Point
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Vor 25 Jahren begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet. 

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

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Die vorhergehenden Teile der Zeitreise

Teil 1: Fortuna Köln - Alles wie immer
Teil 2: Hertha BSC - Rot für Meißner, immer noch kein Sieg

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

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Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine betont vorsichtige und vielleicht auch realistische Sichtweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack.

In der Liga hatte er den Klub, der bis kurz vor Saisonende am Aufstieg schnupperte, nicht mehr stabilisieren können. Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art voran bringen, dass sie dann in der Rückrunde 95/96 bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

Der dritte Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war:  Ein Erdrutsch nach schweren Regenfällen in den spanischen Pyrenäen hat mehr als 70 Menschen das Leben gekostet. Der VfL hatte den ersten Pflichtsieg gelandet - im DFB-Pokal mit 4:0 bei den Amateuren des VfB Leipzig, bei denen im Mittelfeld mit Marco Rose der heutige Dortmunder Trainer spielte. Sven Ratke (rätselhafte Beschwerden, Schwindel) und Michael Spies (Leiste) fehlten wie schon seit Saisonbeginn weiter, auch Mathias Stammann war nach einer Kniespiegelung weiterhin noch nicht wieder fit. Die Wolfsburger Profis hatten in der Woche vorm dritten Spieltag einen Leistungstest absolviert, die Ergebnisse hatten Coach Willi Reimann zuversichtlich gestimmt. Die Suche nach einem Stürmer schien sich dem Ende zuzuneigen. Einen Tag vor dem Spiel berichtete die WAZ, dass der Neue aus Bulgarien kommen dürfte. Es handelte sich um den bulgarischen Nationalspieler Peter Mihtarski, der erst einmal zum Vorspielen kommen sollte. Verrückter Zufall: 1996 war am zweiten Spieltag die Hertha Gegner des VfL gewesen, an Spieltag drei ging es gegen Leipzig. Genau wie in dieser Spielzeit. Nur dass der VfL damals noch gar keinen Sieg hatte und der VfB nicht der gleiche Klub ist wie RB Leipzig.

Das Spiel: Im Pokalspiel war Stürmer Stefan „Fritze“ Meißner überragend gewesen, im Punktspiel fehlte er wegen seiner Sperre aus der Partie gegen Berlin. Also ging Roy Präger wieder in den Angriff, dessen Platz im Mittelfeld übernahm Jens Keller, den Jann Jensen bei seinem ersten Startelf-Einsatz nach über einem Jahr Pause als Innenverteidiger hinten verdrängte. Matthias Maucksch sorgte per Foulelfmeter (ausgerechnet gegen seinen früheren Dresdener Trainer Siggi Held) für das 1:0, Piotr Tyszkiewicz legte kurz nach der Pause das 2:0 nach. Der Sieg bei den Sachsen um den Brasilianer Franklin (Bittencourt), den Vater des Bremer Profis Leonardo Bittencourt, war verdient, aber auch erkämpft. Keeper Uwe Zimmermann im Kasten musste einige brenzlige Szenen bereinigen, Leipzigs Lindner traf nach 79 Minuten per Freistoß nur die Latte. Wolfsburg hatte den ersten Saisonsieg und machte in der Tabelle einen Satz.

Die Statistik

VfB Leipzig - VfL Wolfsburg 0:2
(18. August 1996)

VfB: Kischko – Edmond, Schößler, Lindner – Däbritz, Heidrich, Banic (51. Pinder), Shala, Hoffmann (51.), Fuchs – Weichert, Franklin.

VfL: Zimmermann – Maucksch, Tomcic (76. Lüttkenhaus), Jensen – Probst (46. Kapetanovic), Ballwanz, Deering, Dammeier, Keller – Tyszkiewicz (70. Kleeschätzky), Präger.

Schiedsrichter: Stark (Landshut). Zuschauende: 6100.
Tore: 0:1 (30.) Maucksch (Foulelfmeter), 0:2 (51.) Tyszkiewicz.
Gelbe Karten: Bancic, Lindner, Franklin / Probst, Jensen.

WAZ-Spieler des Spiels: Zimmermann.

Die Tabelle der 2. Liga 96/97 nach Spieltag 3
1. Fortuna Köln   7:3 7
2. 1. FC K’lautern  4:0 6
3. SV Meppen   4:2 6
4. FC Gütersloh 2:0 5
5. Stuttgarter Ki.  4:2   4
6. Carl Zeiss Jena   4:3 4
7. FSV Zwickau   4:3 4
8. Eintr. Frankfurt 3:2   4
9. VfLWolfsburg   3:3 4
10. Mainz 05  2:2 4
11. Hertha BSC   2:3 4
12. VfB Oldenburg     3:3 3
13. VfB Leipzig    4:5   3
14. Uerdingen  3:5   3
15. Unterhaching   1:1  2
16. VfB Lübeck    1:3   2
17. Waldh. Mannh.  3:5  1
18. RW Essen    1:10 0


In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.