10. April 2021 / 19:00 Uhr

Wolfsburgs Abwehrbollwerk bröckelt in Frankfurt: "In der Defensive zu viele Fehler gemacht" 

Wolfsburgs Abwehrbollwerk bröckelt in Frankfurt: "In der Defensive zu viele Fehler gemacht" 

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Diesmal hinten zu anfällig: Trainer Oliver Glasner und der VfL Wolfsburg verloren in Frankfurt mit 3:4.
Diesmal hinten zu anfällig: Trainer Oliver Glasner und der VfL Wolfsburg verloren in Frankfurt mit 3:4.
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Der VfL Wolfsburg kassierte am Samstag seine vierte Bundesliga-Niederlage in dieser Saison, verlor in Frankfurt das Spitzenspiel mit 3:4. Das Abwehrbollwerk bröckelt.

Diese Niederlage wäre vermeidbar gewesen: Mit 3:4 (2:2) unterlag der VfL am Samstagnachmittag bei Eintracht Frankfurt, trotz eines Torschussverhältnisses von 21:8 zugunsten des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten. Was fehlte, waren vorn die Effizienz und hinten die Entschlossenheit, die die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hatte - das Abwehrbollwerk (vor dem Spiel nur 22 Gegentore) bröckelt. "Wenn wir drei Tore in Frankfurt schießen, sollten wir eigentlich als Sieger vom Platz gehen, aber diesmal war es so, dass wir in der Defensive zu viele Fehler gemacht haben", analysierte Glasner treffend.

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Zum ersten Mal in dieser Saison kassierte der VfL in einem Spiel vier Gegentore - und das im direkten Duell im Kampf um die Champions League. "Das ist natürlich zu viel", ärgerte sich Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels bei Sky. Dabei hatten die Gastgeber lediglich achtmal aufs Tor geschossen, jeder zweite Versuch saß. Wolfsburg versuchte es dagegen satte 20 Mal. "Sie haben nicht viele Torschüsse gehabt, aber vier waren drin. Ich denke, sie haben ihre Chancen sehr gut genutzt. Sie waren effizienter", musste der Belgier zugeben. Es war aber nicht nur die Effizienz der Eintracht, sondern auch der teilweise mangelhaften Konsequenz der Wolfsburger Hintermannschaft geschuldet, dass Glasner bei seinem Österreich-Kumpel Adi Hütter auf der anderen Seite die höchste Saison-Niederlage kassierte.

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Bei den ersten beiden Gegentoren vernachlässigte die VfL-Abwehr ihren Rückraum, so dass erst Daichi Kamada und anschließend Luka Jovic trafen. Beim dritten Gegentor ging ein leichter Ballverlust von Josip Brekalo voraus und beim vierten waren die Wolfsburger nicht nah genug an Erik Durm dran. Für Weghorst gehe es jetzt aber nicht darum, "mit dem Finger auf die Defensive zu zeigen. Wir verteidigen als Mannschaft, das fängt bei mir vorne an. Diese Konsequenz gegen den Ball, was eigentlich eine große Stärke von uns ist, hat heute nicht geklappt." Daran gelte es in den nächsten Tagen bis zum Bayern-Spiel am Samstag (15.30 Uhr) zu arbeiten. Das wird Maximilian Arnold allerdings verpassen, er sah in der Nachspielzeit seine fünfte Gelbe Karte. Arnold spiele "eine herausragende Saison", betonte der Coach, der es "schade" und "ein bisschen unnötig“ fand, dass sich Arnold so kurz vorm Ende seine fünfte Verwarnung abholte - und jetzt zuschauen muss.“

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Einen gebrauchten Tag erwischte am Samstag VfL-Shootingstar Maxence Lacroix. Völlig untypisch für den Innenverteidiger: Vor dem 2:1 der Frankfurter ließ er Vorbereiter Silva viel zu leicht gewähren, der Franzose verlor ein Laufduell. Allerdings: Der Innenverteidiger hatte im Abschlusstraining mit Rückenproblemen zu kämpfen. Glasner klärte auf: "Unsere medizinische Abteilung hat tolle Arbeit geleistet und hat mir dann das Okay gegeben, dass er fit und spielfähig ist." Aber: "Maxence war doch nicht so ganz frei in seinen Bewegungen, deswegen habe ich dann gewechselt. Es war untypisch, dass er Laufduelle verliert, weil das eine große Stärke von ihm ist." Und doch wollte Glasner dem Abwehrspieler "keinen Vorwurf" machen. Der Coach erinnerte: "Maxence spielt eine herausragende Saison. Er wird nächste Woche wieder eine tolle Leistung abliefern.“

<b>Koen Casteels</b>: Da, wenn er gebraucht wurde, bei fast allen Gegentoren ohne Chance. Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Da, wenn er gebraucht wurde, bei fast allen Gegentoren ohne Chance. Note: 4 ©

Das Spiel in Frankfurt hätte für den VfL nicht besser losgehen können. Nach toller Vorarbeit von Wout Weghorst traf Ridle Baku mit links zur Führung. "Wir sind richtig gut ins Spiel gekommen, mit Mut und Selbstvertrauen", lobte der Angreifer, der nach Wiederbeginn beim Stand von 1:2 aus VfL-Sicht selbst zum zwischenzeitlichen Ausgleich traf. Baku hatte den Ball nach einem dicken Bock von Djibril Sow auf den Top-Torjäger gespielt, der jetzt bei 18 Saison-Toren steht und damit einen persönlichen Rekord aufgestellt hat. Doch es reichte nicht, das Eigentor von Tuta kam zu spät.

Und so mussten die Wolfsburger in Frankfurt einen kleinen Dämpfer im Kampf um die Königsklasse hinnehmen. Es sei zwar "noch nicht viel passiert", wie Weghorst betonte, "aber es ist sehr enttäuschend". Denn mit einem Sieg hätte der VfL den Vorsprung auf die Eintracht auf sieben Zähler ausbauen können, "dann hätten wir großen Abstand gehabt. Jetzt sind alle wieder dabei." Denn am Abend hat der Fünfte Borussia Dortmund beim VfB Stuttgart die Chance, wieder ranzukommen. "Wir stehen immer noch da oben, aber wir sollten darauf nicht zu sehr schauen", betont Weghorst. "Sondern es so machen wie wir es die ganze Saison gemacht haben, nämlich von Spiel zu Spiel zu schauen." Es seien noch sechs Spiele zu Spielen, "da geht’s um 18 Punkte. Wir sind noch nicht durch. Wenn das jetzt jemand denkt, wird es ganz schwierig..."