23. März 2021 / 22:48 Uhr

Wolfsburgs Baku vorm U21-EM-Start: "...das ist ein krasser Nachteil"

Wolfsburgs Baku vorm U21-EM-Start: "...das ist ein krasser Nachteil"

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Will eine Führungsrolle übernehmen: VfL-Profi Ridle Baku startet heute mit der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Ungarn ins Turnier.
Will eine Führungsrolle übernehmen: VfL-Profi Ridle Baku startet heute mit der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Ungarn ins Turnier. © Imago Images/DPA
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Ridle Baku vom VfL Wolfsburg spricht unmittelbar vor dem EM-Start der deutschen U21-Nationalmannschaft im SPORTBUZZER unter anderem über eine erschwerte Vorbereitung, seine Rolle im Team und die Gruppen-Gegner.

Eine Fußball-EM in zwei Teilen, erschwerte Bedingungen - und mittendrin: Ridle Baku vom VfL Wolfsburg. Am Mittwoch (21 Uhr) startet der 22-Jährige mit der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Gastgeber Ungarn (Slowenien ist das andere Austragungsland) ins Turnier. Unmittelbar vor dem Vorrunden-Start (die Endrunde steigt vom 31. Mai bis 6. Juni) spricht der Bundesliga-Profi über eine ungewohnte Vorbereitung, was er von sich und der Mannschaft erwartet sowie die anderen beiden Gruppen-Gegner Niederlande und Rumänien.

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Herr Baku, ist unmittelbar vorm Turnierstart schon Nervosität da?
Nervös bin ich nicht wirklich, aber natürlich ist man ein Stück weit aufgeregt vor den kommenden Spielen. Es sind drei richtig gute Gegner. Aber wir wollen uns natürlich für die Endrunde qualifizieren. Wir hatten nur wenige Tage Zeit, um zusammenzufinden. Wir werden alles dafür tun, dass wir erfolgreich sind.

Es ist eine besonders schwierige EM...
Das stimmt. Die EM findet mitten in der Saison statt, zudem gibt’s keine richtige Vorbereitung – das ist ein krasser Nachteil. Das kann man nicht anders sagen. Aber man muss aus den Umständen das Beste machen. Eigentlich hat man vor einem Turner ungefähr zehn Tage Zeit, jetzt hatten wir zwei, drei Tage, um zusammenzukommen. Wir haben neue Spieler dabei, die in die Gruppe integriert werden müssen. Daher ist es die höchste Priorität, dass wir auf dem Platz eine Einheit bilden. Wenn uns das gelingt und jeder Einzelne seine individuelle Qualität zeigt, können wir erfolgreich sein. Ich denke aber auch, dass es allen Mannschaften so geht wie uns.

Team-Spirit ist derzeit eine große Stärke beim VfL. Inwieweit können Sie das aus dem Verein mit in die deutsche U21-Nationalmannschaft tragen?
Den Vergleich kann man durchaus ziehen. Aber beim VfL war es auch ein Prozess, der ging über mehrere Wochen und nicht innerhalb von zwei, drei Tagen. Ich habe gute Erfahrungen im Verein gemacht, und die möchte ich gern auf den DFB übertragen und sie an meine Mitspieler weitergeben.

Besonders erfolgreich waren Maximilian Arnold und Yannick Gerhardt, die 2017 mit der U21 Europameister geworden sind. Haben Sie im Vorfeld mal mit den beiden gesprochen?
Ich habe mit Maximilian Philipp, Yannick und Max gesprochen, alle wissen, wie es geht. Aber jetzt einen Vergleich zu ziehen, ist schwierig. Es soll keine Ausrede sein, aber es sind nun mal andere Umstände. Sie hatten damals deutlich mehr Vorbereitungszeit als wir - und wir sind eine fast neu zusammengewürfelte Truppe.

Was hat Max Arnold beispielsweise gesagt?
Dass es ein schönes Gefühl ist, die EM zu gewinnen (lacht) und dass man es genießen soll. Er war damals Kapitän, hat die Mannschaft geführt. In diese Führungsrolle kann ich auch schlüpfen, da ich schon einige Spiele gemacht habe und einer der erfahrenen Spieler bin. Der Aufgabe werde ich mich stellen.


Wie leben Sie diese Führungsrolle denn vor?
Es ist eigentlich keine meiner Stärken, dass ich vorangehe. Aber aufgrund meiner bisher gezeigten Leistungen und meines Weges, den ich eingeschlagen habe, ist es der nächste Schritt, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Das wird uns helfen, das wird mir helfen, erfolgreich zu sein.

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Die deutschen Nationalspieler des VfL Wolfsburg ©

Los geht's gegen Ungarn, beim Gegner gibt’s einige Corona-Fälle. Wie gehen Sie und die Mannschaft damit um?
Das haben wir registriert. Es schwingt ein Risiko mit, aber die Vorkehrungen sind hochprofessionell, es wird auf alles geachtet, um Kontakte zu vermeiden. Ich hoffe, wir bleiben verschont.

Ungarn ist ein Gegner, die Niederlande und Rumänien die anderen beiden. Welches Spiel wird am schwierigsten?
Ich denke, gegen die Niederlande. Sie sind souverän durch die Quali marschiert. Es dürfte ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen uns und der Niederlande werden, wer in der Gruppe am Ende auf Platz eins steht.

Was spricht für Deutschland?
Wir haben sechs, sieben Spieler, die über einen längeren Zeitraum bei der U21 sind – das Fundament steht also. Das ist ein kleiner Vorteil. Wenn dann noch ein paar Spieler dazukommen und uns ergänzen, kann es klappen.

Ihre Familie ist auch sehr fußballbegeistert. Was hat sie Ihnen noch mit auf den Weg gegeben?
Ich habe mit meinem Vater gesprochen. Er hat mir viel Glück für das Turnier gewünscht, dass ich Spaß haben soll. Er ist stolz auf mich, aber legt den Finger manchmal auch in die Wunde und will mir Tipps geben, wenn ihm etwas auffällt, was ihm nicht so gefällt. Aber ich weiß damit umzugehen.

Sie haben in dieser Saison schon viele Spiele gemacht. Wie sieht’s denn mit Ihrer Müdigkeit aus?
Ich achte sehr auf meinen Körper. Wenn er mir Signale gibt, macht es Sinn, das dem Trainer mitzuteilen. Aber das ist noch nicht eingetreten. Ich nehme mir auch mal Pausen. Aber auch wenn ich mal müde bin, will ich auf dem Platz stehen. Ich kann es nicht leiden, wenn ich auf der Bank sitze und der Mannschaft nicht helfen kann.

Beim VfL haben Sie zuletzt meist vorn rechts gespielt, in der U21 meist hinten rechts. Wonach sieht’s diesmal aus?
Da lasse ich mich überraschen. Es ist aber auch nicht ausschlaggebend, wo ich spiele.

Haben Sie irgendwelche Rituale vor einem so großen Turnier?
Wenn es als Ritual zählt, ist es mein Glaube zu Gott. Wenn ich auf den Platz gehe, bekreuzige ich mich und bin einfach dankbar, dass ich Fußball spielen kann und gesund bin.

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Was ist Ihr persönliches Ziel für die Vorrunde?
Drei Spiele, drei Siege (lächelt).

Zwei weitere Wolfsburger spielen am Mittwoch

Baku startet mit der deutschen U21-Nationalmannschaft heute (21 Uhr) gegen Ungarn in die Europameisterschaft. ProSieben überträgt die Partie live, die Vorberichterstattung beginnt um 20.15 Uhr. Der Flügelspieler des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten wird sehr wahrscheinlich von Anfang an für die Mannschaft von Trainer Stefan Kuntz auflaufen. VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer gibt dem 22-Jährigen noch ein paar Worte mit auf den Weg: „Ich wünsche Ridle und der DFB-Elf, dass er ähnliche Leistungen bringt wie in Wolfsburg. Dann ist er eine wichtige Säule für die Mannschaft.“

Aber nicht nur Baku ist aus VfL-Sicht im Einsatz, auch zwei weitere Wolfsburger müssen am Mittwoch ran: Josip Brekalo startet mit der kroatischen A-Nationalmannschaft gegen Slowenien (Anstoß um 20.45 Uhr) in die Qualifikation für die WM in Katar 2022. Zudem muss VfL-Torhüter Koen Casteels mit Belgien gegen Wales (Anstoß um 20.45 Uhr) antreten. Beide Partien zeigt der kostenpflichtige Streaming-Dienst DAZN live.

Die nächsten Wolfsburger sind dann am Donnerstag dran: John Anthony Brooks spielt mit den USA gegen Jamaika (18 Uhr), Kevin Mbabu und Admir Mehmedi mit der Schweiz in Bulgarien (18 Uhr) sowie Xaver Schlager und Pavao Pervan mit Österreich in Schottland (20.45 Uhr).