22. Februar 2021 / 17:50 Uhr

Wolfsburgs Eishockey-Rekord-Import Jeff Likens: Abschied in  Gala-Form

Wolfsburgs Eishockey-Rekord-Import Jeff Likens: Abschied in  Gala-Form

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Matti Järvinen und Jeffrey Likens von den Grizzlys Wolfsburg feiern das Tor zum 4:2 während des Spiels zwischen den Grizzlys Wolfsburg gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven am 08.02.2021 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Mathias Renner/City-Press GmbH)
Er hat Spaß und ist zum Abschied in Gala-Form: Jeff Likens von den Grizzlys Wolfsburg wird seine Karriere bald beenden. Als Rekord-Ausländer der DEL. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
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Am Saisonende ist Schluss für Jeff Likens. Dann hängt der Verteidiger des Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg seine Schlittschuhe an den Nagel. Er wird die DEL als Rekordausländer verlassen - und ist zum Karriere-Ausklang noch einmal in Gala-Form. Die muss er am Dienstag auch im Spiel bei Spitzenreiter Eisbären Berlin wieder auspacken.

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Am Saisonende ist Schluss für Jeff Likens. Dann hängt der Verteidiger des Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg seine Schlittschuhe an den Nagel. Er wird als Rekord-Import gehen - und ist zum Abschied noch einmal in Gala-Form. Die wird auch am Dienstag (20.30 Uhr) in der Partie bei den Eisbären Berlin am Dienstag nötig sein. Die Eisbären haben alle ihre acht bisherigen Heimspiele gewonnen - mit einem Torverhältnis von 33:9. Coach Pat Cortina ahnt: "Die werden heiß sein, darauf aus, die Niederlagen in Wolfsburg zu korrigieren." Die Grizzlys hatten beide Heimspiele gegen Berlin gewonnen, dabei fünf Punkte geholt. Das 6:4 war dabei jüngst der Auftakt zu einer Sechs-Siege-Serie, womit klar ist für beide Teams: eine Serie endet.

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Likens wird bereit sein. Wie immer. Er ist schon jetzt der Importspieler mit den meisten DEL-Einsätzen. Mehr als 750 Partien werden es am Saisonende bei normalem Verlauf sein. Er fehlte in nun fast 13 DEL-Spielzeiten praktisch nie. Seinen Abschied hat er beschlossen und verkündet, er stürzt sich ins Privatleben, zieht mit Gattin Sarah und den Kindern Jane und Tess nach Minnesota.

Der Juniorenweltmeister mit den USA 2004 wird im Sommer 36 und ist gerade - mal wieder - in der Form seines Lebens. Schon in der schwächeren Phase der Grizzlys war Likens ein Fixpunkt, hängt sich rein, nimmt mehr Eiszeit, als es eigentlich geplant war. Wie auch schon in der Vorsaison. Manager Charly Fliegauf: "Das hatten wir eigentlich anders für ihn gedacht. Es ist schon beeindruckend, wie er das macht." Das allerdings sieht der Verteidiger in seiner typischen Art so: "Es ist wie es ist. Das Team brauchte Jungs, die vorangehen, es fehlten immer wieder Spieler." Und schon hatte Likens schnell mal wieder ab und an die zweitmeiste Eiszeit aller Akteure. Allerdings, so sagt er, "ich habe keine offensive Rolle, ich kann es auf die Defensive beschränken, das macht es dann etwas einfacher."

Für den offensive Part steht Julian Melchiori, der Vielspieler, der sich überragend eingefunden hat. "Mit ihm habe ich eine tolle Chemie, das hilft bei meinem Spiel", sagt Likens. Und, so betont er: "Wir sind alle zusammengerückt, Spieler, Trainer, wir sind besser geworden. Das ist eine kollektive Sache."


Auf dem Eis sieht man, dass Likens Freude hat, man spürt es im Gespräch. Er muss sich nicht mehr für einen Vertrag anbieten, er könnte es auch locker angehen oder mit dem Gedanken schon beim Umzug sein. Doch das wäre nicht sein Stil.

Coach Pat Cortina: "Jeff ist ein unglaublicher Spieler, ein Warrior, unser Kampfkapitän. Wenn es darum geht, die Zweikämpfe anzunehmen, zu kämpfen, dann sind er und Sebastian Furchner ganz vorn." Doch nicht nur das. Cortina schätzt noch mehr an der Nummer 9: "Jeder sieht, wie hart er auf dem Eis arbeitet, wie er um die Pucks kämpft, aber gar nicht so offensichtlich ist, wie er ohne die Scheibe spielt, Passwege erkennt, nutzt oder zustellt. Er hat ungeheure Spielintelligenz."

"Manchmal kann es ja auch befreien, wenn man weiß, dass es die letzte Saison ist", sieht Fliegauf einen möglichen Grund für die Formstärke des Verteidigers, den er 2013 aus Ingolstadt lockte.

"Dankbar, dass wir so lange in Wolfsburg bleiben konnten!"

Der große Umzug rückt näher, die Planungen laufen, "denn ich denke gern voraus", sagt Likens, aber: "Jane wird ja noch das Schuljahr beenden, wir bleiben bis Ende Mai hier, es ist noch Zeit genug zu packen, aber natürlich kümmern wir uns schon um Formalitäten, sortieren wir jetzt schon ein wenig, was hierbleiben kann, was wir weitergeben und was unbedingt mit muss." Er ahnt: "Für die Kinder wird es die größte Umstellung, aber deshalb sind wir auch unheimlich dankbar, dass wir so lange in Wolfsburg, an einem Ort, bleiben konnten." Er hofft, dass sich die Corona-Lage entspannt, um richtig Abschied nehmen zu können, vielleicht auch noch mal Augsburg zu besuchen, Ingolstadt und Nürnberg, wo er seine ersten Karrrierejahre in Deutschland verbrachte.

Erst einmal aber gelte es, sich in der DEL zu behaupten. "Wir müssen weiter konzentriert bleiben. Wir sind gewachsen, das Selbstvertrauen ist da, aber wir dürfen nicht nachlassen." Und: "Janik Möser ist schon zurück, Armin Wurm und Dominik Bittner hoffentlich auch bald. Dann könnte ich vielleicht doch ein bisschen weniger spielen", meint er. Weniger - nicht, weil er müde wird, sondern: "Wir sind dann auf jeden Fall eine noch stärkere Mannschaft."

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Personelles zum Spiel in Berlin

In Berlin wird Chet Pickard Wolfsburgs Tor hüten, nachdem zuletzt Dustin Strahlmeier fünf Partien in Folge gemacht hatte. Strümer Jan Nijenhuis kehrt ins Aufgebot zurück, die Verteidiger Armin Wurm und Dominik Bittner noch nicht. Hinter den Stürmern Valentin Busch und Fabio Pfohl stehen Fragezeichen.