31. Mai 2021 / 17:13 Uhr

Wolfsburgs ewige Pokalsiegerinnen: Hört das auch irgendwann mal auf?

Wolfsburgs ewige Pokalsiegerinnen: Hört das auch irgendwann mal auf?

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Dauerpokalsieger: Von 2013 (l.) bis 2021 holte der VfL achtmal den Cup.
Dauerpokalsieger: Von 2013 (l.) bis 2021 holte der VfL achtmal den Cup. © imago images/Jan Huebner / dpa
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Der VfL Wolfsburg sammelt seit 2013 Jahr für Jahren Frauenfußball-Titel. In einem Wettbewerb sind die Niedersächsinnen besonders erfolgreich - im DFB-Pokal. Für den siebte Triumph in Folge gibt es Gründe.

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Der Angriff war schnell, präzise und endete mit dem Siegtor. Aber die wahren Gründe für die Erfolgsserie der VfL-Fußballerinnen waren womöglich gar nicht beim Treffer von Ewa Pajor zu sehen, der das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag zugunsten der Wolfsburgerinnen entschied. Sondern in den Sekunden danach. Zsanett Jakabfi, Shanice van de Sanden und Lara Dickenmann waren die ersten, die Pajor im Jubelsturm umarmten, dann kam Lena Goeßling dazu. Vier Spielerinnen, die im großen Endspiel gar nicht oder nur für ein paar Sekunden am Ende (Jakabfi) zum Einsatz kamen, hätten allen Grund, deswegen enttäuscht zu sein. Doch sie freuten sich, als wäre ihnen gerade selbst das Siegtor gelungen.

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„Das ist eine Mentalität“, so Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, „die diese Mannschaft und ihren Staff vom Trainerteam bis zum Zeugwart seit Jahren auszeichnet.“ Als Pajor im Jubel fast erdrückt wurde, hämmerte die verletzte Alexandra Popp oben auf der Tribüne wie entfesselt auf ihren mitgebrachten Kochtopf, umtanzt von Sofie Svava und weiteren VfLerinnen, die es nicht in den Kader geschafft hatten. Und daneben wusste Almuth Schult, gerade vom Platz geflogen, gar nicht, wen sie zuerst umarmen sollte.

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Die Sache mit dem ungewöhnlichen Teamgeist ist „ja oft eine Phrase“, wie Kellermann zugibt. „Aber was wir seit 2012, 2013 erleben, ist wirklich eine Stärke des Kollektivs.“ 16 Titel haben die VfL-Fußballerinnen seitdem geholt, die Hälfte davon im DFB-Pokal, den sie jetzt siebenmal in Serie gewonnen haben. Im Cup-Wettbewerb wirkt der VfL dabei trotz eigentlich stets extrem enger Endspiele so unbesiegbar, dass sich die Frage stellt: Hört das eigentlich auch irgendwann mal wieder auf?



Nicht, wenn es nach Kellermann geht. Seit 2008 ist er für das Team zuständig, 2017 wechselte er vom Trainer- auf den reinen Management-Posten. Er baute erst ein Team der Weltklasse auf - und dann immer wieder um, vor allem in den vergangenen Jahren. Nilla Fischer, Caroline Hansen, Sara Gunarsdottir, Pernille Harder – die Liste der Ausnahme-Spielerinnen, die Wolfsburg allein in den letzten 24 Monaten verließen, ist lang. Und auch nun mischte sich in die Pokalsieg-Feier am Sonntagabend in einem Kölner Hotel auch ein Hauch von Abschiedsstimmung.

Goeßling wird gehen, möglicherweise zu Eintracht Frankfurt. Fridolina Rolfö und Ingrid Engen haben ihre Verträge nicht verlängert, stehen beide vor einem Wechsel zum Champions-League-Sieger FC Barcelona. Jakabfi und Dickenmann beenden jeweils ihre Karriere. Auch Trainer Stephan Lerch wird gehen. Junge, titelhungrige Spielerinnen, werden kommen. Kellermann: „Sie treffen bei uns auf erfahrene Spielerinnen, die ihnen Teamgeist und Erfolgshunger vorleben werden.“

Gerade im Pokal, wenn der Gegner als Außenseiter die Chance wittert, in nur einem Spiel für einen ganz großen Coup zu sorgen, ist dieser Erfolgshunger besonders wichtig – und besonders sichtbar. Kellermann: „Immer an die Stärke der Gruppe zu glauben, darum geht es.“ Die Momente nach dem Platzverweis von Almuth Schult im Finale am Sonntag seien da ein weiterer Beleg: „Normalerweise gehen da die Köpfe runter – unsere Mannschaft aber hat sich nur eine Minute geschüttelt, danach war der Glaube wieder da, dass eher wir das entscheidende Tor schießen werden als die Eintracht.“ Bei der Kaderplanung Spielerinnen zu finden, die genau diese Mentalität mitbringen, „gehört natürlich immer dazu“. Gelingt das weiterhin, muss das Titel-Abo nicht enden – schon gar nicht im DFB-Pokal.