11. Dezember 2020 / 18:29 Uhr

Wolfsburgs Ex-Trainer über Weghorst und Dost: "Wout macht mehr mit Herz, Bas mehr mit dem Kopf"

Wolfsburgs Ex-Trainer über Weghorst und Dost: "Wout macht mehr mit Herz, Bas mehr mit dem Kopf"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Lobt seine Landsmänner: Andries Jonker, der Ex-Trainer des VfL Wolfsburg (M.) spricht über Wout Weghorst (l.) und Bas Dost. © Roland Hermstein/dpa
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Erst war es Bas Dost, der regelmäßig für den VfL Wolfsburg knipste - seit Sommer 2018 macht das sein Landsmann Wout Weghorst. Am Freitag (20.30 Uhr), wenn der noch ungeschlagene VfL dann Eintracht Frankfurt empfängt, treffen beide Knipser aufeinander.

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Wolfsburg gegen Frankfurt – da treffen auch zwei niederländische Top-Torjäger aufeinander. Bas Dost hatte von 2012 bis 2016 für den VfL gespielt und war mit dem Fußball-Bundesligisten 2015 Pokalsieger geworden. Für die Wolfsburger erzielte der 1,96 Meter große Angreifer in 85 Bundesliga-Partien 36 Tore. Im Sommer 2018 holte der VfL mit Wout Weghorst erneut einen Torjäger aus den Niederlanden – und auch der trifft und trifft und trifft. In nur 76 Erstliga-Spielen hat er 40 Tore geschossen. Andries Jonker (jetzt beim niederländischen Zweitligisten Telstar) kennt sie beide. Er war beim VfL Co-Trainer (von 2012 bis 2014) und Chefcoach (von Februar bis September 2017), hat mit Dost in Wolfsburg zusammengearbeitet und Weghorsts Werdegang verfolgt. Vor dem Duell der beiden Top-Stürmer spricht der 58-Jährige im SPORTBUZZER-Interview über die beiden Sturm-Riesen.

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Herr Jonker, Sie kennen beide Stürmer ganz gut, was sind das für Typen, die am Freitag aufeinandertreffen?
Da ist auf der einen Seite Wout, der immer Vollgas gibt, der alles macht, um Tore zu schießen. Und da ist Bas, ein talentierter Stürmer, der Mann mit Übersicht, der immer auf den richtigen Moment lauert.

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Von der Statur her sind beide sehr ähnlich: Weghorst ist 1,97 Meter, Dost 1,96 Meter groß – aber wo liegen die Unterschiede in ihrem Spiel?
Ich habe mit Wout nicht persönlich gearbeitet. Aber so, wie er das in den Spielen macht, kann ich nur sagen: Wout ist der Arbeiter, er macht mehr mit Herz. Und Bas ist derjenige, der immer mit Kopf spielt.



Weghorst hat in zweieinhalb Jahren 40 Tore in der Fußball-Bundesliga geschossen – hätten Sie ihm solch eine Entwicklung zugetraut?
Als er erst ein paar Wochen beim VfL war, habe ich mir das Spiel Leverkusen gegen Wolfsburg angeschaut. Das war am zweiten Spieltag der vorletzten Saison – in dem Spiel hat er mich überzeugt. Danach habe ich gesagt: Er schafft das in der Bundesliga.

Beim 3:1 damals bei Bayer hat Weghorst sein erstes Tor für den VfL geschossen…
...aber es war nicht nur das Tor, er hat mich auch fußballerisch überzeugt und war wertvoll für die Mannschaft. Wenn du dann auch noch in einem Spiel bei einem guten Team wie Leverkusen triffst, dann bist du ein guter Stürmer.

Haben Sie seine Entwicklung schon vor seiner Zeit beim VfL verfolgt?
Ich weiß nicht, warum das so ist. Aber ich achte immer irgendwie ein bisschen mehr auf die Stürmer. Ja, ich habe Wout verfolgt. Er war mir schon bei Heracles Almelo aufgefallen, weil er eben viel gearbeitet und Dampf gemacht hat. Und dann gab‘s den Transfer nach Alkmaar. Das ist ein Wechsel von einem mittelmäßigen zu einem Fast-Spitzenverein bei uns. Diesen Schritt zu machen, den schafft nicht jeder. Aber er hat ihn geschafft.

Die Top-Torjäger der Bundesliga-Geschichte des VfL Wolfsburg:

Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. Zur Galerie
Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. ©

Und dann ist er in die Bundesliga gewechselt.
Ich kenne den Unterschied zwischen Eredivisie und Bundesliga, das ist noch mal ein weiterer Schritt, den du hinbekommen musst. Ab dem Moment habe ich ihn mit großem Interesse verfolgt. Ich wusste, dass die Wolfsburger großen Bedarf an Toren hatten, das war eines der Probleme des Klubs, vielleicht sogar das Hauptproblem. Und dann haben sie Wout geholt. Das war schon ein bisschen riskant. Er war zwar gut bei AZ Alkmaar, aber die Frage, die sich dann stellt, ist: Reicht das auch für die Bundesliga? Aber mit dem Spiel in Leverkusen war diese Frage beantwortet.

Im Sommer gab es Spekulationen, dass er nach England in die Premier League wechseln könnte…
Mich haben Journalisten angerufen und gefragt, ob er in der Lage ist, für den FC Arsenal zu spielen.

Weghorst hat mehrmals betont, dass er sich beim VfL wohlfühlt, er hat aber auch gesagt, dass ihn die Premier League reizt. Trauen Sie ihm irgendwann einen Wechsel nach England zu?
Ja, ganz klar. Wenn du in der Bundesliga in Wolfsburg erfolgreich sein kannst und wenn du immer wieder an die Tür der holländischen Nationalelf anklopfst, dann musst du auch in der Lage sein, in England erfolgreich zu sein. Ich denke da nicht an Vereine wie Manchester City oder Chelsea, aber alle anderen Klubs passen. Also Arsenal würde sehr gut passen.

Bas Dost ist aus Wolfsburg zu Sporting Lissabon gewechselt, jetzt spielt er wieder in der Bundesliga. Waren Sie überrascht, dass er nach Deutschland zurückgekehrt ist?
Nein, denn Bas war und ist ein sehr guter Stürmer. Er bringt alles mit – er hat ein gutes Näschen, er ist trotz seiner Größe schnell und er macht Tore.

Dost ist jetzt 31 Jahre alt. Wird sein nächster Schritt die Rückkehr in seine Heimat sein?
Das weiß ich nicht. Ich denke, er ist glücklich in Frankfurt. Aber das Ende der Karriere kommt näher, er hat noch drei, vier, fünf Jahre auf dem Niveau. Egal, wo er spielt – Bas wird immer ein wertvoller Spieler bleiben.

Dost hat für den VfL viele Tore geschossen – an welches Spiel denken Sie besonders gern?
Wir haben im Dezember 2012 mal 3:2 in Dortmund gewonnen. Da hat Bas mit dem 3:2 das Sieg-Tor erzielt. Er war glücklich, alle bei uns waren glücklich - das war sehr schön.

Weghorst oder Dost – wer ist besser?
Man kann das nicht sagen, weil es unterschiedliche Typen sind. Beide haben eine schöne Karriere hingelegt, beide haben für den VfL Tore geschossen - und beide haben gezeigt, dass sie einfach gut genug für die Bundesliga sind.

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