12. Februar 2022 / 19:38 Uhr

Wolfsburgs Frankfurt-Schreck Kruse schlägt wieder zu: "Glück für uns"

Wolfsburgs Frankfurt-Schreck Kruse schlägt wieder zu: "Glück für uns"

Engelbert Hensel, Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
 Stark beim Sieg in Frankfurt: Max Kruse (l.) und der VfL Wolfsburg gewannen mit 2:0.
Stark beim Sieg in Frankfurt: Max Kruse (l.) und der VfL Wolfsburg gewannen mit 2:0. © imago images/Thomas Frey
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Der VfL Wolfsburg feiert seinen zweiten Sieg in Folge. Die Niedersachsen gewinnen bei Eintracht Frankfurt mit 2:0. Im Blickpunkt: Max Kruse, der Winter-Neuzugang des VfL.

Der Monat Februar soll für den VfL Wolfsburg die Wende bringen – raus aus dem Abstiegskampf, rein ins Mittelfeld der Fußball-Bundesliga. Das ist das primäre Ziel. Der VfL ist da auf einem guten Weg, denn er hat nach dem 4:1 gegen Fürth (erster Sieg nach elf Pflichtspielen ohne Dreier) nachgelegt und mit 2:0 (1:0) bei Eintracht Frankfurt gewonnen. Entscheidend dabei war einer, der gern polarisiert und dessen Wechsel von Union Berlin zurück zum VfL in der Winterpause für viel Wirbel gesorgt hatte: Max Kruse. Für 5 Millionen haben die Wolfsburger den 33-Jährigen verpflichtet und schon im zweiten Spiel hat der Stürmer damit angefangen, zurückzuzahlen. Denn Kruse erzielte beim Sieg in Frankfurt nicht nur die Führung, sondern er gehörte auch sonst zu den besten VfLern auf dem Platz.

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In der 28. Minute hatte Wolfsburgs Frankfurt-Schreck Kruse vom Punkt getroffen. Zuvor hatte es viel Aufregung gegeben. Kruse wurde an der Strafraumkante von Martin Hinteregger, der den verletzten Frankfurter Abwehrchef Makoto Hasebe vertrat, umgerannt. Schiedsrichter Frank Willenborg gab zunächst Freistoß, doch der Videokeller in Köln schaltete sich ein. Nach Ansicht der Videobilder gab es Elfmeter, den Kruse eiskalt zur VfL-Führung verwandelte. Der Frankfurt-Spezialist traf somit im vierten Spiel in Serie gegen die SGE. Das 1:0 war sein sechster Treffer in dieser Saison. "Ich kriege den Ball und mache meinen typischen Haken – und er steht mir halt komplett im Weg", beschrieb Kruse die Szene vor dem Elfer im Interview bei Sky. Hinteregger könne sich "nicht in Luft auflösen, das weiß ich auch. Es war eine 50:50-Situation". Wenn der Schiri gewusst hätte, "dass es im Strafraum wäre, hätte er es, glaube ich, nicht gepfiffen. So pfeift er und muss dann auf Elfmeter entscheiden – Glück für uns."

Der VfL Wolfsburg bei Eintracht Frankfurt - die Bilder

Der VfL Wolfsburg bei Eintracht Frankfurt - die Bilder. Zur Galerie
Der VfL Wolfsburg bei Eintracht Frankfurt - die Bilder. ©

Frankfurt wirkte nach der Wolfsburger Führung einige Minuten geschockt, machte dann gegen Ende der ersten Halbzeit aber noch einmal ordentlich Druck. Jesper Lindström bot sich nach einem feinen Solo die große Chance zum Ausgleich, doch er scheiterte an VfL-Torwart Koen Casteels. Nach dem Wechsel bot sich das gleiche Bild. Die Eintracht machte das Spiel, fand gegen willensstarke und leidenschaftlich kämpfende Wolfsburger aber keine Lücke. Vielmehr setzten die Gäste immer wieder feine Nadelstiche. Immer wieder war Kruse als Schleicher zwischen den Linien als Vorbereiter mit beteiligt. Der eingewechselte Dodi Lukebakio verpasste mit einem Schuss zunächst nur um Zentimeter den zweiten Treffer, der ihm dann kurz vor Schluss aus spitzem Winkel doch noch gelang.

Und so durfte am Ende Kruse mit seinen neuen Kollegen jubeln. "Er ist ein witziger Typ und hat dazu noch eine fußballerische Qualität, die man heute auf dem Platz gesehen hat", lobte Kruse-Kollege Ridle Baku. "Er holt clever den Elfmeter raus und verwandelt ihn. Er hat eine Qualität, die uns nach vorn bringt und er soll uns helfen, da rauszukommen." Ein Anfang ist gemacht: Die Wolfsburger (Zwölfter) vergrößerten den Abstand zum Relegationsplatz 16 auf fünf Zähler – daran werden auch die Partien am Sonntag nichts mehr ändern. Der Neuzugang ist übrigens erst der zweite Spieler der Bundesliga-Geschichte, der für vier verschiedene Teams vom Elfmeterpunkt traf (für Union, Werder, Gladbach und nun Wolfsburg). Vor ihm gelang das nur Stefan Kuntz (für Kaiserslautern, Bochum, Bielefeld und Uerdingen) – dem ehemaligen Coach der deutschen U21-Nationalelf und aktuellem Trainer der Türkei.

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VfL-Trainer Florian Kohfeldt, der Kruse einst schon in Bremen hatte trainieren dürfen, weiß, dass er mit Kruse einen Spieler bekommen hat, der den in der Hinrunde abgestürzten Wolfsburgern helfen kann. "Ich gehöre wohl zu den Menschen, die in den letzten fünf Jahren die meisten positiven Dinge über Max Kruse gesagt haben. Ihn in den Himmel zu loben, weil er einen Elfmeter verwandelt hat, wäre dann doch übertrieben", sagte der VfL-Coach und fügte hinzu: "Max schafft es, dass seine Mitspieler besser aussehen, das ist die größte Qualität. Er hat das Näschen dafür, was als nächstes passiert. Dennoch war es nicht sein bestes Spiel, was ich von ihm gesehen habe."

Ein dickes Lob vom Coach gab es für die Abwehrkette mit Maxence Lacroix, Sebastian Bornauw und Jay Brooks. Das waren laut Kohfeldt beim zweiten Sieg in Folge "die entscheidenden Spieler. Sie haben in unserem Strafraum überragend verteidigt", so der Coach, der neben der diesmal konsequent zupackenden Abwehr noch die Mentalität seines Teams als "top" bezeichnete, gleichwohl in der Stunde des Erfolgs aber auch anmerkte: "Unser Spiel mit dem Ball ist ausbaufähig."

Bleibt noch die Sache mit dem Pokerturnier. Oliver Glasner, Ex-VfL-Trainer und jetzt Coach bei Eintracht Frankfurt, hatte vor dem Spiel in Richtung Kruse schmunzelnd angemerkt: „Ich wollte es eigentlich nicht verraten, aber um Max Kruse stoppen zu können, veranstalten wir ein Pokerturnier und hoffen, dass er teilnimmt." Kruse ist großer Poker-Fan und antwortete nach dem Spiel auf Glasners Kartentrick so: "Ich wurde eingeladen auf eine Poker-Veranstaltung in Frankfurt, die hat leider nicht stattgefunden, deswegen hatte ich dann doch Zeit, hierher zu kommen. Zum Glück hat es geklappt."

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