06. Mai 2021 / 08:22 Uhr

Wolfsburgs Frauen gegen Bayern: Noch wichtiger als der Titel ist die neue Champions League

Wolfsburgs Frauen gegen Bayern: Noch wichtiger als der Titel ist die neue Champions League

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Betont vorm VfL-Duell mit den Bayern die Bedeutung der Champions League: Ralf Kellermann.
Betont vorm VfL-Duell mit den Bayern die Bedeutung der Champions League: Ralf Kellermann. © Boris Baschin
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VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern: Am Sonntag geht's um den Meistertitel der Frauen-Bundesliga - und um die Teilnahme an der neuen Champions-League-Gruppenphase.

Es geht um die Tabellenführung, es geht um die Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft - und es geht auch um viel Geld. Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg empfangen am Sonntag (13 Uhr, live im NDR und BR) den FC Bayern zum Spitzenspiel. Der "Classico" des deutschen Frauenfußballs ist das Duell der beiden Klubs, die ihre Sportart national seit Jahren dominieren.

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Was die Partie in diesem Jahr zusätzlich würzt: Nur der Meister hat die Teilnahme an der neuen Champions-League-Gruppenphase sicher, der Vizemeister muss davor in eine unter Umständen schwierige Qualifikationsrunde. Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen: "Das Erreichen der Gruppenphase ist natürlich enorm wichtig. Wer diese Gruppenphase direkt erreicht, hat auch im September zwei englische Wochen weniger." Ebenfalls wichtig: Der Wolfsburger und der Münchner Kader seien "klar dafür ausgelegt, nächstes Jahr mit vielen englischen Wochen zu spielen - ohne Champions League wären die Kader vielleicht ein bisschen zu breit besetzt." Reagieren könne man nach der Quali nicht mehr, denn "dann ist das Transferfenster zu."

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Und die Gruppenphase lohnt sich: Zwischen 400.000 Euro (für alle Gruppenphasen-Teams) und 1,4 Millionen Euro (für den Sieger der Königsklasse) sind dort zu verdienen, 24 Millionen Euro schüttet die UEFA pro Saison insgesamt aus - das ist dank Zentral-Vermarktung vier Mal so viel wie bisher. Weil 5,6 Millionen Euro in einen Solidar-Topf fließen, mit dem auch nicht-Champions-League-Klubs gefördert werden, bringen Erfolge der deutschen Mannschaft in der Königsklasse auch Geld für die Bundesliga-Konkurrenten.

Die Zentral-Vermarktung sorgt für eine bessere Sichtbarkeit der Champions League: Es gibt einheitliche Anstoßzeiten, TV-Verträge - und wie bei den Männern eine eigene Hymne. „Diese Änderungen sind Ausdruck einer gemeinsamen Vision und sie stellen sicher, dass wir uns alle in die gleiche Richtung bewegen – nach vorne“, so Ex-VfL-Spielerin Nadine Keßler, die mittlerweile Frauenfußball-Chefin der UEFA ist.

"Wenn man ein, zwei Jahre die Champions-League-Gruppenphase nicht erreicht", so Kellermann, "wird es immer schwieriger, die Spielerinnen zu bekommen, die man haben will. Spielerinnen wie Oberdorf, Lattwein oder Waßmuth, die gekommen sind oder kommen werden, entscheiden sich dann eher nicht mehr für Wolfsburg." Schon jetzt seien die Bayern nicht nur ein sportlicher Konkurrent, sondern auch ein Rivale auf dem Transfermarkt: "Wenn wir uns um dieselben Spielerinnen bemühen, dann mussten wir erkennen, dass der FC Bayern ganz andere Möglichkeiten hat als wir, das ist ja bei den Männern nicht anders. Daran wird sich in Zukunft auch nichts mehr ändern, aber sportlich werden wir weiter konkurrenzfähig sein."

Die neue Champions League macht den Meisteritel noch attraktiver. Gewinnt der VfL am Sonntag gegen die Bayern, hat er vor den abschließenden beiden Liga-Partien einen Punkt Vorsprung. "Entschieden", so Kellermann, "ist das Titelrennen nur, wenn der FC Bayern in Wolfsburg gewinnt. Aber natürlich hat der, der den Platz als Tabellenführer verlässt, die besseren Karten in der Hand. Beide haben noch Spiele, die nicht ohne sind, beide spielen noch gegen Frankfurt, das ist schon ein Brett." Sportlich ist der VfL in der Rolle des Herausforderers - aber der Verlauf der Saison spricht eher für Wolfsburg. "Wir sind in der Pflicht, das Spiel gewinnen zu müssen. Aber Bayern hat schon zwei von drei Titelchancen verspielt, das ist mental für eine Mannschaft und für das Trainerteam auch nicht so einfach."


National sind Wolfsburg und Bayern das Maß der Dinge - international drohen vor allem die englischen Klubs übermächtig zu werden. "Die englische Liga hat uns in Sachen Vermarktung und Sichtbarkeit klar abgehängt", betont Kellermann. "Es ist nicht so, dass wir in Deutschland gar nichts gemacht haben. Aber es ist in anderen Ländern deutlich schneller gegangen. Speziell der Fernsehvertrag in England hat alle aufgerüttelt. Dort hat man es auch mithilfe des Verbandes geschafft, aus der Frauen-Liga ein attraktives Produkt zu machen - und das konnte man dann den TV-Sendern anbieten. Nun hat man auch beim DFB erkannt, dass man das Tempo erhöhen sollte - es wird höchste Zeit."