06. Oktober 2021 / 23:37 Uhr

Wolfsburgs Fußballerinnen nach dem 3:3-Drama in London: "Haben uns selbst beeindruckt"

Wolfsburgs Fußballerinnen nach dem 3:3-Drama in London: "Haben uns selbst beeindruckt"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der Schlusspunkt: Chelseas Pernille Harder bejubelt den späten gegen den VfL Wolfsburg.
Der Schlusspunkt: Chelseas Pernille Harder bejubelt den späten gegen den VfL Wolfsburg. © (c) PA Wire
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Ein Punkt beim FC Chelsea ist viel wert - aber die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg waren ganz dicht dran, alle drei Zähler beim Auftakt der neuen Champions League einzufahren. Trainer Stroot: "Für uns war das ein ganz entscheidendes Spiel - auch mit Blick auf die Zukunft."

Ein Punkt ist gut - drei wären besser gewesen. Und sie waren möglich für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg an diesem irren Champions-League-Abend im Kingsmeadow am Mittwochabend. 3:3 hieß es zum Auftakt der Gruppenphase zwischen dem FC Chelsea und dem VfL Wolfsburg, erst in der Nachspielzeit sorgte Ex-VfLerin Pernille Harder für den Endstand. Wolfsburg-Trainer Tommy Stroot wollte nach Abpfiff nicht von verlorenen, sondern von einem gewonnen Punkt sprechen: "Das wir einen haben, ist ja schon mal gut. Und generell, das habe ich auch der Mannschaft im Kreis nach dem Spiel gesagt, hat uns die Art und Weise, wie wir hier aufgetreten sind, extrem beeindruckt."

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Samantha Kerr hatte den Vorjahresfinalisten schon in der 12. Minute in Führung gebracht, zwei Tore von Tabea Waßmuth (18./48.) sowie der 2:1-Führungstreffer von Jill Roord (34.) drehten das Spiel zunächst, dann machte es Bethany England vor 1400 Zuschauern nocheinmal spannned, ehe Harder den letzten der vielen Patzer auf beiden Seiten zum 3:3 nutzte. Dass die Chelsea-Dreierkette fehleranfällig ist, war den Wolfsburgerinnen bewusst. "Überrascht hat uns wenig, wir haben uns entsprechend vorbereitet...", so Stroot, denn: "Wir wussten, wie sie spielen und wie wir an unsere Möglichkeiten kommen."

In den ersten 20 Minuten konnte der VfL die Räume noch nicht so gut bespielen, aber "wir sind dann mit jeder Minute einen Schritt weitergekommen und gefährlicher geworden." Für die Mannschaft sei wichtig gewesen, dass "wir das auch so erleben - und nicht einfach nur ein 3:3 holen mit drei Umschaltmomenten. Wir haben selber probiert zu spielen. Auch wenn der Ausgleich hart war, geht es im Endeffekt darum, zu fühlen, was mit der Gruppe möglich ist. Das hat heute jeder gesehen - wir haben uns selbst beeindruckt."

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Wolfsburgs Doppel-Torschützin Waßmuth wurde zur Spielerin des Spiels gewählt. Für den Neuzugang waren es die ersten Königsklassen-Treffer überhaupt. Stroot lobt: "Vor allem in den Phasen, wo wir den Ball gerade gewinnen, war sie sehr wichtig für uns. Aber auch in Verbindung mit den anderen hat es super funktioniert. Wir konnten sie nur so gut einsetzen, weil wir als Team gut gearbeitet haben." Die Offensivspielerin selber blieb bescheiden. "Ich hatte ja noch nicht so viele große Spiele in meinem Leben, deswegen wollte ich einfach alles mitnehmen und versuchen, nicht so viel nachzudenken. Ich wollte mein Spiel durchziehen und das ist mir gelungen", so die 25-Jährige, die beteuert: "Vor den Toren ist nicht viel in mir vorgegangen. Ich habe einfach nur reagiert - das ich gleich zwei Mal getroffen habe, ist natürlich schön."

Spielerisch sei es ärgerlich, so spät den Ausgleich zu kassieren, aber "wenn wir jetzt eine Nacht drüber schlafen, werden wir sehr viel Positives aus diesem Spiel rausnehmen können. Hätte uns vor dem Spiel jemand gesagt, dass es so ausgeht, hätten wir es dankend angenommen." Die Vorbereitung war nach dem 2:2 in Freiburg nicht einfach, so Waßmuth, aber: "Wir können auf das Chelsea-Spiel nun aufbauen. Diese Mentalität, diesen Siegeswillen, den vollen Einsatz, den müssen wir immer zeigen, gegen jeden Gegner." Denn das sei die Kunst, "eine gute Mannschaft zu sein. Das sind wir - wir müssen es nur einfach jedes Spiel auf den Platz bringen."

Chelsea-Coach Emma Hayes resümierte nach Abpfiff: "In den Statistiken haben wir klar dominiert, das war gegen Wolfsburg noch nie so der Fall wie heute. Wir hatten keine taktischen Probleme, haben uns aber bei jedem Gegentor zu grobe Fehler geleistet. Und wenn man 1:3 hinten liegt, ist es am Ende ein gewonnener Punkt." Die 44-Jährige sei dennoch stolz, "wie wir uns zurück gekämpft haben. Wir haben uns nie aufgegeben."


Im zweiten Spiel in Gruppe A setzte sich Juventus Turin deutlich mit 3:0 bei Servette Genf durch. Mit Servette es der VfL als nächstes zu tun: Kommenden Mittwoch (18.45 Uhr) gastiert der Meister der Schweiz im AOK-Stadion.