25. Oktober 2021 / 18:54 Uhr

Wolfsburgs Interimstrainer: Zwei bekamen nur ein Spiel, einer war gleich zweimal da

Wolfsburgs Interimstrainer: Zwei bekamen nur ein Spiel, einer war gleich zweimal da

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Der nächste Interimstrainer: Michael Frontzeck (M.) reiht sich bei Pierre Littbarski (r.), Lorenz-Günther Köstner und Co. ein.
Der nächste Interimstrainer: Michael Frontzeck (M.) reiht sich bei Pierre Littbarski (r.), Lorenz-Günther Köstner und Co. ein. © Roland Hermstein/Boris Baschin
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Michael Frontzeck ist Interimstrainer des VfL Wolfsburg. Vor ihm gab's beim Bundesligisten einige weitere Coaches, die diese Rolle inne hatten.

Dieter Winter, Uwe Erkenbrecher, Pierre Littbarski, zweimal Lorenz-Günther Köstner und Valérien Ismael: Die Liste der Interimstrainer in der Geschichte des VfL Wolfsburg ist kurz. Jetzt kommt mit Michael Frontzeck ein weiterer dazu, der 57-Jährige übernimmt den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten übergangsweise nach der Trennung von Chefcoach Mark van Bommel. Eine Lösung auf Dauer ist das nicht, das wurde direkt so kommuniziert. Den Sprung vom Interims- zum Cheftrainer hat bisher in der VW-Stadt auch nur einer geschafft.

Nach durchwachsenen Ergebnissen mit einem zu diesem Zeitpunkt ziemlich teuren VfL-Kader musste Pokalsieger-Coach Dieter Hecking im Oktober 2016 gehen. Ismael, damals Coach der Wolfsburger U23, bekam das Vertrauen von Manager Klaus Allofs - als Interimslösung. Zwei Spiele sollte er ursprünglich bekommen. "Valérien hat in seiner Karriere immer die Herausforderung gesucht, er wollte immer den nächsten Schritt machen. Er ist ein guter Trainer", so Allofs damals. Aus zwei Spielen wurden vier, der VfL kassierte zwei Niederlagen und holte zwei Siege. Nach dem 3:0 in Freiburg sprachen sich die Wolfsburger Profis beim Torjubel mit Ismael für ihren Coach aus - woraufhin dieser Cheftrainer wurde. Doch der Erfolg hielt nicht lange an: 13 Spiele und drei Monate später tauschte Allofs-Nachfolger Olaf Rebbe den Trainer aus. Für Ismael ging's nach einjähriger Pause in Griechenland bei Apollon Smyrnis weiter.

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Gleich zweimal war Köstner VfL-Interimstrainer. Ende Januar 2010 folgte der VfL-II-Coach auf Armin Veh, der nach einem 2:3 gegen Köln gehen musste. Die Stimmung rund um den VfL sei "zu belastet gewesen", sagte Ex-Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz damals. Satte 21 Partien und damit bis zum Saisonende durfte Köstner bleiben, in der Europa League führte er Wolfsburg nach dem Champions-League-Aus bis ins Viertelfinale und in der Liga auf Rang acht. Anschließend übernahm Steve McClaren, Köstner ging zurück zur U23. Doch er kam wieder, im Oktober 2012 als Nachfolger von Felix Magath nach dessen zweiter VfL-Amtszeit. Bis zum Jahresende durfte Köstner die Geschicke in elf Partien (sechs Siege) leiten, dann kam Hecking. Für Köstner ging's erneut zur U23.

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Und zwischen den beiden Köstner-Engagements probierte sich Weltmeister Pierre Littbarski, bis dahin Co-Trainer unter McClaren, als Cheftrainer. Als Nachfolger des Engländers bekam "Litti" im Februar 2012 fünf Spiele - holte aber nur einen Sieg (2:1 gegen Gladbach). Manager Dieter Hoeneß wollte bis Saisonende an ihm festhalten, dann haute VW dazwischen - Hoeneß musste gehen, Magath kam als Trainer-Manager zurück an den Mittellandkanal und arbeitete zunächst mit Littbarski als Co-Trainer.

In der Interimstrainer-Historie des VfL gibt's zudem zwei Coaches, die nur eine Partie mit den Wolfsburgern bestreiten durften: Der eine war Erkenbrecher, der den VfL in seiner Zeit von 1991 bis 1993 erst in die 2. Liga und damit in den Profi-Fußball geführt hatte. Vier Tage lang - als Nachfolger von Aufstiegstrainer Willi Reimann - kehrte der damalige VfL-II-Trainer "Erke" im März 1998 zurück. Erfolgreich war das kurze Intermezzo nicht, es gab ein 1:3 bei Werder Bremen, VfL-Rekordtrainer Wolfgang Wolf übernahm, Erkenbrecher machte beim VfB Lübeck weiter. Der andere - allerdings zu Zweitliga-Zeiten - war Dieter Winter (zuvor Spielertrainer beim SV Calberlah), der 1993 nach der Trennung von Erkenbrecher als dessen bisheriger Co-Trainer mit dem VfL 3:1 in Freiburg gewann, dann unter Eckhard Krautzun wieder Co-Trainer wurde.

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Jetzt hält mit Frontzeck der nächste Interimstrainer die Zügel in der Hand. Am Samstag, wenn der VfL in Leverkusen antritt, wird er voraussichtlich als Cheftrainer auf der Bank sitzen - als Bundesliga-erfahrener Coach in der Interimsrolle verschaffe Frontzeck dem Verein nun bei der Trainersuche "Zeit und Gestaltungsmöglichkeiten", so VfL-Manager Jörg Schmadtke.


Und Frontzeck bringt viel Erfahrung mit - war bei seinen Stationen aber meist nicht so erfolgreich. Von 2000 bis 2003 war der VfL-Interimscoach Assistent von Hans Meyer bei Borussia Mönchengladbach, wo er einst seine Spielerkarriere beendet hatte, ehe es ihn nach Hannover 96 zog, wo er als Co-Trainer von Ewald Lienen arbeitete. Im September 2006 wurde Frontzeck erstmals Chefcoach - bei Alemannia Aachen. Weiter ging's bei Arminia Bielefeld, Gladbach und schließlich zurück zu 96. Mit Hannover schaffte er innerhalb von fünf Spielen den Klassenerhalt.

Anschließend legte Frontzeck eine mehr als zweijährige Pause ein, bis er sich 2018 für ein Engagement beim 1. FC Kaiserslautern entschied. Dort blieb er genau zehn Monate, holte einen Punkteschnitt von 1,46 - mehr waren ihm bei keinem anderen Klub gelungen. Dennoch musste Frontzeck in Lautern gehen. Mit den roten Teufeln hatte er den zehnten Tabellenplatz belegt und war von einem Wiederaufstiegsplatz – dem erklärtem Ziel des Vereins – zehn Punkte entfernt.