05. Oktober 2016 / 11:10 Uhr

Wolfsburgs Klaus Allofs im Interview: "Wir stehen unter Ergebnisdruck"

Wolfsburgs Klaus Allofs im Interview: "Wir stehen unter Ergebnisdruck"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Klaus Allofs fordert in den nächsten Wochen bessere Ergebnisse seiner Mannschaft.
Klaus Allofs fordert in den nächsten Wochen bessere Ergebnisse seiner Mannschaft. © dpa/Carmen Jaspersen
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Im Interview spricht Wolfsburgs Manager Klaus Allofs über den Fehlstart bei den Niedersachsen und die Erwartungen an die weitere Saison.

Mit mageren sechs Zählern aus sechs Spielen steckt der VfL Wolfsburg im Niemandsland der Bundesliga-Tabelle fest. Für die Ansprüche der Niedersachsen ist das viel zu wenig. Doch gerade die Offensive des Meisters von 2009 hakt und verschenkt zu viele Chancen: Nur vier Tore erzielte der Angriff um Nationalspieler Mario Gomez bislang.

Trotz des Fehlstarts in die neue Saison hat Manager Klaus Allofs keine Zweifel an Trainer Dieter Hecking, der schon in der Vorsaison das internationale Geschäft verpasste. Im Interview mit Andreas Pahlmann von der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" spricht der frühere Bremer über die aktuelle Situation beim VfL Wolfsburg und die Zukunft des Clubs.

Andreas Pahlmann: "Sie sagten nach dem Mainz-Spiel, es sei jetzt nicht der Moment, wo man ernsthaft eine Trainerdiskussion beginnen sollte. Aber wird die nicht irgendwann automatisch geführt?"

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Klaus Allofs: "Nicht von uns aus. Ich verstehe, dass die Frage aufkommt und dass vielleicht auch öffentlicher Druck ensteht, aber der sollte uns nicht leiten. Wir sind beim besten Willen nicht in der Situation, irgendeine Entscheidung treffen zu müssen."

"Sechs Punkte aus sechs Spielen..."

"...sind zu wenig, ja. Wir sind punktemäßig hinter unseren Erwartungen zurück. Wir stehen unter Ergebnisdruck, das weiß auch der Trainer. Aber jetzt und heute wäre es einfach falsch, vielleicht vorschnell zu handeln. Denn es sprechen sehr viele Dinge dafür, dass wir mit dieser Mannschaft besser und erfolgreicher spielen werden."


"Welche Dinge?"

"Wir glauben weiterhin an das Potenzial und an die Qualität, die in dieser Mannschaft steckt. Man muss in die Beurteilung der Situation auch einfließen lassen, dass uns wichtige Spieler fehlen und dass die Mannschaft immer noch im Umbruch ist. Das soll keine Ausrede sein – und das taugt auch nicht unbegrenzt als Erklärung, denn auf Dauer müssen wir Resultate liefern, das ist klar. Diese Mannschaft kann und muss in Zukunft mehr von ihrem Potenzial abrufen. Dies ist uns allen bewusst."

"Was fehlt Gomez?"

"In erster Linie ein Erfolgserlebnis, das gilt aber für alle. Nehmen Sie mal den Schalker Sieg gegen Gladbach. Da läuft lange wenig zusammen, dann gibt es einen zweifelhaften Elfmeter zum 1:0, beim 2:0 geht der Ball dem Torwart durch die Beine. So, wie es bei uns aktuell läuft, hätte Mario dem Torwart ans Bein geschossen."

"Fehlen nur die Tore? Oder fehlt nicht auch ein besseres Offensivspiel?"

"Ja, natürlich. Zu einem guten Offensivspiel gehört auch, dass man Tore erzielt. Das können wir viel besser machen. Positiv muss man aber auch vermerken, dass sich unsere Mannschaft im Ligavergleich die fünftmeisten Torchancen erarbeitet hat. Das gibt mir schon einigen Optimismus für die nächsten Spiele. Aber die persönliche Form einer Vielzahl von Spielern muss sich noch verbessern."

"Und deswegen ist es langsam?"

"Wenn man Sicherheit und Selbstbewusstsein hat, wenn man den Ball laufen lässt, wird das Spiel sofort schneller. Bei uns ist diese Sicherheit noch nicht da, deswegen wird oft die vermeintlich sichere Lösung mit dem Pass nach hinten gesucht. Dass man gleich mit dem ersten Ballkontakt die Aktion nach vorne sucht und damit das Spiel beschleunigt, das fehlt derzeit oft noch."

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*"Das Selbstbewusstsein fehlt, der Druck wächst..." *

"In diese Lage hat sich die Mannschaft fahrlässig gebracht, als sie das Spiel in Bremen verloren hat – und jetzt spürt sie den Druck und dann sieht es in manchen Situationen verkrampft aus, auch am Ende gegen Mainz. Da sieht man dann, dass beispielsweise Mario Gomez, Julian Draxler, Christian Träsch und auch die übrige Mannschaft alles versuchen und investieren, um endlich den langersehnten Heimsieg einzuspielen. Doch die Lockerheit und Leichtigkeit, die im Fußball auch eine große Rolle spielen, fehlen zurzeit einfach."

"Positiv ist, dass es schon vier Spiele ohne Gegentor gab."

"Ja, das ist sehr gut und zeigt, dass die Mannschaft in der Defensivarbeit sich deutlich verbessert und zugelegt hat. Leider kommt dies erst richtig zum Tragen, wenn zugleich auch Tore geschossen werden und die Resultate stimmen."

"Josip Brekalo war ein belebender Faktor, als er gegen Mainz reinkam."

"Ja, das ist seine Qualität. Gerade für ihn würde ich mir wünschen, dass wir mal führen und souverän spielen, dann hätte er mehr Platz und könnte noch viel mehr von dem zeigen, was er kann. Er gehört zu den guten jungen Spielern, die wir haben – genau wie Jannes Horn und auch Paul Seguin, der gerade zeigt, dass er ein richtig guter Bundesliga-Spieler werden kann. Es ist ein bisschen schade, dass das gerade in der Diskussion um fehlenden Punkte und vergebene Torchancen ein bisschen zu kurz kommt. Das ist das, was mich im Moment fast am meisten stört – und das meine ich als Vorwurf an uns selbst, weil wir uns in diese Situation gebracht haben."

"Glauben Sie immer noch, dass der Kader gut genug für Europa ist?"

"Wie schon erwähnt, glaube ich an die Fähigkeiten unseres Kaders. Doch die Bundesliga verzeiht keine Unkonzentriertheiten und Fehler. Deswegen müssen wir schnell in die Spur kommen, um das Ziel, Rückkehr in den internationalen Wettbewerb, zu erreichen."

"Was erwarten Sie jetzt gegen Leipzig?"

"Totales Engagement aller Spieler für die Mannschaft. Das wäre ein guter Grundstein für eine sehr gute Leistung. Dazu bitte ich auch um genauso totale Unterstützung und gegebenenfalls noch ein wenig Geduld von  unseren Fans. Dann werden wir nur schwer zu schlagen sein!"